Stufenplan zuvor durchgesickert

Corona-Lockdown in Deutschland: Landeschef wagt sich vor - bald mehr Kontakte erlaubt?

Alle Autoren
    schließen
  • Cindy Boden
    Cindy Boden
  • Naima Wolfsperger
    Naima Wolfsperger
  • Florian Naumann
    Florian Naumann

Ein Stufenplan soll den Weg aus dem Corona-Lockdown ebnen. Die Berliner Staatkanzlei hat nun federführend ein Konzept entwickelt. Kretschmann spricht über die Kontaktbeschränkungen.

  • Corona in Deutschland: Berlins Erster Bürgermeister Müller (SPD)* hat einen Entwurf für Lockerungen und Schließungen entwickelt (siehe Update vom 23. Februar, 12.10 Uhr).
  • Rheinland-Pfalz überlegt, Einzeltermine zum Einkaufen zu vergeben (siehe Update vom 23. Februar, 12.46 Uhr).
  • Baden-Württembergs Landeschef Kretschmann (Grüne)* äußerte sich zu möglichen Lockerungen bei den Kontaktbeschränkungen (siehe Update vom 23. Februar, 14.55 Uhr).
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.
  • Mit unserem brandneuen Politik-Newsletter bleiben Sie stets informiert über das nationale und internationale politische Geschehen.

Update vom 23. Februar, 14.55 Uhr: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält eine baldige Lockerung der strengen Corona-Kontaktbeschränkungen für möglich. Auch wenn die Zahl der Infektionen nicht unter die Schwelle von 35 pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen sinke, könne es hier eine leichte Öffnung geben, sagte Kretschmann laut dpa. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir wieder auf zwei Haushalte kommen.“ Bisher dürfen sich im bundesweiten Corona-Lockdown, der noch bis 7. März gilt, nur ein Haushalt und eine weitere Person treffen. Allerdings müsse für eine Lockerung die Sieben-Tage-Inzidenz dauerhaft unter 50 liegen, sagte der Regierungschef.

Der Grünen-Politiker, der vor einer Landtagswahl steht, mahnte, die momentane Lage sei wegen der Auswirkungen der ansteckenderen Corona-Mutanten „hochproblematisch“. Man müsse Vorsicht walten lassen, er wolle deshalb nur „stücklesweise“ vorgehen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte zuletzt an, dass ab Montag (1. März) in Bayern Baumärkte wieder öffnen können. Am Freitag (26. Februar) will auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier mit seinen Amtskollegen aus den Ländern über Corona-Öffnungsstrategien beraten, wie die Deutsche Presse-Agentur von einer Sprecherin erfuhr. Über 40 Verbände seien dem Angebot von Altmaier gefolgt und hätten ihre Anregungen für eine gemeinsame Öffnungsstrategie der Wirtschaft übersandt. Altmaier werde diese mit den Ministern diskutieren und in die weiteren Verhandlungen einbringen.

Corona-Lockdown: Rheinland-Pfalz mit Plänen zu Geschäftsöffnungen

Update vom 23. Februar, 12.46 Uhr: Bund und Länder hatten sich bereits darauf geeinigt, dass ab 1. März Friseure wieder öffnen dürfen - Rheinland-Pfalz will noch weiter gehen. Laut einem Beschlusspapier der Landesregierung, über das ntv berichtet, könnten Geschäfte unter Vorbehalt öffnen. Genauer gesagt dürfen demnach gewerbliche Einrichtungen Einzeltermine vergeben, die für eine Person sowie eine weitere Person aus dem gleichen Hausstand gelten. Gärtnereien, Blumenläden und Baumärkte sollen immerhin ihre Außenbereiche für den Kundenverkehr öffnen können. Noch werde die Verordnung im Kabinett abgestimmt.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet äußerte sich am Dienstagmittag in einer Pressekonferenz auch zu Öffnungen. „Im Moment sind Öffnungen nur möglich, um schwere Schäden aufzufangen.“ Er rechtfertigte noch einmal den Schritt für Schulen und Kitas: Die Bilder von Schülern voller Freude hätten gezeigt, wie wichtig soziale Kontakte für sie sind. Dennoch erwarte er von der Ministerpräsidentenkonferenz am 3. März weitere Perspektiven. Als wichtige Maßnahmen, um Lockerungen zu ermöglichen, betonte Laschet den Einsatz flächendeckender Schnelltests, technischer Möglichkeiten sowie das Impfen.

