Bundestag am 22.04.21
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Im Bundestag sind nach einer Analyse kaum Expert:innen aus dem Gesundheits- und Pflegebereich vertreten.

Corona-Pandemie

Systemrelevante Berufe? Im Bundestag fehlt die nötige Krisenkompetenz - Analyse zeigt klare Verteilung

  • vonDana Popp
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Hat der Deutsche Bundestag überhaupt das berufliche Know-how um die Corona-Krise zu lösen? Eine Studie zeigt, dass die relevanten Berufe in der Pandemie-Bekämpfung stark unterrepräsentiert sind.

Berlin - Die Politiker:innen im Deutschen Bundestag sollten eigentlich das Ziel haben das gesamte deutsche Volk zu repräsentieren. Schaut man sich jedoch einmal die Abschlüsse und Berufe der Parlamentarier:innen an, kann von der breiten Masse der Bevölkerung nicht die Rede sein. Das zeigt eine Analyse der Internet-Jobbörse Indeed. Es scheint als hätten Politiker:innen mit bestimmten beruflichen Qualifikationen eine besser Chance im Bundestag zu sitzen. Juristen sind im Plenarsaal zurzeit am meisten vertreten, gefolgt von Wirtschafts- und Politikwissenschaftler. Das Problem ist jedoch, dass nur wenige Politiker:innen mit einem medizinischen Abschluss im Bundestag vertreten sind. Gerade in Zeiten einer Pandemie könnte eine höhere Quote in diesem Berufszweig sicherlich von Vorteil sein.

Deutscher Bundestag: Vor allem Ökonomen und Jurist:innen sind im Parlament vertreten

Indeed hat die Lebensläufe der 709 Abgeordneten des Bundestages der aktuellen Legislaturperiode untersucht. Ganze 1465 Ausbildungen und Studiengänge haben die Politiker:innen absolviert. „Jedes Mitglied des Bundestags kann im Schnitt auf die Erfahrungen aus zwei Ausbildungs- und Bildungsstationen vor der Tätigkeit im Bundestag zurückgreifen“, heißt es in der Studie, berichtet Welt. Dies liegt daran, dass einige Abgeordnete zuerst eine berufliche Ausbildung absolviert haben und im Anschluss noch studiert haben. Auffällig ist jedoch die große Anzahl von Juristen und Ökonomen. Es gibt 910 eingeschlagene Bildungswege von Politiker:innen aus dem Bundestag, die auch abgeschlossen wurden. 147 davon sind ein Studium der Rechtswissenschaften, 102 ein Studium der Wirtschaftswissenschaften und noch einmal 55 ein Abschluss in Politikwissenschaften.

Natürlich gibt es trotzdem auch sehr individuelle Berufe im Bundestag, zum Beispiel ist die SPD-Abgeordneten Rita Hagl-Kehl Damenschneiderin. Der CDU-Abgeordnete Martin Patzelt hat auch eine besondere Berufsausbildung und ist Betonfacharbeiter und der FDP-Parlamentarier Christoph Hoffmann ist Forstwissenschaftler. Diese Berufe sind zwar speziell, jedoch helfen sie bei dem Krisenmanagement während einer Pandemie wohl eher nicht direkt weiter. „Unsere Untersuchung offenbart auch einige Mängel, insbesondere bei der Repräsentation von systemrelevanten Berufen“, sagt Frank Hensgens, Managing Director von Indeed im deutschsprachigen Raum, berichtet Welt.

Deutscher Bundestag: Zu wenig Expert:innen aus dem Gesundheits- und Pflegebereich vertreten

Nach den Erfahrungen der Corona-Zeit wäre es nach Hensgens zu begrüßen, wenn nach der nächsten Bundestagswahl im September zum Beispiel mehr Experten aus dem Gesundheits- und Pflegebereich im Bundestag vertreten wären. Neben dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach findet sich nur rund ein Dutzend weiterer Mediziner in den Reihen der Parlamentarier:innen. Die von der Pandemie stark betroffenen Psychologen sind ebenfalls nur durch acht Politiker:innen vertreten. Auch echte Lebens- und Berufserfahrung aus dem Einzelhandel, die auch systemrelevant ist, ist im Bundestag rar. Einzelhandelskauffrauen und -männer zählten die Indeed-Analytiker:innen nur sieben. Generell könnte es also mehr Abgeordnete in systemrelevanten Berufen geben.

Nachdem die Kanzlerkandidat:innen der Union, der Grünen und der SPD bekannt gegeben wurden steht auch fest, dass Deutschland künftig wohl einen Juristen oder eine Juristin als Kanzler:in haben wird. Armin Laschet (CDU), Annalena Baerbock (Grünen) und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) haben alle ein rechtswissenschaftliches Studium absolviert. (dp)

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