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„Kann ihn mal jemand schütteln?“ Scholz irritiert mit Auftritt nach Corona-Gipfel

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Von: Cindy Boden

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Olaf Scholz bei der Pressekonferenz nach dem Corona-Gipfel
Kanzler Olaf Scholz bei der Pressekonferenz nach dem Corona-Gipfel © Bernd Elmenthaler/Imago

Die Corona-Maßnahmen werden verschärft, doch Scholz bekommt vielmehr eine Schwäche vorgehalten: seine Rhetorik. Auf Twitter sammeln sich spöttische Bemerkungen.

Berlin - Weihnachten ist auch die Zeit der Ruhe, des Runterkommens nach dem Alltagsstress des Jahres. Es wird das zweite Fest, währenddessen Corona die Debatten dominiert - und das erste mit Olaf Scholz als Kanzler. Die Pandemie-Lage ist angespannt - immer wieder kommen neue Warnungen vor der Omikron-Variante. Auch Scholz warnt und bekam mit der Pressekonferenz nach dem voraussichtlich letzten Corona-Gipfel des Jahres die Chance, noch einmal eindringlich an die Bürger zu appellieren. Er sprach mahnende Worte, doch sie klangen nicht so.

Schon lange - auch immer wieder im Bundestagswahlkampf - werden Scholz dessen rhetorischen Fähigkeiten als Schwäche ausgelegt. „Scholzomat“, teflonartiges Abperlen lassen von kritischen Fragen, auf die er teils gar nicht erst eingeht: Viel wurde schon über seine Rhetorik geschrieben. Und auch die Pressekonferenz sorgte in den sozialen Netzwerken teils für Spott.

Scholz mahnt - inhaltlich, aber für die Rhetorik muss er sich einiges anhören

Olaf Scholz las seine Rede zu Beginn der PK ab. Teils ohne große Regung im Gesicht sprach er rund zwölf Minuten. Seine Sätze waren inhaltlich klar. Doch zeitweise konnte man vom Klang her den Eindruck gewinnen, er liest eher eine Weihnachtsgeschichte oder Gutenachtgeschichte vor, als noch einmal zu betonen, worum es geht. Und das auch in Momenten, in denen er aufgriff, dass einige die Corona-Mahnungen kaum noch hören können. „Ich hätte Ihnen gern erfreulichere Nachrichten kurz vor der Weihnachtsfeiertagen mitgeteilt. Diese Pandemie strengt uns alle an, wir alle sind mürbe und der Pandemie müde. Das hilft aber nichts. Wir müssen abermals zusammenstehen“, sagte Scholz recht monoton und blickte dabei immer wieder auf sein Blatt.

„Es ist derzeit nicht mehr die Zeit für Partys und gesellige Abende in großer Runde“, sagte Scholz weiter. Oder: „Wir müssen uns schützen und auch unsere Angehörigen.“ Doch kommen diese Botschaften auch so an? Selbst beim Weihnachtsgruß, als er allen eine besinnliche Zeit wünschte, schaute er nach unten. Seine Hände kamen meist nur zum Einsatz, wenn er das Blatt wechselte.

Video: Scholz verkündet verschärfte Corona-Maßnahmen

„Kann ihn mal jemand schütteln und aufwecken?“ Scholz‘ Rhetorik in der Kritik

Auf Twitter sammelten sich einige Kommentare über den Auftritt von Scholz. „Ein Trauerredner hat deutlich mehr Schwung und Elan“, schrieb jemand sogar. „Kann ihn mal jemand schütteln und aufwecken?“, forderte jemand anderes. Und: „Also im Vorlesewettbewerb wäre Kanzler Scholz gnadenlos gescheitert.“ Von einem „Rhetorik-Booster“, der nötig sei, war auch auf Twitter zu lesen. Einer hat noch einen Tipp: Man sollte Scholz „beim nächsten Mal Espresso statt Wasser hinstellen. Vielleicht schläft er dann beim Vorlesen nicht selbst ein“.

Kontinuität im Corona-Kurs hieß es oft, wenn mit dem Regierungswechsel zurückgeblickt wurde. Auch Ex-Kanzlerin Angela Merkel verströmte nicht viele Emotionen, ist eher für ihr pragmatisches Handeln bekannt. Doch: „Die Pressekonferenzen von Bundeskanzlerin a.D. Frau Merkel waren im Vergleich zu der aktuellen MPK-Pressekonferenz von Bundeskanzler Scholz ein rhetorisches Feuerwerk“, hält jemand fest. Unvergessen bleibt auch ihre Rede im Bundestag vor Weihnachten 2020, als sie mit Kraft, geballten Fäusten und verzerrtem Gesicht im Bundestag Sätze rief wie: „Wenn es das letzte Weihnachten mit den Großeltern ist, dann werden wir etwas versäumt haben, das sollten wir nicht tun.“ So einen Moment hatte Scholz bislang noch nicht. (cibo)

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