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Corona-Erleichterung für Geboosterte in Deutschland beschlossen - Virologen widersprechen Lauterbach

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Von: Bedrettin Bölükbasi, Jonas Raab

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Für alle, die schon eine Corona-Booster-Impfung haben, soll die Testpflicht entfallen. Das Vorhaben von Gesundheitsminister Lauterbach stößt bei Virologen auf Ablehnung.

Update vom 14. Dezember, 19.22 Uhr: Die Testbefreiung für Geboosterte kommt tatsächlich! Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek bestätigte nach den Beratungen der Gesundheitsminister von Bund und Ländern eine Einigung der Ressortchefs: „Wir haben uns darauf geeinigt, dass Personen mit erhaltener Auffrischungsimpfung nach deren vollständiger Wirksamkeit von der Testpflicht im Rahmen der 2G-Plus-Regelung befreit werden sollen“, sagte Holetschek gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Als vollständig gelten alle, deren Booster-Impfung mindestens 15 Tage zurückliegt. Die Testbefreiung greift allerdings nicht in allen Bereichen. In Krankenhäusern, Pflegeheimen und anderen medizinischen Einrichtungen müssen sich auch dreifach Geimpfte weiter testen lassen. Spätestens nach zwei Monaten soll der Beschluss laut Holetschek neu bewertet werden.

Corona-Konferenz mit Lauterbach: Beschlussentwurf zu Plänen für Geboosterte durchgesickert

Erstmeldung vom 14. Dezember: München - Die aktuellen Corona-Zahlen in Deutschland machen Hoffnung. Die Zahl der Infektionen mit dem tödlichen Virus ist rückläufig. Zwar sind dies gute Nachrichten im Kampf gegen die vierte Welle und deutet auf eine Abflachung des Infektionsgeschehens hin, doch weiterhin ist Vorsicht geboten - insbesondere aufgrund der neuen Omikron-Mutation.

In der weiteren Bekämpfung der Corona-Pandemie scheint die Booster-Impfung Experten zufolge ein effektives Mittel zu sein. Nun will die Politik erste Lockerungen für Geboosterte durchsetzen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat sich dafür ausgesprochen, dass Geboosterte künftig von der Testpflicht bei der 2Gplus-Regelung befreit werden sollen. In der Gesundheitsministerkonferenz (14. Dezember) beraten die Gesundheitsminister der Länder über den Vorschlag. Virologen äußern bereits ihre Bedenken und warnen vor dem Plan.

Corona-Pandemie: Gesetzesentwurf der GMK sickert durch - Testpflicht für Geboosterte fällt weg

Gegenüber der ARD sagte Lauterbach, Geimpfte mit Auffrischimpfungen noch zum Testen zu schicken, sei medizinisch nicht sinnvoll. Zudem könne ein Ende der Testpflicht ein Anreiz sein, sich boostern zu lassen. Ähnlich äußerte sich auch die FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus. Der Deutschen Presse-Agentur sagte sie: „Man hat auch mit einer Drittimpfung natürlich keinen hundertprozentigen Schutz. Aber selbst wenn ein Impfdurchbruch kommen sollte, ist man gut vor einem schweren Verlauf geschützt.“ In einigen Ländern gilt die Regelung schon. Baden-Württemberg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland und zuletzt Thüringen verlangen von Geboosterten keinen Test mehr für den Zutritt zu 2Gplus-Bereichen. Auch in Bayern gibt es neue Regeln.

Jetzt beraten Gesundheitsminister der Bundesländer gemeinsam mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach über eine bundesweite Einführung der Lockerung für Geboosterte. Ein Entwurf dazu ist schon durchgesickert. Tatsächlich sieht dieser vor, dass für Corona-Geimpfte mit einer Booster-Impfung die Testpflicht bei 2Gplus-Regeln künftig entfallen soll, wie die Bild berichtete. „Wissenschaftliche Erkenntnisse legen nahe, dass die Auffrischimpfung sowohl die Gefahr einer Infektion als auch das Risiko einer weiteren Übertragung reduziert“, heißt es demnach im Entwurf.

