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„Mit Delta-Welle nicht vergleichbar“ - trotzdem haben Bayerns Krankenhäuser ein Problem

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Von: Sebastian Horsch

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Größere Sorgen als das Patientenaufkommen bereitet Bayerns Krankenhäusern aktuell der Blick auf die Personaldecke.
Größere Sorgen als das Patientenaufkommen bereitet Bayerns Krankenhäusern aktuell der Blick auf die Personaldecke. © Christoph Soeder/dpa/dpa-Bildfunk

Viele Fälle, aber nicht mehr schwere Verläufe. Auch in Bayern scheint sich dies zu bestätigen. Die Krankenhäuser haben dennoch eine große Sorge.

München – Klaus Holetschek (CSU) hat Husten und Fieber. Am Mittwoch hat Bayerns Gesundheitsminister ein positives PCR-Testergebnis erhalten. Seither arbeitet er von seinem Arbeitszimmer in Memmingen aus, nimmt von zuhause an Videokonferenzen teil und absolviert ausgewählte Online-Termine. „Ich folge aber auch dem Rat meines Arztes, mich etwas zu schonen“, sagt Holetschek. Und vor allem versucht er, seiner Frau aus dem Weg zu gehen. „Sie ist bisher noch negativ.“ Dass es ihn vergleichsweise weniger schlimm erwischt habe, schreibt Holetschek seinem Impfstatus zu. „Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es wäre, wenn ich nicht geboostert wäre“, sagt er.

So wie ihrem Gesundheitsminister dürfte es derzeit einigen Bayern gehen. Die Neuinfektionen steigen täglich, von besonders schweren Verläufen und komplett überlasteten Intensivstationen hört man in dieser Welle aber bisher wenig. Ein Blick in die Statistiken bestätigt dieses Bild.

Die Zahl der Covid-Patienten auf Normalstationen hat sich wieder verdoppelt

Ein Höchststand bei der Belastung der Krankenhäuser war in Bayern Anfang Dezember erreicht – mit rund 1100 Covid-Patienten auf den Intensivstationen und etwa 3700 auf den Normalstationen. Bis Mitte Januar gingen die Zahlen dann deutlich nach unten auf nur noch rund 400 Covid-Intensivpatienten und etwa 1100 auf der Normalstation. Bei den Intensivpatienten ist die Kurve seither noch einmal leicht gesunken und bewegt sich seit Ende Januar seitwärts – am Freitag zeigt das Divi-Intensivregister 336 an. Die Zahl der Covid-Patienten auf Normalstationen hat sich hingegen wieder verdoppelt – auf rund 2200. Im Großen und Ganzen entspreche das alles den Erwartungen, die man an Omikron gehabt habe, bestätigt ein Sprecher der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG) – mehr Fälle, aber nicht mehr schwere Verläufe.

Dass die Patientenzahlen an sich die Krankenhäuser diesmal nicht überlasten dürften, legt auch eine vorausblickende Modellierung des RKI nahe. „Im größten Teil der Szenarien würde eine maximale Belastung der Intensivstationen, wie wir sie in der letzten Welle erlebt haben, ausbleiben“, zitiert die „Zeit“ einen der Autoren.

Doch größere Sorgen als das Patientenaufkommen bereitet der BKG der Blick auf die Personaldecke. Denn zum einen bestehe die Gefahr, dass viele Mitarbeiter sich selbst mit Omikron infizieren und krank ausfallen. Zum anderen, dass sie wegen eines Infizierten-Kontaktes zumindest kurzzeitig in Quarantäne müssen. Ein unterschätztes Problem sei zudem die Frage der Kinderbetreuung. Wenn ganze Schulklassen plötzlich in Quarantäne müssen, fallen auch die Eltern der Kinder teils schlagartig aus. Besonders in der Pflege zeige sich das bereits, sagt der BKG-Sprecher. Einzelne Häuser seien zuletzt schon mit Ausfällen von zehn Prozent konfrontiert gewesen. „Das macht es sehr schwer zu planen.“

„Wir mussten damals Patienten in andere Länder verlegen und sogar ausfliegen“

Auch Holetschek erkennt ein drohendes Personalproblem – nicht nur in den Kliniken, sondern auch in anderen Einrichtungen der kritischen Infrastruktur. „Da müssen wir genau hinsehen“, sagt er. Trotzdem habe sich etwas verändert. „Die heutige Situation ist mit der Delta-Welle nicht vergleichbar. Wir mussten damals Patienten in andere Länder verlegen und sogar ausfliegen – das war dramatisch.“

Wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) spricht sich Holetschek angesichts der neuen Lage für einen Stufenplan für Öffnungsschritte aus. „Wir sollten mit Blick auf den 15. oder 16. Februar – wenn sich die nächste Bund-Länder-Runde zusammenschaltet – Perspektiven schaffen.“ Das solle nicht bedeuten, alle Maßnahmen direkt fallen zu lassen. „Ich war immer gegen die Idee eines Freedom Days“, sagt Holetschek. Man werde zunächst weiter „im Corona-System“ leben müssen, „und auch die Masken werden uns noch begleiten“. Doch einen Zeitraum zu definieren, in dem es in Schritten zurück in Richtung Normalität gehen soll, sei jetzt richtig. „Die Leute brauchen das, um aus dem Winter rauszukommen.“ Sebastian Horsch - *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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