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Wie schlimm wird die Omikron-Welle? Ampel-Szenarien sickern durch

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Von: Andreas Schmid

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Bundeskanzler Olaf Scholz (l) und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (beide SPD) unterhalten sich bei ihrer Ankunft zur wöchentlichen Kabinettssitzung im Kanzleramt und tragen einen Mund-Nasenschutz.
Federführend für Deutschlands Pandemiepolitik verantwortlich: Bundeskanzler Olaf Scholz (l) und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (beide SPD). © Michael Sohn/dpa

Durch Omikron werden die Corona-Zahlen wohl deutlich steigen. Aktuell ist die Lage weitgehend unter Kontrolle, doch wie entwickelt sich die Omikron-Welle?

Berlin - Die Omikron-Variante des Coronavirus ist deutlich ansteckender als frühere Mutationen. Deshalb steigen in Deutschland momentan die Infektionen. Binnen 24 Stunden übermittelten die Gesundheitsämter 45.690 neue Fälle, wie das Robert Koch-Institut am Dienstag (11. Januar) mitteilte. Vor einer Woche waren es 30.561 - ein Plus von 50 Prozent. Werden die Infektionszahlen in Zukunft weiter steigern?

Omikron-Szenarien der Ampel: Inzidenz von 2000 bis 4000?

Mit dieser Frage beschäftigt sich derzeit die Ampel-Koalition. Der Corona-Expertenrat, in dem unter anderem Modellierer sitzen, berät die Bundesregierung dabei. Offenbar beschäftigt sich die Ampel um Kanzler Olaf Scholz (SPD) momentan mit zwei möglichen Szenarien. Einem vergleichsweise harmlosen „Bestcaste“- und einem weitaus bedrohlicherem „Worstcase“-Fall. Das geht aus einem Gesprächsprotokoll hervor, aus dem RTL und ntv zitieren.

Im besten Fall bleibe die Inzidenz auch mit Omikron unter 1500. Aktuell liegt sie bei 387,9. Die Omikron-Welle würde dann vier bis sechs Wochen dauern, „abhängig von der Höhe des Peaks“. Im schlimmsten Fall kommt es allerdings zu Inzidenzen von 2000 bis 4000. Es gebe regionale Hotspots und eine hohe Belastung auf den Intensivstationen. Dieses „Worstcase“-Szenario würde zwei bis drei Wochen dauern, „abhängig von der Höhe des Peaks“.

Omikron: Hospitalisierungsrate auf überschaubarem Niveau

Die gute Nachricht: Omikron ist zwar ansteckender, gleichzeitig aber auch weniger gefährlich. Die Krankheitsverläufe sind in der Regel milder. Heißt: Es gibt zwar mehr neue Fälle, aber weniger Infizierte landen aufgrund eines schweren Verlaufs auf der Intensivstation. Das sieht man an anderen Ländern wie Portugal und zeigt in Deutschland auch die sogenannte Hospitalisierungsrate. Sie gibt an, wie viele Menschen von 100.000 innerhalb einer Woche wegen Covid-19 ins Krankenhaus müssen. Aktuell liegt sie durchschnittlich bei 3,37 (Stand: 11. Januar). Zum Vergleich: Anfang Dezember bewegte sich die Hospitalisierungsrate um Werte von 12, an Weihnachten 2020 erreichte sie mit knapp 16 den bisherigen Rekordwert.

Gibt es allerdings extrem viele Fälle, droht auch die Hospitalisierungsrate anzusteigen. Weil Omikron milder verläuft, werden dann zwar prozentual gesehen weniger Menschen auf der Intensivstation behandelt werden. In absoluten Zahlen könnten die Intensivpatienten aber dennoch zur Belastung für das deutsche Gesundheitssystem werden.

Bei einer Inzidenz von 1500 hätten wir die gleiche Belastung wie bei Delta.

Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie

„Wir haben Omikron besser unter Kontrolle als andere“

Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, zeigt sich derweil optimistisch: „Wir haben Omikron besser unter Kontrolle als andere, es ist machbar, dass uns die Zahlen nicht so sehr entgleiten wie anderen Ländern“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Wie hoch sie letztlich sein werden, hänge auch vom Verhalten der Bevölkerung ab. „Wir werden Inzidenzen von deutlich über 1000 bekommen - im Bundesdurchschnitt, regional auch deutlich darüber“, prognostiziert Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. „Im Februar könnte der Höchststand erreicht sein.“

Das ist noch viel zu weit weg vom Frühling, als dass der saisonale Rückgang einen mildernden Effekt bringen könnte. „Der einzige Vorteil der verzögerten Omikron-Welle bei uns ist, dass wir mehr Zeit für die Impfungen haben“, erklärte Watzl. Denn auch wenn die Impfquote für die Ausbreitung nicht entscheidend ist - für die Belastung der Kliniken ist sie das. „Wenn Omikron auch bei uns zu 70 Prozent weniger Krankenhauseinweisungen im Vergleich zu Delta führen würde, hätten wir bei einer Inzidenz von 1500 wieder die gleiche Belastung wie bei der vierten Welle.“ Spannend auch: „Längst abgeschriebener Corona-Impfstoff aus Deutschland macht große Hoffnung. (as)

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