Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek während einer Pressekonferenz.
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Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek während einer Pressekonferenz (Archivbild).

Verhandlungen am Mittwoch

Vor Corona-Gipfel: Einzelhandel fordert Öffnungen - aber Holetschek dämpft Lockdown-Hoffnung

  • Sebastian Horsch
    vonSebastian Horsch
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Bereits vor Beginn des Corona-Gipfels am Mittwoch positioniert sich Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek recht eindeutig. Damit macht er die Hoffnungen im Einzelhandel zunichte.

München - Der Einzelhandel drängt auf Öffnungen. „Gerade der Modehandel weiß oft nicht mehr, wie es weitergehen soll“, sagt Stefan Genth, Chef des Handelsverbands Deutschland. Es gebe bei der Arbeit in Geschäften und Kaufhäusern auch keine höhere Corona*-Infektionsgefahr als in anderen Bereichen, betont die Berufsgenossenschaft für Handel und Warenlogistik (BGHW).

Um das zu untermauern, hat man mit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) eine Studie durchgeführt. Ergebnis: Das Infektionsrisiko* bei der Arbeit im Einzelhandel sei nicht erhöht.

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Ausgewertet wurden unter anderem Daten aus elf Einzelhandels-Unternehmen mit rund 331.000 Beschäftigten. Zwischen Mitte März und Ende Oktober 2020 erkrankten demnach etwa 0,6 Prozent der Beschäftigten an dem Virus. Demgegenüber infizierte sich im gleichen Zeitraum etwa 0,8 Prozent der Allgemeinbevölkerung. Somit liege der Anteil der erkrankten Beschäftigten sogar unter dem Mittel der entsprechenden Altersgruppe in der Allgemeinbevölkerung.

Entgegenhalten könnte man, dass während der ersten Welle noch im April viele Geschäfte komplett geschlossen waren - eine Infektion dort also auch schwer möglich. Doch auch im Lebensmitteleinzelhandel, der in allen Lockdown*-Phasen geöffnet hatte, sei die Infektionshäufigkeit unauffällig geblieben. Es habe keine wesentlichen Unterschiede in den betrachteten Handelsbereichen gegeben.

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Entscheidend dafür sind laut BGHW „sehr wahrscheinlich die von den Unternehmen ergriffenen Schutzmaßnahmen“. Auch hätten alle befragten Unternehmen ein Corona-Management mit eigener Kontaktnachverfolgung genutzt. „Dies hat sehr wahrscheinlich dazu beigetragen, dass Infektionen in der Regel nur auf einzelne Beschäftigte beschränkt blieben.“ Auch weist die BGHW darauf hin, dass kurze Kontaktdauern, wie sie im Einzelhandel typisch sind, im Allgemeinen geringere Infektionsrisiken bergen als längere Kontaktdauern.

Bayerns Gesundheitsminister macht den Geschäften am Dienstag dennoch wenig Hoffnung auf schnelle Öffnungen nach dem Corona-Gipfel und den Kabinettsberatungen im Landtag. „Der Einzelhandel steht trotz guter Absichten vor dem Problem, dass er Kundenansammlungen an Angebotsflächen im Geschäft oder beim Anstehen vor der Tür oder manchmal auch an den Kassen nicht wirklich steuern kann“, sagt Klaus Holetschek (CSU*) unserer Zeitung. Es sei deshalb trotz FFP2-Masken-Pflicht* „schwierig, bei einer immer noch zu hohen Zahl an nicht nachvollziehbaren Infektionsgelegenheiten und einer immer noch zu hohen allgemeinen Inzidenzrate jetzt einer ganzen Branche eine Freistellung zu erteilen“. (Sebastian Horsch) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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