Da Öffnungsperspektiven eng mit den Corona-Zahlen verknüpft sind, muss weiter beobachtete werden, wie sich die Mutationen im Land ausbreiten. Zur Eindämmung werden die Grenzkontrollen an den Übergängen zu Tschechien und dem österreichischen Bundesland Tirol nun bis zum 3. März verlängert. Wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Dienstag auf Nachfrage laut dpa bestätigte, sollen die seit dem 14. Februar geltenden Verbote und Regeln für Einreisen von dort unverändert beibehalten werden.

Stufenplan aus Berlin: Entwurf durchgesickert - Nicht nur Inzidenz entscheidend

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht neben Michael Müller (SPD, l), Regierender Bürgermeister von Berlin, auf einer Pressekonferenz. (Archiv)

Update vom 23. Februar, 12.10 Uhr: Die Berliner Staatskanzlei hat federführend einen Plan erarbeitet, wie stufenweise Öffnungen demnächst aussehen könnten. Dem Tagesspiegel liegt der Entwurf nach eigenen Angaben vor, er soll Grundlage für Diskussionen beim nächsten Corona-Gipfel am 3. März sein. Scheinbar wurde der Entwurf gemeinsam mit SPD-Ländern und weiteren Ministerpräsidenten im Austausch erarbeitet. Er sei den CDU-geführten Ländern bereits zugestellt worden.

Ausgewählte Inhalte im Detail:

  • Kinder bis 12 Jahren können in Gruppen bis maximal zehn Personen unter freiem Himmel wieder gemeinsam Sport treiben, selbst wenn die Inzidenz den Wert von 50 übersteigt.
  • Inzidenzwert unter 50, sieben Tage am Stück: Gruppen jeden Alters dürfen gemeinsam draußen Sport treiben, die maximale Gruppengröße bleibt aber bei zehn Personen.
  • Inzidenzwert unter 35: Musikschulen, Bibliotheken, Museen und Gedenkstätten können eingeschränkt und schrittweise öffnen, Einzelhandel mit Zugangsbegrenzungen, Gastronomie kann schrittweise für maximal vier Personen aus zwei Haushalten inklusive Sperrstunde öffnen, Veranstaltungen im Freien als „erster Einstieg“, Lockerung der Kontaktsperre auf maximal fünf Personen oder zwei Haushalte
  • Weitere Lockerungen, wenn Inzidenz 14 Tage lang „stabil oder sinkend“ und Reproduktionsfaktor den Wert von 0,8 nicht übersteigt: Basisbetrieb mit Zugangsbeschränkung für Museen und Gedenkstätten, Theater, Opern- und Konzerthäuser und Kinos dürften mit Zugangsbeschränkung öffnen, Lockerungen für Gastronomie (außer R-Wert steigt wieder über 0,9)
  • Weitere Lockerungen, wenn Inzidenz noch einmal 14 Tage lang „stabil oder sinkend“ und R-Wert unter 0,8: Museen mit Vollbetrieb, Theater, Opernhäuser und Kinos geben Vorstellungen mit Belüftungsanlagen und Anordnung des Publikums im Schachbrettmuster, Kulturveranstaltungen mit 500 (Open-Air) und 250 Gästen in geschlossenen Räumen, Clubs  öffnen mit Hygienekonzept und Personenbegrenzung

Das Konzept sieht vor, dass nicht nur Inzidenzen für die Entscheidungen zu Lockerungen und Schließungen eine Rolle spielen, sondern auch sogenannte „dynamische Faktoren“, etwa der R-Wert, Intensivbettenkapazitäten sowie die perspektivische Impfquote. Auch interessant: Die schrittweise Öffnung von Schulen und Kitas ist laut Tagesspiegel an „ein weiter abgesenktes Infektionsgeschehen geknüpft“. Bei einer Inzidenz von mehr als 100 werde dies „zur Disposition gestellt“, heißt es in dem Papier.

