Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock
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Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock will sich für Kinder und Jugendliche starkmachen. Es brauche einen Pakt.

Laschet will Quarantäneregeln ändern

Kein Thema beim Corona-Gipfel? Baerbock fordert Fokus auf Schüler - und ein „politisches Versprechen“

  • Andreas Schmid
    VonAndreas Schmid
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Deutschlands Schulen sind „in weiten Teilen überhaupt nicht gut vorbereitet auf den Schulstart“, sagt KBV-Chef Gassen. Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock fordert deshalb einen „Pakt“.

Berlin - Deutschlands Corona-Kurs wird neu verhandelt. Bund und Ländern tagen am Dienstag über das weitere Vorgehen in der Pandemie. Vor allem geht es um die Regelungen für Geimpfte beziehungsweise Ungeimpfte - eine andere Bevölkerungsgruppe spielt (wieder einmal) eine untergeordnete Rolle: Kinder und speziell Schüler.

Schule in Corona-Zeiten: „bin schockiert, wie eine neue Infektionswelle riskiert wird“

In der Beschlussvorlage der Videoschalte kommen Kinder und Jugendliche insgesamt zweimal vor. So sollen Personen bis 18 Jahren weiterhin kostenlos einen Corona-Test erhalten. Das war es dann aber fast schon mit den Jüngsten der Gesellschaft. Bei der anvisierten „3G-Regel“ (Geimpft, Genesen, Getestet“) steht in einem Nebensatz, dass Schüler, „die im Rahmen eines verbindlichen schulischen Schutzkonzeptes regelmäßig getestet werden“, von der Testpflicht ausgenommen werden sollen.

Zum Schulstart nach den Sommerferien findet sich bislang wenig bis nichts. Das liegt auch daran, dass die Verantwortung bei den Kultusministerien der jeweiligen Länder liegt. Kritikern zufolge braucht es aber auch vom Bund mehr Initiative, um die Schulen bestens auf den Herbst vorzubereiten. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, sieht die Schulen aktuell „in weiten Teilen überhaupt nicht gut vorbereitet auf den Schulstart“. Der Rheinischen Post sagte er: „Da bin ich ehrlicherweise schockiert, wie Länder und Kommunen sehenden Auges eine neue Infektionswelle bei Schülerinnen und Schülern, ihren Familien und den Lehrern riskieren.“

Corona: Baerbock fordert Fokus auf Schulen und Kitas - „es braucht ein Versprechen der Politik“

Kritik übte auch Grünen-Kanzlerin Annalena Baerbock. Sie forderte einen verstärkten Blick auf Schulen und Kitas. „Wichtig ist, dass neben der Debatte um Schnelltests und Impfbereitschaft die Kitas und Schulen im Fokus stehen“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. „Es braucht einen Pakt für unsere Kinder und Jugendlichen. Ein verbindliches Versprechen der Politik, dass das Offenhalten der Schulen und Kitas Priorität hat.“ 

Wochenlang geschlossene Einrichtungen hätten tiefe Spuren hinterlassen und negative Folgen auch für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen gehabt, sagte Baerbock. „Kinder brauchen ihren Ort, wo sie nicht nur lernen, sondern wo sie gemeinsam Kind sein können“, erklärte die Grünen-Chefin. „Zentral ist, mit Impfaufrufen und niedrigschwelligen Angeboten dafür zu sorgen, dass sich die Erwachsenen impfen lassen, insbesondere auch jene im Umfeld von Kindern. So kann eine Art „Schutzkokon“ gebildet werden.“ Wer sich impfen lasse, zeige sich solidarisch auch mit den Jüngsten. 

Corona: Laschet will keine ganzen Klassen in Quarantäne schicken

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte der dpa: „Es ist unser aller Ziel, dass in den Schulen nach den Sommerferien regulärer Präsenzunterricht stattfindet.“ In den Bundesländern wie Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sind die Sommerferien bereits beendet. Schülerinnen und Schüler befinden sich wieder im Unterricht. Weil das Infektionsgeschehen derzeit moderat ist, funktioniert die Präsenzrückkehr. Die Bildungsstädten stellen sich allerdings die Frage, wie lange noch. Droht bei Corona-Fällen erneut Digitalunterricht?

Geht es nach NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), sollen zumindest nicht mehr ganze Klassen in Quarantäne geschickt werden, wenn sich ein einzelner Schüler mit dem Coronavirus infiziert hat. Die Gesundheitsminister berieten derzeit darüber, welche Quarantänemaßnahmen notwendig seien, sagte Laschet am Dienstag im Düsseldorfer Landtag. „Wir wollen, dass der Unterricht der Kinder nach den Ferien in Präsenz stattfindet“, betonte der Regierungschef.

Schule in Corona-Zeiten: Laschet und Baerbock fordern Luftfilteranlagen

Zum Schulstart in Nordrhein-Westfalen in der kommenden Woche werde es ähnlich wie im vergangenen Jahr wieder eine Maskenpflicht im Unterricht in allen Klassen geben. Wo nötig, würden Luftfiltergeräte eingesetzt. Das Land habe dafür viel Geld bereitgestellt, das viele Kommunen genutzt hätten.

Ähnlich äußerte sich auch Baerbock. Laut der gebürtigen Hannoveranerin müssten „Voraussetzungen geschaffen werden, dass Unterricht sicher möglich ist. Mit Lüftungskonzepten, Luftfiltern, Teststrategien, Masken und der Vermeidung großer Ansammlungen in geschlossenen Räumen.“ Alle Schulen und Kitas müssten ihre Räume mit Luftfiltern oder mindestens CO2-Ampeln ausstatten können. (as/dpa)

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