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Corona-Demo in Münster: Polizist spricht Klartext – „Sie wollen uns verarschen“

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Teilnehmer eines sogenannten Spazierganges gegen die Coronamaßnahmen werden von Polizisten begleitet. In mehreren Städten in Deutschland haben sich Kritiker der Coronapolitik versammelt.
Auf einer Corona-Demo in Münster lieferte sich ein Polizist ein Wortgefecht mit einem Demonstranten. © Felix Kästle/dpa

Bei einer Corona-Demo in Münster kam es zum Wortgefecht zwischen einem Polizisten und Demonstranten. Twitter-Nutzer reagierten auf die Szene aus dem „Spaziergang“.

Münster/München - Die Corona-Maßnahmen in Deutschland werden regelmäßig als Anlass für Demonstrationen genommen. Im Zuge der Pandemie gehören diese schon fast zum Alltag in vielen deutschen Städten. Dabei sind sie meistens unangemeldet und resultieren zum Teil auch in Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Die Gegner von Corona-Maßnahmen haben nun das Format der sogenannten „Spaziergänge“ entwickelt. In erneut unangemeldeten Kolonnen ziehen sie durch die Innenstädte. Ein solcher Spaziergang fand auch in Münster statt. Dort kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen einem Polizisten und Demonstranten. Der Polizist erhielt vor allem auf Twitter Unterstützung.

Corona-Demo in Münster: Polizei stoppt unangemeldeten „Spaziergang“ - Beamter macht eindeutige Ansage

Bei dem Video, das in kurzer Zeit viral ging, handelt es sich um einen Ausschnitt aus einem Bericht der „Tagesschau“ zu dem „Spaziergang“ in Münster. Die Versammlung war unangemeldet, weshalb die Polizei eingriff. Die Demonstration wurde gestoppt, bis der Verantwortliche gefunden und die Situation geklärt wurde.

Indes ist auf dem Ausschnitt zu sehen, wie ein Teilnehmer der Versammlung mit einem Polizisten diskutiert und darauf besteht, dass die Demonstration nicht anmeldepflichtig sei, da man lediglich „spazieren“ wolle. „Aber schauen sie, die Leute, die wollen jetzt spazieren gehen“, behauptet der Mann, Das Wortgefecht vertieft sich, doch der Polizist gibt nicht nach und spricht Klartext.

Vor laufender Kamera des Senders WDR antwortet er dem Mann: „Sie wollen nicht spazieren gehen, Sie wollen uns verarschen“. Als der Mann protestiert, hakt der Beamte weiter nach. „Doch, Sie wollen uns hier eindeutig an der Nase rumführen“, führt der Polizist an und fügt deutlich hinzu: „Das ist dummes Zeug“.

Corona-Demo: Beamter aus Münster erhält Unterstützung aus sozialen Medien - „Ehrenpolizist“

Schnell verbreitete sich der Ausschnitt in den sozialen Medien. Vor allem auf Twitter gab es überwiegend Zustimmung und Unterstützung für den Polizisten aus Münster. Nutzer bezeichneten den Beamten als unter anderem als „Cooler Cop“, „Ehrencop“ und „Ehrenpolizist“.

„Gut so. Sonst wird noch der Diebstahl zur ‚erweiterten Übertaschungsausleihe‘ oder der Mord zum ‘einseitig vorgezogenen Lebensende‘“, lautete die Einschätzung eines weiteren Nutzers. „Guter Typ, der Polizist. Mehr davon, bitte“, kommentierte ein anderer User unter dem Video. „Wenn alle so konsequent mit diesen Typen umgehen würden wie dieser Polizist hätten wir dieses Problem nicht in diesem Ausmaß“, führte wiederum ein weiterer Twitter-Nutzer an und ergänzte: „Man muss ihnen zeigen das man sich nicht am Nasenring durch die Manege ziehen lässt und auch nicht bereit ist das zu dulden.“

„Ich geh ja auch abends gern mal mit hunderten Fremden spazieren, hab zufällig Plakate und Banner dabei und entzünde gerne Fackeln vor Politikerwohnungen, an denen ich vorbei komme. Ist doch total normal“, schrieb ein Nutzer und kritisierte die „Spaziergänge“ auf ironische Art.

Corona-“Spaziergang“: Polizei Münster erläutert Wortgefecht - Herrmann will konsequentes Vorgehen

Nicht nur Twitter-Nutzer sondern auch die Polizei Münster äußerte sich zu der Szene. Wie der WDR berichtete, sagte ein Sprecher der Polizei Münster, der kurzen Szene sei eine längere Diskussion vorausgegangen, bei der der Beamte den Teilnehmern hinreichend erklärt habe, warum es sich bei dem angeblichen Spaziergang aus polizeilicher Sicht um eine Versammlung handele. „Die Wortwahl des Kollegen ist sicherlich zu diskutieren. In der Sache war es aber notwendig, klare Kante zu zeigen“, unterstrich der Sprecher demnach.

Klare Aussagen zu den „Spaziergängen“ kamen auch von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Er hat Städte und Landkreise zu einem konsequenten Vorgehen gegenüber unangemeldeten Protesten aufgefordert. „Inzwischen herrscht Klarheit, dass Behörden und Polizei sich durch spitzfindige Leute, die eine Demonstration kurzerhand als ‚Spaziergang‘ deklarieren, nicht auf der Nase herumtanzen lassen müssen“, sagte der neue Vorsitzende der Innenministerkonferenz der Augsburger Allgemeinen. „Sie müssen es jedenfalls nicht dulden, wenn sogenannte Querdenker mit ‚Spaziergängen‘ anstelle angezeigter Versammlungen versuchen, sich dem Versammlungsrecht zu entziehen“, betonte der Minister.

Während die Demonstranten in vielen deutschen Städten weiterhin gegen Pandemie-Maßnahmen demonstrieren, könnten sich die Regeln jetzt noch weiter verschärfen. In der Ministerpräsidentenkonferenz am Freitag (7. Januar) werden Bund und Länder angesichts der Omikron-Welle offenbar unter anderem über härtere Kontaktbeschränkungen sowie eine Impfpflicht beraten. Letzteres könnte sich allerdings noch weiter verspäten. Welche eventuellen neuen Maßnahmen in der Bund-Länder-Konferenz besprochen werden sollen, lesen sie hier. (bb)

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