Andere Länder können nun noch weitere Anregungen geben, sodass es durchaus möglich ist, dass sich dieser Plan noch einmal verändert. Von einem „Zwischenstand“ ist laut Tagesspiegel intern die Rede. Der Plan deckt sich zumindest teilweise mit ersten Details aus einem Eckpunkte-Papier aus Bund-Länder-Beratungen.

Corona-Lockdown: Ministerpräsidentin aus Rheinland-Pfalz fordert konkreten Stufenplan

Update vom 23. Februar, 7.15 Uhr: Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hat vor Beratungen von Bund und Ländern einen konkreten Stufenplan für den Weg aus dem Lockdown gefordert. Ein solcher Plan müsse an „klare Inzidenzwerte, Testmöglichkeiten und die Impfquote“ gekoppelt werden, forderte Dreyer in der Rheinischen Post.

Die Ministerpräsidentin sagte, ein „Perspektivplan“ sei nicht gleichbedeutend mit einer raschen Rückkehr zur Normalität. „Aber wir brauchen konkrete und verbindliche Zielmarken, an denen die Menschen sich orientieren können. Das steigert auch die Akzeptanz, wenn wir die Maßnahmen noch verlängern müssen“, so Dreyer.

An diesem Dienstag beginnt eine Arbeitsgruppe mit Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) und den Chefs der Staatskanzleien dazu mit Gesprächen. Das nächste Treffen der Regierungschefs von Bund und Ländern mit Entscheidungen ist für den 3. März geplant.

Lockdown in Deutschland: Laut Kanzleramtschef Braun „eigentlich keinerlei Lockerungen“ möglich

Update vom 22. Februar, 21.15 Uhr: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Montag Hoffnungen auf Corona-Lockerungen geweckt - unter anderem soll schon ab Dienstag unter Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) eine Arbeitsgruppe zum Thema Öffnungen tagen, natürlich mit Blick auf den kommenden Corona-Gipfel am 3. März. Im CDU-Präsidium gebe es einen ausgeprägten Willen, Öffnungen zu ermöglichen, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Teilnehmer der CDU-Runde mit Merkel.

Doch noch am Montagabend folgte offenbar der nächste Dämpfer. Arbeitsgruppen-Leiter Braun hat offenbar in einer Bund-Länder-Schalte extreme Skepsis gegenüber Öffnungen durchblicken lassen - so berichtete es am Abend zumindest bild.de. Angesichts steigender Infektionszahlen seien Brauns Einschätzung zufolge „eigentlich keinerlei Lockerungen“ möglich, erzählten Teilnehmer der Videokonferenz der Webseite.

Ein Grund ist offenbar auch die Verschiebung des geplanten groß angelegten Schnelltest-Starts in Deutschland. Öffnungen seien nur in Kombination einer Test-Strategie möglich, erklärte Merkels Vertrauter Braun angeblich. Über das von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für 1. März in Aussicht gestellte Testangebot für alle Bürger soll aber erst beim nächsten Gipfel gesprochen werden, wie Regierungssprecher Steffen Seibert nach einer Sitzung des Corona-Kabinetts erklärte.

Der Rückschlag kam offenbar auch für Spahn überraschend. Nach Informationen der Bild konnte der Minister mehrere Fragen zu seinem Test-Konzept nicht zufriedenstellend beantworten. Merkel habe die Pläne daraufhin auf Eis gelegt - „Jens Spahn wirkte sichtlich verärgert“, berichtete angeblich ein Augenzeuge. Unmut über den Stopp habe es aber auch bei den SPD-geführten Ländern gegeben.

Lockdown in Deutschland: Zwei Schritte zu Lockerungen? Landeschef Weil sieht Wege zu „Freiheiten“

Update vom 22. Februar, 18.53 Uhr: Geimpfte können in Deutschland bald mit mehr Freiheiten rechnen - zumindest, wenn es nach Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) geht. „Immer mehr Menschen werden nach und nach geimpft werden“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Wenn dann auch keine Ansteckungsgefahr mehr bestehen sollte, könnte auch ein Restaurantbesuch und manches mehr möglich sein.“ Jüngste Zahlen zum Biontech-Vakzin wiesen in diese Richtung.

