1. Startseite
  2. Politik

Weltärztechef Montgomery prangert aktuelle Corona-Situation an: „Mehr als peinlich“

Erstellt:

Von: Andreas Schmid

Kommentare

Frank Ulrich Montgomery
„Wir haben ein riesiges Digitalisierungsproblem nach wie vor in Deutschland“: Frank Ulrich Montgomery kritisiert die momentane Corona-Lage in der Bundesrepublik. © Guido Kirchner/dpa

Wie genau sind die aktuellen Corona-Zahlen? Experten warnen, dass über die Feiertage weniger Fälle bekannt werden würden. Weltärztechef Montgomery findet die aktuelle Lage peinlich.

Berlin - Das Robert Koch-Institut hat am Donnerstag eine etwas höhere bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz als am Vortag veröffentlicht. 207,4 statt 205,5. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 42.770 Corona-Neuinfektionen. Vor genau einer Woche waren es 44. 927 Ansteckungen. Ein Rückgang der Infektionszahlen also? Wie valide sind die aktuellen Zahlen?

Weltärztechef Montgomery: Ungenaue Corona-Daten „mehr als peinlich“

Das RKI selbst gab diese Daten explizit mit der Einschränkung ab, dass aufgrund der geringen Test- und Meldeaktivitäten während der Feiertage ein unvollständiges Bild abgeben werden könnte. Denn in Deutschland wird die Coronalage maßgeblich von den jeweiligen Gesundheitsämtern erfasst. Sie leiten die Infektionszahlen an das RKI weiter. Arbeiten sie nicht, werden keine Daten geliefert. Die Angaben sind lückenhaft.

Der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebunds, Frank Ulrich Montgomery, hält das für „mehr als peinlich“. Der 69-Jährige sprach im Deutschlandfunk von einem „riesigen Digitalisierungsproblem nach wie vor in Deutschland“. Dass es über die Feiertage keine vernünftigen Zahlen gebe, liege auch am Föderalismus, an unterschiedlichen Meldesystemen in den einzelnen Bundesländern. „Hier hätte man in den letzten eineinhalb Jahren wirklich mehr machen können“, sagte Montgomery, der erst vor wenigen Tagen wegen Corona-Aussagen in die Kritik geraten war.

Video: „Anmaßende kleine Richterlein“ - Weltärztepräsident kritisiert 2G-Urteile

Lauterbach: tatsächliche Inzidenz zwei- bis dreimal so hoch

Das Fehlen der Zahlen sei auch ein Problem, weil die Politik auf deren Basis Gesetze mache, die gerichtsfest sein müssten. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte am Mittwoch gesagt, es sei davon auszugehen, dass die tatsächliche Corona-Inzidenz in Deutschland derzeit zwei- bis dreimal so hoch sei wie ausgewiesen. Wegen der Feiertage gebe es momentan eine „deutliche Untererfassung“ der Ansteckungsfälle, sagte Lauterbach am Mittwoch in Berlin. „Die gegenwärtig ausgewiesene Inzidenz unterschätzt die Gefahr, in der wir uns befinden“, warnte er.

Es werde derzeit weniger getestet - zudem würden weniger Testergebnisse weitergemeldet. In den Gesundheitsämtern mache sich über die Feiertage ein genereller Personalmangel bemerkbar. Der Minister betonte, dass zur Ministerpräsidentenkonferenz mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) am 7. Januar „eine solide und für diese Zwecke vollkommen ausreichende Datenlage“ vorhanden sein werde. (as/dpa)

Auch interessant

Kommentare