Sorge um Mutanten

Corona-Grenzkontrollen ab Sonntag: Bundespolizei hat Befürchtung - die Regeln im Überblick

  • Franziska Schwarz
    VonFranziska Schwarz
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Seit Mitternacht gelten neue Einreiseregeln in Deutschland - zum Schutz vor gefährlichen Corona-Mutanten. Die Kritik lässt nicht lange auf sich warten.

  • Seit dem 14. Februar dürfen nur noch bestimmte Personengruppen nach Deutschland einreisen.
  • Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) betonte vorab, die Vorgaben ernst zu nehmen.
  • Wie aus der Bundespolizei zu hören ist, wird mit mehr Stau gerechnet.

München - Bundesinnenminister Horst Seehofer hat schon deutlich gemacht, was Reisende ab diesem Sonntag (14. Februar) erwartet. „Die Bundespolizei wird den Verkehr nicht einfach durchwinken“, sagte der CSU-Politiker der Bild am Sonntag (BamS). „Wer nicht zu einer der wenigen Ausnahmen gehört, kann nicht einreisen.“

An den Grenzen zu Tschechien, der Slowakei und Tirol in Österreich sind in der Nacht zum Sonntag schärfere Einreiseregeln in Kraft getreten. Grund sind die dort verbreiteten, ansteckenderen Corona-Mutationen, Sorge bereitet vor allem die südafrikanische Variante. Was gilt jetzt an den entsprechenden Übergängen (Bayern und Sachsen) auf dem Weg nach Deutschland? Ein Überblick:

Corona-Grenzkontrollen ab Sonntag: Regeln im der Übersicht

  • Einreisen dürfen nur Deutsche sowie Ausländer mit Wohnsitz und Aufenthaltserlaubnis in Deutschland sein.
  • Einreisewillige müssen einen negativen Corona-Test vorlegen.
  • Es gilt eine Quarantänepflicht nach der Ankunft in Deutschland.

Ausnahmen gelten für folgende Personengruppen:

  • Gesundheitspersonal
  • Lastwagenfahrer
  • Transportpersonal im Güterverkehr
  • systemrelevante Berufspendler

Welche Berufspendler als systemrelevant gelten, legen die Bundesländer in eigener Verantwortung fest. Die sächsische Regierung nannte zum Beispiel Mitarbeiter in der Landwirtschaft, wo Nutztiere versorgt werden müssen. In Bayern zählen laut dpa Beschäftigte in Betrieben wie Wasserwerken, Elektizitätswerken und in der Lebensmittelproduktion dazu.

Der Nachweis kann etwa durch das Mitführen eines Arbeitsvertrags bei der Einreise geschehen. Ab Mittwoch soll dieser Nachweis dann über amtliche Bescheinigungen durch die jeweiligen Landesbehörden erfolgen, in denen der Betrieb und der Beschäftigte genannt wird.

Regeln bei Corona-Einreisekontrollen: Grenzpolizei warnt vor Pendler-Staus

Wie sah es an diesem Sonntag deshalb mit Staus aus? „Die Lage ist momentan sehr ruhig“, sagte ein Sprecher der Grenzpolizei Passau am Morgen. Aber: „An einem Wochentag, wenn Pendler versuchen einzureisen, wird die Lage sicherlich anders aussehen.“

Grenzschließungen wegen Corona gab es in Europa bereits vergangenes Jahr - und eine Studie kommt kürzlich im Übrigen zu dem Schluss, dass sie zu spät kamen. Bereits am 8. März habe es etwa genauso viele lokale Ansteckungen mit dem Virus gegeben wie durch Reisende aus dem Ausland eingeschleppt wurden, berichten Forscher von der ETH Zürich aktuell im Fachmagazin PNAS.

Die EU schloss die Grenzen erst am 17. März 2020. Das Team erläuterte auf Anfrage der dpa: Bei einem Infektionsgeschehen, wie es Anfang März bereits vorhanden war, sei eine Grenzschließung nur noch verbunden mit einer drastischen Einschränkung der Kontakte im Land sinnvoll gewesen.

An den Grenzen zu Tirol und Tschechien wird ab dem 14. Februar in Deutschland schärfer kontrolliert.

Corona in Deutschland: EU-Kommissarin Kyriakides warnt vor Grenzschließungen wegen Virus-Mutanten

„Die Furcht vor den Mutationen des Coronavirus ist verständlich, aber trotzdem gilt die Wahrheit, dass sich das Virus nicht von geschlossenen Grenzen aufhalten lässt“, sagte indes EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides der Augsburger Allgemeinen. Gegen die Mutanten helfe nur „konsequentes Impfen sowie die Einhaltung der Hygiene-Regeln“.

„Ich halte es für falsch, dass wir wieder zu einem Europa mit geschlossenen Grenzen wie im März 2020 zurückkehren“, sagte die EU-Politikerin. Sie forderte die EU-Staaten auf, stärker mit Sequenzierungen zu arbeiten. Andernfalls stehe die EU dem Problem „blind“ gegenüber. An die Mutanten angepasste Impfstoffe sollen nach ihren Worten zudem per Schnellverfahren zugelassen werden können. (AFP/dpa/frs)

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