Als zweiten Weg nannte Weil Tests, die ein negatives Ergebnis aufweisen. Wenn die neue Schnelltest-Generation leichter handhabbar und zugleich zuverlässig sei, ergäben sich daraus ganz neue Perspektiven, so Weil. Dies sei zwar noch Zukunftsmusik, dennoch seien beide Wege zu mehr Freiheiten absehbar.

Beide sollten aus Sicht Weils zeitgleich eröffnet werden. Dann gäbe es eine Alternative für diejenigen, die noch nicht geimpft werden könnten, und keine Diskussion über Privilegien. „Und am besten werden beide Wege durch eine bundesweite App zusammengeführt, etwa die vorhandene Corona-Warn-App.“ Indirekter Druck zu Öffnungen kommt auch aus anderen Staaten: So soll etwa in England schon im Juni „Normalität“ herrschen - Premier Boris Johnson sprach am Montag von einer „Einbahnstraße in die Freiheit“.

Corona-Lockerungen in Deutschland: Merkels Sprecher warnt - „Das kann niemand wollen“

Update vom 22. Februar, 14.27 Uhr: Die Corona-Inzidenz steigt wieder, der Anteil der ansteckenderen Virusmutationen wächst, davon gehen Experten zumindest aus. Regierungssprecher Steffen Seibert kündigte bei der Bundespressekonferenz an, dass es dazu demnächst neue Zahlen geben wird. Derzeit liegt der Anteil der britischen Variante zwischen 20 und 25 Prozent.

Angesichts dieser Tatsache berate die Bundesregierung weiter mit den Ländern, wie eine „vernünftige Öffnungsstrategie“ aussehen kann. Durch das Vordringen der Mutationen gestalte sich dies jedoch schwieriger. Seibert wies darauf hin, dass mit der Öffnung der Schulen und Kitas in einigen Bundesländern und dem baldigen Öffnen der Friseursalons die erste Öffnungswelle laufe. Auch wenn jeder sein Bestes mit Konzepten und Hygienevorkehrungen gebe, sei dies ein „erhebliches Mehr an Kontakten“, daher müsse man genau hinschauen, „ob und wie sich das auswirkt“.

Seibert sagte zudem, es sei das Ziel der Regierung, Öffnungen auch durchzuhalten. Öffnungen, auf die wieder Schließungen folgen, „das kann niemand wollen“. Zuvor hatte das Corona-Kabinett getagt. Thematisch berieten die Minister laut Seibert unter anderem über einen digitalen Impfnachweis, Schnelltests und eine Modellierung von Impfszenarien.

Corona-Lockdown: Merkels Vier-Stufen-Plan für Lockerungen

Update vom 22. Februar, 10.11 Uhr: Vier Stufen für eine schrittweise Lockerung soll Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als Deutschlands Weg für Lockerungen in der Corona-Krise vorgeschlagen haben. Sie sehe in Deutschland eine „berechtigte Sehnsucht“ nach Lockerungen, so die Kanzlerin in einer Gremiensitzung der CDU. Das berichten AFP und Bild.de unter Berufung auf Aussagen von Sitzungsteilnehmern.

„Es braucht eine kluge Öffnungsstrategie für private Kontakte, Schulen, Unis, Berufsschulen, Restaurants, Sportvereine etc.“, sagte Merkel demnach. Auch sensibilisiert sie die Parteikollegen für eine „einheitliche Unionslinie“ diese sei „unabdingbar“. Über den Plan der Kanzlerin berichtet auch wa.de*.

Ab Dienstag, 23. Februar, solle demnach eine Arbeitsgruppe mit Kanzleramtschef Helge Braun und den Chefs der Staatskanzleien der Länder die Details ausarbeiten, berichtet die Bild. „Vier Öffnungsschritte ohne Jojo-Effekt“, kündigte Braun an. Dies solle dann als Grundlage für den nächsten Corona-Gipfel am 3. März dienen. Drei grobe Öffnungs-Cluster, für die jeweils vier Stufen definiert werden müssten, legte Merkel jedoch schon im Vorfeld fest:

  • Persönliche Kontakte
  • Schulen und Berufsschulen
  • Sport, Gastronomie, Kultur

Trübt das die Aussichten für das Konzept, das Branchen-Vertreter aus Kultur und Sport gemeinsam mit Wissenschaftlern erstellt? Ihren Stufenplan, die „Schrittweise Rückkehr von Zuschauern und Gästen: Ein integrierter Ansatz für Kultur und Sport“, wollen sie am heutigen Montag ab 11 Uhr in einer Pressekonferenz vorstellen.

