RKI-Chef Lothar Wieler, daneben Kommentator Georg Anastasiadis
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Ein Kommentar von Georg Anastasiadis

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Corona: Zahlen-Anstieg unter Jugendlichen nicht verwunderlich - Deutschland drohen ungemütliche Wochen

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Die Inzidenzen steigen, doch es gibt einen Unterschied zum Oktober - einer, der uns mit etwas Glück hilft. Dazu müssen wir genauer auf die Zahlen schauen. Ein Kommentar.

München - Die dritte Welle ist da, sagt RKI-Präsident Wieler - und auch, dass er (mal wieder) „sehr besorgt“ sei. Nun ja: Sich über das schlimmstmögliche Szenario Gedanken zu machen, gehört zur Jobbeschreibung des Chefs der deutschen Seuchenbehörde. Doch gibt es Grund zur Hoffnung, dass es nicht nochmal so schlimm kommt wie im Oktober. Damals schoss die 7-Tages-Inzidenz vor allem in der Gruppe der besonders von schweren Verläufen betroffenen über 80-jährigen Menschen steil empor - diesmal fällt sie, weil wenigstens in den Heimen Impfschutz besteht.

Umgekehrt klettert jetzt besonders die Zahl neu entdeckter Coronafälle unter Jugendlichen. Das ist nicht verwunderlich: Erstens sind die Schulen wieder auf. Und zweitens wurden wegen der häufig asymptomatischen Verläufe Infektionen unter Kindern früher oft nicht entdeckt. Das ändert sich gerade durch die massenhaften Schnelltests.

Dritte Welle in Deutschlands Corona-Krise: Inzidenzwerte müssen detaillierter betrachtet werden

Wir müssen deshalb anfangen, die Inzidenzwerte detaillierter zu betrachten, um die Gefahrenlage korrekt zu erfassen und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Während die Heimbewohner nun geschützt sein sollten, müssen daheim lebende Senioren, die bisher kein Impfangebot erhalten haben, noch vorsichtig bleiben. Wichtig ist, dass die Kliniken, deren Auslastungsgrad zu Beginn der Pandemie ja das entscheidende Kriterium zur Beurteilung der Lage war („flatten the curve“), nicht rasch wieder an ihre Grenzen stoßen. Erst das würde ein erneutes Umsteuern der Politik erzwingen.

Wird aus dem stetigen Anstieg wegen der nun vorherrschenden Virus-Mutationen wieder ein exponentieller, bevor wärmere Temperaturen die Lage entspannen, drohen Deutschland ungemütliche Wochen. Denn dann könnten die Pandemie-Müdigkeit der Bürger und der Frust über das quälend langsame Impfen in einen zivilen Ungehorsam umschlagen, gegen den auch ein dritter harter Lockdown nur noch wenig ausrichten könnte.

Vermutlich hatte die Kanzlerin das im Sinn, als sie das Land jetzt auf noch „drei, vier schwierige Monate“ einstimmte. Wie es kommt, hängt aber nicht nur vom Virus und den Bürgern ab - sondern auch davon, ob die schwerfällige Regierung beim Impfen endlich in die Puschen kommt.

Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

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