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„Müssen sie zum Boostern?“: Söder macht Lauterbach und Scholz Vorwurf - hat er auch Recht?

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Von: Patrick Mayer

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Bundesgesundheitsminister: Karl Lauterbach von der SPD.
Bundesgesundheitsminister: Karl Lauterbach von der SPD. © IMAGO / Reiner Zensen

Bayerns CSU-Chef Markus Söder hält der Bundesregierung um Kanzler Olaf Scholz und Gesundheitsminister Karl Lauterbach mit Blick auf die Booster-Impfungen etwas vor, was eigentlich schon beantwortet ist.

München/Berlin - Nebelkerze, Störfeuer, Ablenkungsmanöver: Wer politische Scharmützel und Konflikte beschreiben will, hat einen breiten „Instrumentenkasten“ an Metaphern. Eben jener Instrumentenkasten ist ein beliebter Vergleich in der Rhetorik der Coronavirus-Pandemie. Insbesondere bei Markus Söder (CSU), wenn es dem bayerischen Ministerpräsidenten darum geht, das Repertoire an Maßnahmen und möglicher Corona-Verschärfungen zu beschreiben.

Corona-Booster-Impfungen für Genesene? Markus Söder (CSU) kritisiert die Ampel

Am Dienstag (21. Dezember) kamen nun die Länderchefs und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) virtuell zum Corona-Gipfel zusammen, um über mögliche Verschärfungen in der Omikron-Welle zu beratschlagen. Und das kurz vor Weihnachten und Silvester. Die neuen Corona-Regeln für Deutschland fielen schließlich moderat aus, deckten sich teils mit dem, was in Bayern ohnehin schon galt. Auch deshalb sparte Söder keine Gelegenheit aus, um gegen die Corona-Politik der Ampel-Regierung aus SPD, Grünen und FDP auszuteilen.

Was ist mit den vielen Genesenen? Müssen sie auch zum Boostern?

Bayerns Landeschef Markus Söder (CSU)

„Ich bin davon überzeugt: Das ist alles etwas holprig, was der Bund macht. Der Bundeskanzler war ja sichtlich bemüht, einzubinden, zu integrieren. Was positiv zu vermerken ist. Aber es ging ja schon die ganzen letzten Tage hin und her, was die Gesetzesmaßnahmen betrifft“, meinte der 54-jährige Franke im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk (BR). In besagter Bund-Länder-Runde soll er sich laut Bild mit den FDP-Ministern Christian Lindner (Finanzen) und Marco Buschmann (Justiz) gezofft haben.

Markus Söder: Bayerns Ministerpräsident kritisiert Ampel und Minister Karl Lauterbach

Anschließend referierte er im BR zur Omikron-Variante: „Wir brauchen mehr Wissen darüber: Wie schwer sind die Verläufe? Insbesondere, sind Kinder und Jugendliche davon betroffen? Was ist mit den vielen Genesenen? Müssen sie auch zum Boostern?“ Er habe „während der gesamten MPK dazu nachgefragt. Es gab keine abschließende Antwort. Es hieß nur: Daran arbeite man“, erzählte Söder und meinte: „Wir brauchen verlässliche Aussagen, um die weiteren Impfkampagnen planen zu können.“ Wohl ein Seitenhieb in Richtung Ampel-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Regierungschef Scholz.

Doch: Hatte der bayerische Ministerpräsident mit seiner Kritik, es herrsche Unklarheit über die Notwendigkeit von Booster-Impfungen bei Genesenen, auch Recht? Oder lag er falsch? Gibt es eine solche Empfehlung schon? Fakt ist: Lauterbach bemerkte bereits in einem Tweet vom 25. August mit Verweis auf eine Studie aus Israel zur Delta-Variante des Coronavirus: „Genesene plus BionTech hatten besonders hohen Schutz.“

Im Video: Corona - Lauterbach will Booster-Impfungen über Weihnachten vorantreiben

Fakt ist auch: Bereits am 30. November gab die Ständige Impfkommission, kurz STIKO, zu diesem Thema eine öffentliche Empfehlung ab. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) schrieb dazu in einer Mitteilung vom selben Tag: „Personen, die eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht und danach eine Impfstoffdosis erhalten haben, empfiehlt die STIKO eine Auffrischimpfung in der Regel sechs Monate nach der vorangegangenen Impfung.“

Corona-Booster-Impfungen für Genesene? Karl Lauterbach (SPD) lieferte schon Antworten

Heißt vereinfacht: Die STIKO empfahl bereits Ende November eine Auffrischungsimpfung nach der Genesung von einer Corona-Infektion. Zur Einordnung: Eben jene STIKO ist als ehrenamtliche und unabhängige Expertengruppe beim Robert-Koch-Institut (RKI) angesiedelt. Das RKI ist wiederum als selbständige Bundesoberbehörde Teil des Bundesministeriums für Gesundheit. Und das unterstand an eben jenem 30. November noch der unionsgeführten Regierung. Ist Söder das entgangen? Oder woher rührt seine unvermittelte Kritik an der Ampel?

Attackiert die Ampel: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU).
Attackiert die Ampel: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). © IMAGO / Sammy Minkoff

Zuletzt wurde wiederholt darauf hingewiesen, dass es noch nicht ausreichend Daten zu Booster-Impfungen bei Genesenen gäbe. Am 5. Dezember, einen Tage vor seiner Vereidigung als Gesundheitsminister, hatte Lauterbach mit Blick auf Omikron bei „Anne Will“ (ARD) gesagt: „Wir müssen damit rechnen, dass diejenigen, die bereits geimpft sind, gefährdet sind, sicher aber die, die genesen sind oder nur einfach geimpft sind, oder bei denen die Impfung länger zurückliegt. Wir müssen so schnell wie möglich boostern.“ Auf der Pressekonferenz zu seiner Corona-Impfstrategie rechnete der Gesundheitsminister schließlich am 16. Dezember vor, dass es bei 83 Millionen Einwohnern in Deutschland 73 Millionen Booster-Impfungen bräuchte. Darunter fallen mutmaßlich auch die Genesenen. Was also muss er sich von Söder vorwerfen lassen? Nichts? (pm)

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