Merkels Weg aus dem Corona-Lockdown: Hoffnung auf Selbsttests

Im Präsidium sei auch über die Möglichkeit gesprochen worden, wie Haus- und Betriebsärzte in Impfungen eingebunden werden könnten, hieß es weiter. Gesundheitsminister Jens Spahn habe deutlich gemacht, dass dies aber nur sinnvoll sei, wenn man wie bei der Grippeimpfung 3 bis 5 Millionen Impfdosen pro Woche zur Verfügung habe. Insgesamt könne die vom 1. März an geplante Kostenübernahme durch den Bund bei den Corona-Tests aber helfen. Er machte demnach deutlich, dass es von kommender Woche an die ersten Zulassungen Selbsttest geben werde.

Die Kurve der Neuinfektionen hatte am Sonntag den vierten Tag in Folge nach oben gezeigt - trotz des seit Mitte Dezember geltenden Lockdowns. Am Montag meldete das Robert Koch-Institut (RKI) kaum Veränderung: Binnen eines Tages meldeten die Gesundheitsämter 4369 Neuinfektionen, vor einer Woche waren es 4426 gewesen. Zugleich stieg aber die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) weiter an: und zwar auf bundesweit 61,0. Am Vortag hatte sie noch bei 60,2 gelegen.

Corona-Stufenplan: Weg aus dem Lockdown für Kultur und Sport?

Update vom 22. Februar, 8.54 Uhr: Er soll die schrittweisen Lockerungen vorstellen: Der Stufenplan von Bund und Ländern im Frühjahr der Corona-Krise 2021. Doch die Zahlen nur wenige Tage vor der Vorstellung dämpfen die Erwartungen. Der Stufenplan soll sich aber nicht nur an den Neuinfektionen orientieren, wie der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Michael Müller (SPD) sagte. „Auch ein R-Wert deutlich unter 1 und eine sinkende Auslastung der Intensivmedizin werden wichtige Kriterien für nächste Lockerungsschritte sein.“ (siehe Update vom 21. Februar, 18.25 Uhr)

Das RKI meldete am Sonntag mit 1,10 einen R-Wert, der sich nicht nur über 1 befindet, sondern auch eine steigende Tendenz aufweist. Die Corona-Mutationen aus Großbritannien und Südafrika scheinen sich mit den Lockdown-Maßnahmen nicht aufhalten zu lassen. Diese Erkenntnis scheint an jenem Tag, an dem in zehn Bundesländern in Kitas und Grundschulen wieder Wechselunterricht starten soll, gefestigt. Doch was heißt das für die stufenweise Öffnung?

Stufenplan für Lockdown-Ende in Deutschland: Zielwerte könnten erneut angepasst werden

Der Berliner Bürgermeister kündigte für die neue Woche einen Vorschlag an: Wenn Bundesländer „stabil über mehrere Wochen“ unter den Inzidenzen 35 oder 50 blieben, „können weitere Schritte in der Kultur und der Gastronomie folgen“.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte jedoch am Sonntag in der ARD: „Es macht Sinn, (...) Stufen zu definieren, ab wann der nächste Schritt gegangen werden kann. Aber die Wahrheit ist: Eine Inzidenz von unter 10, die ist jedenfalls in den allermeisten Regionen in Deutschland gerade ziemlich weit weg.“ Er erwähnte damit eine Ansteckungsrate, wie sie manche Virologen als Zielwert fordern, die einige Ministerpräsidenten aber für zu ambitioniert erachten.

Spahn wischt Lockerungspläne bei Seite: „Geht halt gerade nicht“ - Minister will jetzt Inzidenz 10

Update vom 21. Februar, 19.35 Uhr: Viele im Land hoffen auf Lockerungen - und die Planspiele für den Weg aus dem Lockdown häufen sich, von DFB (siehe Erstmeldung) bis FDP. Doch aus der Bundesregierung gab es am Sonntag eine Absage für eine klare Marschroute in Richtung Öffnungen. Gesundheitsminister Jens Spahn sprach in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ gar von einer angestrebten Inzidenzzahl unter 10.

