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Georg Anastasiadis

Kommentar

Buch auf der Parkbank lesen nicht erlaubt? Nichts gegen die Münchner Polizisten , aber ...

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Was ist den Bürgern in Zeiten von Corona noch erlaubt, was nicht? Die Polizei meint: Ein Buch auf der Parkbank lesen geht gar nicht. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis. 

Nein, ein Buch auf der Parkbank lesen ist nicht erlaubt, twitterte gestern die Münchner Polizei. Manche hielten das für einen Scherz. Ist es aber nicht. Sondern der volle Ernst von Beamten, die die bayerischen Ausgangsbeschränkungen buchstabengenau auslegen. Und damit den Menschen, vor allem denen in der Stadt mit ihrer oft beengten Wohnsituation, das Leben noch schwerer machen, als es in dieser dunklen Zeit ohnehin schon ist.

Mehr Augenmaß bitte, möchte man den Ordnungshütern und der Politik zurufen. Wer sich erkennbar achtsam verhält und sich und andere vor Ansteckung schützt, sollte nicht auch noch drangsaliert werden. Bayern darf auch in den Zeiten von Corona nicht zum Polizei- und Blockwartsstaat werden, und der Grat zwischen Gesetzestreue und behördlichem Übereifer, zwischen Achtsamkeit und Hysterie, ist schmal. Wo sollen die Münchner denn noch hin? Am Tegernsee werden ihre Autos mit Eiern beworfen. Und wenn sie in ihrer Stadt bleiben und auf einer einsamen Parkbank ein Buch lesen und ein wenig die Frühlingssonne genießen wollen, kommt die Söder-Polizei und vertreibt sie auch von dort. So verärgert der Staat mündige Bürger, die bereit sind, für sich und andere viele notwendige Einschränkungen hinzunehmen.

Nichts gegen die bayerischen Polizisten, die in schwieriger Zeit gewissenhaft ihren Job machen. Wir schulden ihnen Dank, weil sie mit ihrem Einsatz unser aller Gesundheit schützen und vielleicht auch unser Leben. Dennoch war es richtig, dass der Ministerpräsident gestern mehr Fingerspitzengefühl im Umgang mit einer komplizierten und für alle hoch belastenden Situation anmahnte. Sicherheit und Freiheit gehören zu unseren wichtigsten Werten. Und sie müssen, wie Söder zu Recht feststellt, auch in Ausnahmesituationen wie dieser immer in der Balance gehalten werden, wenn wir auf der Gratwanderung, zu der uns das Coronavirus noch lange zwingen wird, nicht straucheln wollen.

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