Joe Biden, US-Präsident
+
Joe Biden will den Ursprung der Corona-Pandemie aufklären. (Archivfoto)

US-Präsident fordert Bericht

Corona-Ursprung in Wuhan-Labor? Biden schickt Geheimdienste auf Spurensuche - China schlägt zurück

  • Andreas Schmid
    vonAndreas Schmid
    schließen

Kam das Coronavirus aus einem Labor? Diese These kursiert quasi seit Pandemiebeginn. Nun sorgt sie erneut für Wirbel - und womöglich für neuen Streit zwischen den USA und China.

Update vom 27. Mai, 11.40 Uhr: Die Volksrepublik China weist die Theorie eines Laborunfalls als Ursprung der Corona-Pandemie vehement von sich. Damit reagiert Peking auf die von Biden angeordnete neue Geheimdienst-Untersuchung und kritisiert diese scharf. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums wies am Donnerstag die Notwendigkeit einer solchen Untersuchung zurück - und beschuldigte die US-Geheimdienste einer „dunkle Geschichte“. Die Kommunistische Partei wirft der US-Regierung vor, durch Verschwörungsmythen und eine Politisierung der Pandemie von den eigenen hohen Todeszahlen durch Corona ablenken zu wollen.

„Motive und Ziele“ seien „klar“, so der Sprecher weiter. „Die dunkle Geschichte der US-Geheimdienste ist der Welt seit langem bekannt“, sagte er in Anspielung auf die Begründung der US-Regierung für die Irak-Invasion 2003. Die damalige US-Regierung hatte vermeintliche Belege für Massenvernichtungswaffen präsentiert, die der Irak nie besaß.

Corona-Usprung in Labor? Biden schickt Geheimdienste auf Spurensuche und hat „spezifische Fragen an China“

Erstmeldung vom 26. Mai, 21.50 Uhr:

Washington - US-Präsident Joe Biden hat neue Geheimdienst-Untersuchungen sowie einen neuen Bericht zum Ursprung der Corona-Pandemie angeordnet. Die Nachrichtendienste müssten ihre Bemühungen beim Sammeln und Analysieren von Informationen über einen möglichen Laborunfall in China verstärken und ihm binnen 90 Tagen einen Bericht vorlegen, erklärte Biden am Mittwoch. Hintergrund ist die Frage, ob möglicherweise ein Laborunfall in der chinesischen Stadt Wuhan zu der weltweiten Pandemie mit mehr als 3,4 Millionen Toten führte.

Coronavirus: Ursprung der Pandemie - US-Geheimdienste uneinig

Ein Bericht des Wall Street Journal hatte Mutmaßungen über einen Unfall im Institut für Virologie in Wuhan zuletzt neuen Auftrieb gegeben. Die US-Zeitung berichtete am Sonntag unter Berufung auf einen US-Geheimdienstbericht, dass im November 2019 drei Mitarbeiter des Instituts so schwer erkrankt seien, dass sie ein Krankenhaus aufgesucht hätten. Die ersten Corona-Infektionen waren Ende 2019 in Wuhan bekannt geworden. Am 31. Dezember 2019 wurde die Weltgesundheitsorganisation von China über die Häufung von Pneumonien (Lungenerkrankungen) informiert.

Biden hielt sich zuletzt etwas zurück, was den Ursprung des Virus angehe und ließ lediglich verlauten, man habe „weiterhin ernsthafte Fragen zu den frühesten Tagen der Covid-19-Pandemie, einschließlich ihrer Ursprünge in der Volksrepublik China.“ Nun erklärte der US-Präsident, er habe bereits im März bei den Geheimdiensten einen Bericht angefordert mit der Frage, ob der Ausbruch auf eine Übertragung des Virus von Tier zu Mensch zurückgehe oder auf einen Laborunfall. Der Bericht sei ihm im Mai vorgelegt worden. Bei den US-Geheimdiensten herrsche derzeit Uneinigkeit in der Frage, welches Szenario wahrscheinlicher sei.

Coronavirus: Pandemieursprung - Biden kündigt „spezifische Fragen an China“ an

Auch der als Top-Virologe im Land bekannte Berater Anthony Fauci ließ zuletzt durchblicken, dass er mittlerweile nicht mehr restlos davon überzeugt sei, Sars-Cov-2 sei auf natürliche Weise entstanden - wenngleich dieses Szenario weiterhin als „sehr wahrscheinlich“ zu betrachten sei. Mit dem angeordneten Bericht wolle Biden dem Ursprung nun endgültig auf dem Grund gehen. Dabei spielen auch mögliche „spezifische Fragen an China“ eine Rolle.

Zugleich rief der US-Präsident die Regierung in Peking zu mehr Transparenz auf: „Die USA werden weiterhin mit gleichgesinnten Partnern zusammenarbeiten, um Druck auf China auszuüben, an einer vollständigen, transparenten, auf Fakten basierenden internationalen Untersuchung teilzunehmen und Zugang zu allen relevanten Daten und Beweisen zu gewähren.“

Joe Biden und Chinas Staatschef Xi Jinping: Das Verhältnis der beiden Großmächte ist angespannt. (Archivfoto)

Coronavirus: Covid-19 im Labor entstanden? China: „Verschwörungstheorien und Falschinformationen“

Schon bald nach Beginn der Pandemie war darüber spekuliert worden, dass das Virus bei einem Unfall aus dem Institut für Virologie in Wuhan, in dem mit Coronaviren geforscht wird, entwichen sein könnte. Die chinesische Regierung hat das energisch bestritten. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums warf den USA am Mittwoch vor, „Verschwörungstheorien und Falschinformationen zu verbreiten“. Nachdem die US-Geheimdienstberichte publik geworden waren, sprach die Volksrepublik bereits von einer „kompletten Lüge“.

In einer (umstrittenen) Studie der Universität Hamburg hieß es im Februar 2021: „Die vorliegende einjährige Studie kommt zu dem Schluss, dass sowohl die Zahl als auch die Qualität der Indizien eindeutig für einen Laborunfall am virologischen Institut der Stadt Wuhan als Ursache der gegenwärtigen Pandemie sprechen.“

Coronavirus: Unwahrscheinlich, aber möglich - Laborunfall bleibt als Ursprung denkbar

Laut WHO gelten die direkte Zoonose, also die Übertragung vom Tier auf den Menschen sowie die Einschleppung über einen Zwischenwirt als wahrscheinlichste Ursprungsvarianten, jedoch gebe es für kein Szenario einen endgültigen Beweis. Die Entstehung in Folge eines Laborunfalls ist damit möglich, wenngleich sie von der WHO auch nach einer ausführlichen Studie als sehr unwahrscheinlich angesehen wird.

Der Bericht der WHO, in dem internationale Experten ihre Ergebnisse der Forschung aus Wuhan erläuterten, erlaube jedoch kein abschließendes Urteil. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus forderte, die Hypothese eines Laborunfalls in Wuhan weiter zu prüfen. Denn China sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, die Studie behindert zu haben. Zahlreiche Staaten äußerten ihre Besorgnis darüber, dass den Experten bei ihrer Untersuchung in China der Zugang zu Daten verwehrt worden sei. Auch bei der am Montag begonnenen WHO-Jahrestagung in Genf wurden Forderungen nach weitergehenden Untersuchungen laut. (as/afp)

Auch interessant

Kommentare