„Alle wünschen sich einen Drei- und Sechs-Monatsplan, aber das geht halt gerade nicht. Ich finde, wir dürfen da keine falschen Versprechungen machen“, sagte der Minister am Abend. Zunächst will er auch angesichts der zunehmenden Verbreitung von Virusmutationen abwarten, wie sich die Öffnung weiterer Schulen und Kitas an diesem Montag auswirkt. „Was jetzt wichtig ist, ist, dass wir schrittweise schauen, welche Veränderung die Öffnung von Kitas und Schulen beim Infektionsgeschehen bringt“, sagte Spahn. „Wenn wir da trittsicher sind, sozusagen, können wir einen weiteren Schritt gehen.“

„Es macht Sinn, miteinander - das ist ja das Gespräch mit den Ländern - Stufen zu definieren, ab wann der nächste Schritt gegangen werden kann“, betonte Angela Merkels Gesundheitsminister zudem. „Aber die Wahrheit ist: Eine Inzidenz von unter 10, die ist jedenfalls in den allermeisten Regionen in Deutschland gerade ziemlich weit weg“, sagte Spahn.

Sport und Kultur trotz Corona? Verbände machen Druck - doch die Politik bremst: „Ist ja quasi ein Stufenplan“

Update vom 21. Februar 2021, 18.25 Uhr: Gibt es in Deutschland nun endlich Lockerungen und einen Weg aus dem Corona-Lockdown? Ein Bündnis mehrerer Verbände fordert das zumindest ein - doch die Chancen stehen wohl weiter nicht allzu gut. Am Wochenende warnte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erneut vor einer „dritten Welle“.

Auch der einflussreiche Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) dämpfte am Wochenende die Erwartungen auf einen neuen „Stufenplan“. „Der Paragraf 28a des Infektionsschutzgesetzes mit den Inzidenzen von 35 und 50 ist ja quasi ein Stufenplan“, sagte er der Welt am Sonntag. Er betonte zugleich, man könne sich nicht an einer „statischen Betrachtung von Inzidenzen orientieren“: Auch die Verbreitung der Mutationen sowie der Impffortschritt spielten eine Rolle. Ein wenig Hoffnung auf Öffnungen machte Brinkhaus aber doch. Teile des Einzelhandels seien ohnehin immer offen gewesen, erklärte er - „ich gehe davon aus, dass wir in der nächsten Zeit weiter differenzieren werden.“

Der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), kündigte unterdessen eine „Perspektive für das Spektrum möglicher Öffnungen“ an. Orientieren soll sich der Plan nicht nur an der Zahl der Neuansteckungen in der vorangegangenen Woche. „Wir werden mehrere Faktoren einbeziehen“, sagte Müller Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten.

Corona-Lockerungen in Deutschland? „Echt schwierige Phase“ - Politik macht vage Hoffnung, bremst aber vor allem

„Der Inzidenzwert bleibt wichtig, aber auch ein R-Wert deutlich unter 1 und eine sinkende Auslastung der Intensivmedizin werden wichtige Kriterien für nächste Lockerungsschritte sein“. Müller plädierte dafür, dass sich die Ministerpräsidentenkonferenz an den gesetzlich festgeschriebenen Inzidenzwerten 35 und 50 orientiert. Er stellte unter anderem angesichts der Virusmutationen zudem klar, dass der Stufenplan „keine Einbahnstraße in Richtung von Lockerungen“ sei. „Wir werden notfalls auch wieder Einschränkungen beschließen müssen, wenn die Zahlen wie in anderen europäischen Ländern wieder stark steigen.“

Die Politik ist sich der Erwartung gleichwohl bewusst. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach bei einer im Internet übertragenen Diskussionsrunde seines Hauses am Samstag von einer „echt schwierigen Phase“ der Pandemie. Alle seien nach zwölf Monaten müde. Es sei die Erwartung da, dass es mit gesunkenen Neuinfektionszahlen auch wieder ein Stück rausgehe aus den Beschränkungen.

