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Komplizierte Schul-Öffnungen in Bayern: Söder spricht von „Kollateralschäden“

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Von: Dirk Walter

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Grundschulen gehen in Bayern in den Wechselunterricht. Kultusminister Piazolo hatte sich von der CSU zur 100er-Grenze breitschlagen lassen. Ein komplizierter Kompromiss.

München - In die Schulgebäude zieht wieder mehr Leben ein: Ab Montag gehen in zwei Drittel aller Landkreise die Grundschulen wieder in den Wechselbetrieb. Weiterführende Schulen müssen sich gedulden.

Sabine Bösl, Rektorin der Quirin-Regler-Grundschule in Holzkirchen (Kreis Miesbach), hat am Dienstagmittag Fernsehen geschaut: die Pressekonferenz der Staatsregierung. Damit sie erfährt, wie es mit ihrer Schule weitergeht. So ganz genau weiß sie es immer noch nicht. „Das Schreiben des Kultusministeriums liegt noch nicht vor.“ Aber die Grundbotschaft hat sie gehört: In die Grundschulen dürfen ab kommenden Montag auch die 1., 2. und 3. Klassen kommen, wenn die Schule in einem Landkreis mit einer Inzidenz* von maximal 165 liegt – so wie in Miesbach, das am Dienstag bei 130 rangierte. Auch für die Förderschulen (inklusive 5./6. Klasse) gilt die neue Regel, bei den weiterführenden Schulen bleibt die Grenze indes wie gehabt: bei 100. Erst nach den Pfingstferien (7. Juni) wird hier die Inzidenzgrenze auf 165 angehoben.

„Kollateralschäden“ von Distanzunterricht: Söder und CSU drücken Piazolo - er wollte 100er-Grenze überall

Grundschule first – Ministerpräsident Markus Söder* begründet das mit „gewissen Kollateralschäden“, die die langen Wochen des Distanzunterrichts bei den jüngeren Schülern angerichtet hätten. „Es ist natürlich auch ein Kompromiss“, sagt Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) unserer Zeitung. Klar, er hätte die Grenze 165 gerne für alle Schulen gehabt. Aber die CSU* war skeptisch, sagt Piazolo, habe weiter für die 100er-Grenze an allen Schulen plädiert. Man traf sich dann ungefähr in der Mitte.

Corona in Bayern: Viele Schulen öffnen wieder - Regeln extrem kompliziert

Stand Dienstag lagen 48 Landkreise und kreisfreie Städte bei einer Inzidenz zwischen 100 und 165, aber nur 19 waren unter 100. Interessant sind jetzt die Feinheiten: Die Schulen müssen den Verlauf der Inzidenz über fünf Tage berücksichtigen, damit sie wissen, wann für sie der Öffnungstag gekommen ist. So schreibt es die Regelung in der Bundes-Notbremse* vor.

Das Kultusministerium hat auf seiner Homepage sogar Beispielrechnungen veröffentlicht, so kompliziert ist die Lage. Wenn der Schwellenwert von 165 zum Beispiel erstmals am Mittwoch und danach auch am Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag unterschritten wird, gilt ab Dienstag Wechselunterricht für alle Jahrgangsstufen – denn die Schulen dürfen einen Karenztag (hier: Montag) beanspruchen, um sich auf die Öffnung vorzubereiten.

„So eine Konstellation kann es geben, dass es im Laufe einer Woche zu Veränderungen kommt“, warnt ein Sprecher des Kultusministeriums. Dort hält man die alte Corona*-Regelung – die stets den Freitag als Stichtag hatte – für übersichtlicher. Aber Bayern müsse sich eben auch hier der Bundes-Notbremse beugen. Spannend dürfte es zum Beispiel im Landkreis Rosenheim werden: Dort war die Inzidenz am Montag unter 100 gerutscht. Nun muss das stabil insgesamt fünf Tage (also bis Freitag) so sein, damit auch die weiterführenden Schulen für den Wechsel-Betrieb öffnen. Doch die Öffnung wackelt – Dienstag lag die Inzidenz bei 98,3.

„Ankommensphase nach Corona-Pause: Rektorin begrüßt wohl jetzt Erst- bis Drittklässler in der Schule

Grundschul-Rektorin Sabine Bösl rechnet damit, dass sie ihre Erst- bis Drittklässler wieder am Montag in der Schule begrüßen kann – zumindest die Hälfte, denn es ist ja Wechselunterricht. Zuletzt waren diese Schüler in der ersten Woche nach den Osterferien in der Schule. Jetzt werde es erst mal eine „Ankommensphase“ geben. „Gleich am ersten Tag mit einer Probe zu starten, wäre mit Sicherheit falsch.“ *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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