Sollte der Beschluss nach Abstimmung durch die zuständigen Länder-Minister bzw. Senatoren angenommen werden, so würde gelten: „Bund und Länder sind sich einig, dass Personen mit erhaltener Auffrischimpfung von der Testpflicht im Rahmen der 2G-Plus-Regelung zu befreien sind.“ Allerdings soll die Testpflicht nicht komplett gestrichen werden, sondern für bestimmte Bereiche beibehalten werden. Der Entwurf schlägt vor, dass in „medizinischen und pflegerischen Einrichtungen“ zum Schutz besonders gefährdeter Personengruppen weiterhin auch von Geboosterten ein negatives Testergebnis verlangt werden soll. Dem Entwurf zufolge wollen Bund und Länder darüber hinaus die Veränderung der Regelung „laufend bewerten und sie gegebenenfalls entsprechend der Lagedynamik anpassen“.

Geboosterte von Testpflicht befreit? Virologin ist besorgt über Vorhaben - „Verfrühter Schritt“

Doch Experten sind besorgt über die geplante Lockerung für Geboosterte. Laut Virologen ist es durch die Omikron-Ausbreitung hierfür noch viel zu früh, denn vieles bleibt unbekannt. Inwiefern eine zweifache Impfung oder gar eine Booster-Impfung wirksam gegen die neue Mutation sind, ist bislang nicht eindeutig. Erste Labortests zeigten, dass Antikörper von Geimpften vergleichsweise schlecht auf die stark mutierte Omikron-Variante ansprechen. Dieser verschlechtere Schutz kann durch eine Booster-Impfung wohl zumindest in Teilen ausgeglichen werden. Sie erhöht den Antikörperspiegel im Blut. Auf Omikron zurückgehende Impfdurchbrüche sind aber auch bei bereits geboosterten Menschen dokumentiert worden. Verlässliche Daten dazu, in welchem Ausmaß Geboosterte andere Menschen anstecken, wenn sie mit Omikron infiziert sind, gibt es noch nicht.

So warnte die Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), Ute Teichert, vor Lockerungen für Geboosterte. Solch ein Schritt sei verfrüht, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Es wäre klüger, abzuwarten, wie sich die Pandemie in den kommenden Wochen entwickelt“, unterstrich Teichert. „Solange wir nicht genügend Daten haben, um dies sicher sagen zu können, sollten wir keine voreiligen Schritte gehen“, fügte die Vorstandsvorsitzende hinzu.

Corona-Regeln werden für Geboosterte womöglich gelockert - Frankfurter Virologe mit deutlicher Warnung

Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer mahnte ebenfalls vor Lockerungen für Menschen mit Booster-Impfung. Selbst wenn es unmittelbar nach der Auffrischungsimpfung einen guten Schutz gegen die Virus-Weitergabe auch bei der neuen Corona-Variante Omikron gebe, sei die Datenlage noch zu unsicher, sagte Stürmer dem Nachrichtenportal heute.de. „Deswegen würde ich zum jetzigen Zeitpunkt dafür plädieren, eher präventiv zu argumentieren - entsprechend die Kontakte zu reduzieren, keine Lockerungen für Geboosterte durchführen und die Testkapazitäten ausnutzen, um möglichst viel zu erfahren“, betonte der Virologe.

Auch in Deutschland sei davon auszugehen, dass die Omikron-Variante bald spürbar zunehme, sagte Stürmer. „Wir sehen, dass es sich in Südafrika sehr stark verbreitet hat und sich in England stark ausbreitet. Da stellt sich die Frage, warum man nicht annehmen sollte, dass das auch so ähnlich in Deutschland passiert und einfach Vorkehrungen trifft, um das Ganze deutlich zu verzögern“, führte er an. Er wünschte sich in dem Zusammenhang „aus der Politik manchmal mehr Gehör für die Wissenschaft und entsprechend mehr Unterstützung“.

Auf der Schalte soll Lauterbach außerdem Alarm geschlagen haben, da zu wenig Impfstoff bestellt worden sei. (bb mit Material von dpa und afp)

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