Angela Merkel und Markus Söder justieren den Corona-Kurs - doch der Teufel steckt im Detail, kommentiert Mike Schier.
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Angela Merkel und Markus Söder justieren den Corona-Kurs - doch der Teufel steckt im Detail, kommentiert Mike Schier.

Kommentar zum Gipfel

Corona-Hardliner Merkel und Söder: Vernunft ist eingekehrt - doch ihr Gipfel-Papier bietet zu wenig

  • Mike Schier
    vonMike Schier
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Vor dem Corona-Gipfel ändern die Hardliner Merkel und Söder den Kurs. Doch bei ihrem Vorschlag steckt der Teufel im Detail, kommentiert Mike Schier.

Die gute Nachricht vorweg: Vor dem Bund-Länder-Gipfel zu Corona am Mittwoch ist Vernunft eingekehrt. Das Papier, das als Arbeitsgrundlage dient, atmet einen weit realistischeren Geist als manche Äußerung von Hardlinern wie Angela Merkel oder Markus Söder nach dem letzten Gipfel.

Corona-Gipfel: Bei der Beschlussvorlage von Merkel und Söder liegt der Teufel im Detail

Eine von den No-Covid-Befürwortern angepeilte Inzidenz von 10 wird angesichts der Mutationen auf absehbare Zeit unerreichbar bleiben – und ein harter Dauer-Lockdown wäre weder der Bevölkerung noch der Wirtschaft auf Dauer zumutbar gewesen. Gleichzeitig müssen auch die Lockerungen mit Augenmaß betrieben werden: Corona ist leider nicht vorbei, nur weil wir alle keine Lust mehr darauf haben.

Dennoch scheint es schwer vorstellbar, dass die Beschlussvorlage die Beratungen eins zu eins übersteht – und das obwohl sie keine Zeile zu Schulen enthält. Offenbar hat es die Kanzlerin aufgegeben, den Ländern hier Vorgaben zu machen. Der Teufel steckt in den Details, vor denen es nur so wimmelt. So scheint die Regelung für das neu eingeführte „Click and meet“ (wer spricht eigentlich so?) furchtbar kompliziert.

Corona-Lockerungen: Vorschlag schon wieder von Realität überholt? Fixierung auf Inzidenzen muss überdacht werden

Man fragt sich auch, warum Buchläden plötzlich zum „Einzelhandel des täglichen Bedarfs“ gehören, man sich aber nach drei Monaten Ladenschließung noch immer keine neuen Unterhosen kaufen darf. Und schließlich scheint mancher Vorschlag längst von der Realität überholt: Eine Öffnung der Außen(!)gastronomie erst nach 14 Tagen unter 35 widerspricht dem Bild, das sich in diesen Sonnentagen überall bietet. Die Menschen sitzen bei warmen Temperaturen so oder so beisammen – nur halt ohne Hygienekonzept.

Generell sollte man die alleinige Fixierung auf Inzidenzzahlen allmählich überdenken. Mit der Einführung von Schnelltests und Selbsttests beginnt eine neue Phase im Kampf gegen die Pandemie. In Merkels Vorschlag ist das bislang nur ein Randelement im vierten Öffnungsschritt. Das ist zu wenig.

Mike Schier

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