Mit Blick auf die Schul- und Kita-Öffnungen warnte der Verband Bildung und Erziehung (VBE) vor einem Öffnungswettbewerb zwischen den Ländern. „Die Öffnungen sind kein Wettbewerb, bei dem das Bundesland gewinnt, das die weitgehendsten Lockerungen umsetzt und die Gesundheit aller Beteiligten maximal riskiert“, sagte VBE-Chef Udo Beckmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. In Bayern sorgten die anstehenden Schulöffnungen am Wochenende bereits für Unmut.

Corona: Stufenplan soll Weg zur Normalität ebnen - erste Details zum Plan durchgesickert

Gibt es in absehbarer Zeit neben Spaziergängen auch wieder Freizeitangebote aus Kultur und Sport?

Erstmeldung vom 20. Februar 2021: Berlin - Friseure dürfen bald wieder öffnen, über den Einzelhandel wird diskutiert - aber wann kann man wieder ins Konzert, Kino, Theater oder zum Spiel des Lieblingsteams? Dafür gibt es jetzt einen Drei-Stufen-Plan aus Wissenschaft, Sport und Kultur. Er soll am Montag (22. Februar) vorgestellt werden.

Der dpa liegt das Papier bereits vor. Der Ansatz ermögliche es, „Breitenveranstaltungen mit vertretbarem Aufwand und Spitzenveranstaltungen unter relevanten Zusatzinvestitionen wieder zu den Zuschauern und Gästen zu transportieren“, heißt es darin. Zuvor hatte die Bild-Zeitung berichtet.

Groß-Events trotz Corona: DFB und Deutscher Bühnenverein unter Stufen-Plan-Unterstützern

Das Papier wird von 20 Wissenschaftlern sowie zahlreichen Verbänden und Veranstaltern getragen, darunter der Deutscher Fußball-Bund (DFB) und der Deutscher Bühnenverein. Der Leitfaden sieht der dpa zufolge zunächst dieses „Basiskonzept“ vor:

  • Bei geschlossenen Räumen ist Voraussetzung: Die Besetzung jedes Orts beträgt zwischen 25 und 30 Prozent.
  • Jeder Veranstalter soll ein Hygiene-, Lüftungs- und Infektionsschutzkonzept einhalten.
  • Pflicht sind: personalisierte Tickets, die zusammen mit dem Ausweis kontrolliert werden.
  • Pflicht sind auch: medizinische Masken.
  • Es gelten Mindestabstände (mit entsprechend leeren Sitzreihen).
  • Kein Verkauf von Speisen oder Getränken.

Im Außenbereich ist danach eine Auslastung von bis zu 40 Prozent möglich. Maskenpflicht soll bis zu den Plätzen gelten, bei mehr als 1000 Besuchern soll es keinen Alkohol geben. Das Basismodell für drinnen und draußen unterscheidet nicht, ob Besucher bereits eine Impfung haben oder nicht.

Sport und Kultur trotz Corona: Initiative gegen „Wildwuchs von Hygienekonzepten“

Eine Steigerung darüber hinaus erfordere ein „individuelles Spezialkonzept“, heißt es weiter in dem 21-seitigen Papier. Ein Hygienekonzept mit hohen Standards soll „unkontrollierten ‚Wildwuchs‘ von Hygienekonzepten unterbinden“. Die im Papier „Maximalmodell“ genannte Variante erfordert eine Teststrategie unter anderem mit digitaler Unterstützung des Kontaktmanagements. Verbindlich wären zudem Antigen-Tests vor jeder Veranstaltung. Das Papier geht davon aus, dass dann der Zugang bis zur vollen Besetzung möglich ist.

Wann sind die Ränge wieder gefüllt? Die Allianz Arena in der Corona-Pandemie.

Zu den Unterstützern zählen Expertinnen und Experten etwa aus den Bereichen Infektiologie und Virologie, Raumlufttechnik, Gesundheitsökonomie sowie Sport- Kultur- und Rechtswissenschaften. Mitgezeichnet haben DFB, Handballbund, Volleyband-Verband, Basketball Bund mit ihren jeweiligen Liga-Verbänden ebenso wie der Bühnenverein mit zahlreichen Einzeltheatern.

Aus dem Veranstaltungsbereich sind neben einigen Hallen und Arenen unter anderem die Festivals Hurricane, Wacken, Rock am Ring, Rock im Park und Lollapalooza dabei. (dpa/frs) *wa.de und Merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare