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Wegen Corona-Masken: Lauterbach liefert sich bei Twitter Schlagabtausch mit FDP-Mann

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Von: Patrick Mayer

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Bundesgesundheitsminister: Karl Lauterbach von der SPD.
Bundesgesundheitsminister: Karl Lauterbach von der SPD. © IMAGO / Political-Moments

Karl Lauterbach bekräftigt die Bedeutung der Mundschutzmasken beim Kampf gegen Corona. Ein FDP-Mann hat mit Blick auf eine Studie dennoch was auszusetzen. Der Konter des Gesundheitsministers folgt prompt.

München/Berlin - Deutschland erlebt wegen teils tropischer Hitze einen heißen Sommer. Und dennoch geht mancherorts der Blick sorgenvoll in Richtung Herbst und kalter Jahreszeit. Die einhellige Frage lautet: Wie geht es mit Corona weiter? Am 30. Juli wurden auf der offiziellen Website der Bundesregierung zum Coronavirus 66.003 registrierte Infektionen binnen eines Tages gemeldet.

Schützen Mundschutzmasken vor Corona-Infektion? Karl Lauterbach verweist auf Studie

Gleichzeitig bietet sich vielerorts dasselbe Bild: In Bus und Bahn, S-Bahn oder U-Bahn - manche Leute wollen trotz geltender Corona-Regeln offenbar partout keine Mundschutzmasken mehr tragen. Auch, wenn die Ansteckungsgefahr ungebrochen hoch ist. Zum Beispiel in Bayern gilt noch eine Mundschutzpflicht im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV), in Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern. Nachdrücklich mahnt dagegen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Bei Twitter verwies der Rheinländer nun auf eine „amerikanische Mega-Studie“, wie er es nannte.

„Für alle, die noch immer im Unklaren sind, ob Masken gegen COVID schützen: Hier eine neue amerikanische Mega-Studie, die über 1.700 Studien auswertet“, erklärte Lauterbach in einem Tweet und meinte vehement: „Der Nutzen der Masken ist sehr groß, unumstritten und gilt für viele Bereiche.“

Im Video: Das ist Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD)

Für die übergeordnete Studie haben das Cold Spring Harbor Laboratory aus New York, das Medizinjournal BMJ und die Yale University (Connecticut) zusammengearbeitet. Insgesamt waren demnach 243 Probanden mit COVID-19 infiziert, von denen 97 Masken getragen hatten und 146 nicht, heißt es in der Zusammenfassung der Studie.

Die Wissenschaftler schreiben in dieser zur Wirkung der Mundschutzmasken: „Die Wahrscheinlichkeit, an COVID-19 zu erkranken, lag bei Maskenträgern bei 7 % (97/1463, p=0,002), bei Nicht-Maskenträgern bei 52 % (158/303, p=0,94). Das relative Risiko, an COVID-19 zu erkranken, betrug für Maskenträger 0,13 (95 %-KI: 0,10–0,16). Basierend auf diesen Ergebnissen stellten wir fest, dass im gesamten Gesundheits- und gesellschaftlichen Umfeld diejenigen, die Masken trugen, mit geringerer Wahrscheinlichkeit mit COVID-19 in Kontakt kamen.“

Corona-Masken: Schützen sie vor einer Infektion? FDP-Politiker kritisiert Karl Lauterbach

Klingt deutlich. Und dennoch gab es aus dem Deutschen Bundestag heraus ordentlich Kritik am Tweet Lauterbachs - und das ausgerechnet vom Koalitionspartner FDP.

„Lieber Karl Lauterbach, vielleicht eine interessante Studie. Doch eine noch nicht durch peer-review evaluierte Studie hoch zu loben, entspricht nicht dem üblichen wissenschaftlichen Vorgehen. Wissenschaftliches Arbeiten sieht anders aus“, schrieb der Gesundheitspolitiker Andrew Ullmann bei Twitter: „Dein Vorgehen könnte nach hinten losgehen.“ Der Tweet des Mediziners war direkt an den Gesundheitsminister adressiert. Zur besseren Einordnung: Der Deutsch-Amerikaner Ullmann ist Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie, internistische Onkologie und Infektiologie sowie im Parlament gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion.

Karl Lauterbach: Bundesgesundheitsminister zofft sich bei Twitter mit FDP-Mann

Und zum Verständnis für Nicht-Mediziner: Mit einer Peer-Review ist ein Verfahren zur Qualitätssicherung einer wissenschaftlichen Arbeit durch unabhängige Gutachter aus dem gleichen Fachgebiet gemeint. Diese Qualitätssicherung der Studie fehlt laut Ullmann offenbar (noch).

Der Ressortleiter aus Berlin verneinte das zumindest nicht und entgegnete dem FDP-Politiker bei Social Media stattdessen seinerseits deutlich: „Danke. Das hilft. Auf die FDP ist immer Verlass“, schrieb der 59-jährige Lauterbach in einem Antwort-Kommentar. Zuletzt hatte sich Lauterbach bei Twitter wegen eines energiepolitischen Themas bereits mit CSU-Politiker Alexander Dobrindt angelegt. Er bleibt im Fokus - nicht nur wegen Corona. (pm)

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