1. Startseite
  2. Politik

Geimpfte Portugal-Reiserückkehrer müssen in Quarantäne: Lauterbach plädiert für anderen Weg

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Klaus Rimpel, Cindy Boden

Kommentare

Die Delta-Variante dominiert derzeit die Corona-Diskussion – auch beim Reisen. Heimkehrer aus Portugal müssen nun zwei Wochen in Quarantäne, sogar wenn sie vollständig geimpft sind.

München – Mit zwei Corona*-Aufklebern im Impfpass reisten zuletzt einige Urlauber voller Vorfreude nach Portugal. Dann kam die Ernüchterung: Seit Dienstag ist das Land für zunächst zwei Wochen als Virusvariantengebiet eingestuft – wegen der Delta-Variante. Das heißt: Fluggesellschaften, Bus- und Bahnunternehmen dürfen nur noch deutsche Staatsbürger und Ausländer mit Wohnsitz in Deutschland über die Grenze bringen. Für diejenigen, die einreisen dürfen, gilt eine strikte 14-tägige Quarantänepflicht, die nicht durch einen Test verkürzt werden kann. Auch vollständig Geimpfte und Genesene sind betroffen. Dort liegt der Knackpunkt.

Denn für manche war genau das die Motivation zur Impfung: Mehr Freiheiten erhalten, der Quarantäne- und Testpflicht entkommen. Das EU-Impfzertifikat, das formell ab 1. Juli startet, soll vollständig Geimpften im Ausland genau das ermöglichen. Eigentlich. Doch Mitgliedstaaten können weiterhin wegen der Virus-Varianten die Notbremse ziehen und Auflagen verhängen.

Geimpfte müssen in Quarantäne: Fatales Signal für die Impfkampagne?

Der Gesundheitsexperte der FDP*-Landtagsfraktion, Dominik Spitzer, fürchtet als praktizierender Arzt für die Impfkampagne ein fatales Signal. „Zu mir in die Praxis kommen viele, die sich nur wegen des Urlaubs gegen Corona impfen lassen wollen. Für solche Menschen könnte jetzt der Impfanreiz wegfallen, wenn sie sehen: ,Ich muss ja trotzdem in Quarantäne.‘“

Menschen standen Schlange am Flughafen in Lissabon inmitten der Corona-Pandemie, bevor neue Kontrollen für Reisende in Kraft traten.
Menschen standen Schlange am Flughafen in Lissabon inmitten der Corona-Pandemie, bevor neue Kontrollen für Reisende in Kraft traten. © Paulo Mumia/dpa

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU*) rechtfertigte im ZDF-„Morgenmagazin“ die Quarantäne-Entscheidung. Bei neuen Varianten brauche es relativ lange, um sicherzugehen, ob die Impfstoffe wirkten und die Übertragung des Virus verhinderten. Die schlechte Datenlage ist aktuell also das Problem. Der SPD*-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht das anders: „Um die Akzeptanz unserer Corona-Maßnahmen zu erhöhen, plädiere ich dafür, die Quarantänepflicht wieder rückgängig zu machen“, sagte er gegenüber dem Münchner Merkur und der tz. Die Regel mache Sinn, „wenn es sich um Varianten handelt, die wir noch nicht kennen. Bei Delta haben wir so gute Daten, dass wir wissen, dass der Schutz durch die Impfung gegeben ist.“ Deshalb reicht es seiner Meinung nach, die geimpften Rückkehrer auf Corona zu testen.

Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie: „Das Beste ist, sich impfen zu lassen“

Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, weist jedoch auf Unsicherheiten hin. „Was wir noch nicht genau wissen, ist, ob Menschen, die zweimal geimpft sind und zum Beispiel in Portugal waren, zwar nicht erkranken und auch keine Symptome haben, aber das Virus quasi mit nach Deutschland schleppen.“ Lieber auf Nummer sicher gehen, findet Falk. „Über 45 Prozent der Menschen hier sind noch nicht geimpft. Wir wollen nicht, dass sich das Risiko erhöht für diesen Bereich der Bevölkerung, inklusive der Kinder.“ Denn noch hatten nicht alle Impfwilligen die Chance auf einen Impftermin.

Zwar ist die Delta-Variante* schon in Deutschland – und der Anteil steigt –, doch es gehe darum, dass sie sich hier nicht noch weiter verbreiten kann. Falk weist auch darauf hin, dass der individuelle Schutz durch die Impfung sehr unterschiedlich ausfallen kann. Neben der Erstimpfung sei die zweite für den Schutz entscheidend. „Doppelt geimpft bedeutet, das Risiko, sich zu infizieren und dann schwer zu erkranken, ist deutlich niedriger. Und zwar wirklich deutlich niedriger, auch mit Delta.“ Zwar sagt eine Studie aus Schottland nun, Impfungen seien womöglich etwas weniger wirksam. Dennoch bleibe: „Das Beste, was man sich selbst antun kann, ist, sich impfen zu lassen“, unterstreicht Falk mit der Hoffnung auf hohe Impfbereitschaft. (cibo/kr) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare