EU-weit wird ein einheitlicher Corona-Impfpass eingeführt. In den 27 Ländern soll kein Flickenteppich unterschiedlicher Dokumente entstehen
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EU-weit wird ein einheitlicher Corona-Impfpass eingeführt. In den 27 Ländern soll kein Flickenteppich unterschiedlicher Dokumente entstehen.

Zertifikat als Mammutaufgabe

Corona: Grüner EU-Impfpass für Rückkehr zum Alltag? Woran es in Deutschland hapern soll

  • Patrick Freiwah
    vonPatrick Freiwah
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Der EU-weite Corona-Impfpass nimmt langsam Formen an. In Brüssel wurde die Einführung der Bescheinigung auf den Weg gebracht. Sorgen macht angeblich Deutschland.

Brüssel/München - Ab Sommer soll ein EU-weit einheitlicher Impfausweis das Reisen trotz Corona ermöglichen. Jüngst hat das EU-Parlament den finalen Verhandlungen mit den einzelnen europäischen Mitgliedstaaten den Weg geebnet. Dass hierbei alles glatt läuft, ist kaum zu erwarten: Vielmehr bahnt sich wegen der Änderungsforderungen mancher Streit an, im Fall von Deutschland soll gar der Punkt Digitalisierung ein Problem darstellen.

Generell ist das Thema EU-Impfpass ein Anliegen von enormer Bedeutung: Zum einen natürlich für die stark vom Tourismus abhängigen Mitgliedstaaten, außerdem stellt das Projekt auch für Urlaubswillige einen Meilenstein bei der Rückkehr zu alten Freiheiten dar - vorausgesetzt der Plan geht auf. Ein Überblick mit wichtigen Antworten:

Europäischer Corona-Impfpass: Was auf EU-Ebene geplant ist

Die EU-Kommission* in Brüssel soll im Auftrag der 27 EU-Länder dafür sorgen, dass kein Flickenteppich unterschiedlicher Dokumente entsteht. Deshalb schlug sie im März 2021 angesichts der aktuellen Corona-Lage die gesetzliche Einführung eines sogenannten grünen Zertifikats vor: Die nationalen Behörden müssen dieses Dokument dann nach EU-einheitlichen Regeln ausstellen, die allerdings noch im Detail ausgehandelt werden.

Reisen trotz Corona: Welche Informationen soll das grüne Zertifikat enthalten?

Der europäische Corona-Impfausweis soll Auskunft darüber geben, ob ein Mensch das Virus Sars-CoV-2 weiterverbreiten kann oder zumindest wie wahrscheinlich dies ist. Neben Informationen über eine etwaige Impfung soll das Dokument deshalb auch Testergebnisse und Informationen über eine bereits überstandene Covid-Erkrankung* enthalten.

Digitaler EU-Impfpass: Grünes Zertifikat per QR-Code auch als Ausdruck geplant

Das Zertifikat ist zwar als digitales Dokument gedacht, zum Vorzeigen per Smartphone. Jedoch soll der Impfpass mit den entsprechenden Daten auch ausgedruckt mitgeführt werden können. Wichtig ist in diesem Hinblick, dass ein QR-Code gescannt werden kann, um die Echtheit zu prüfen. Das Dokument soll plangemäß in der jeweiligen Landessprache sowie auf Englisch darstellbar sein. An diese Vorgaben wird sich auch die deutsche Version der Impfpass-App halten, bestätigte das Gesundheitsministerium*.

Vorteile nur für das Reisen? Länder regeln darüber hinausgehende Maßnahmen

Jedes EU-Land entscheidet selbst, für welche Tätigkeit der europäische Impfpass ein „grünes Licht“ darstellt. Das EU-Parlament fordert jedoch, dass zumindest Quarantäne- und Testpflichten bei Grenzübertritten sowohl für Geimpfte, negativ Geteste als auch von Covid-19 Genesene entfallen müssen. Hier gibt es noch Uneinigkeit, weil einige Mitgliedstaaten sich auch diesen Punkt nicht von Brüssel vorschreiben lassen möchten.

Ob der Impfnachweis auch über die vorgesehenen Reise-Erleichterungen hinaus Vorteile bringen soll, wird demzufolge auch nicht von der EU-Kommission entschieden. Zahlreiche EU-Länder befassen sich mit derartigen Gedankenspielen, in Deutschland hat sich die Bundesregierung bis dato noch nicht festgelegt.

Grüner Impfpass für EU-Staaten: Wann wird das Zertifikat eingeführt?

Kommission, Parlament und die Bundesregierung visieren Ende Juni für die Umsetzung an. Nachdem das EU-Parlament grünes Licht gegeben hat, haben die Verhandlungen mit den Mitgliedsstaaten begonnen. Aufgrund unterschiedlicher Positionen erwarten Experten, dass sich eine gemeinsame Lösung bei Detailfragen schwierig gestaltet. Und dann gibt es offenbar noch Probleme im Hinblick auf die technische Umsetzung.

EU-Impfpass soll Reisen in Europa erleichtern - Technische Probleme drohen

Wie Welt.de berichtet, bereite besonders Deutschland der EU-Kommission Sorgen. Grund sei demnach die schleppende Digitalisierung im Land. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass zum Stichtag 1. Juni noch weitere EU-Staaten nicht in der Lage sein werden, den grünen Impfpass anzubieten, weil technische Voraussetzungen bis dahin nicht erfüllt werden können.

Wie bei der Corona-Warn-App sind übrigens auch bei der EU-weiten Lösung die deutschen Konzerne Telekom und SAP involviert. Hier geht es um die Bereitstellung der technischen Infrastruktur und darum, eine Schnittstelle aufzubauen, die den digitalen Austausch von elektronischen Signaturschlüsseln ermöglicht. Eine weitere Anforderung besteht darin, EU-weit die Echtheit der digitalen Impfzertifikate festzustellen.

Zeitgleich muss jedes Land selbst die technischen Voraussetzungen schaffen. In Deutschland wurden hierfür die IT-Unternehmen IBM, Ubirch, Govdigital sowie Bechtle beauftragt. Die nationalen Lösungen müssen dann über jene Schnittstelle europaweit miteinander verbunden werden, wie Welt.de ausführt.

Astrazeneca und Co.: Welche Impfstoffe zählen eigentlich und gibt es Einschränkungen?

Das EU-Parlament* will, dass lediglich Impfungen mit von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA oder der Weltgesundheitsorganisation WHO zugelassenen Impfstoffen in dem grünen Zertifikat aufgeführt werden. Das sind nach jetzigem Stand die Mittel von Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca sowie Johnson & Johnson. Auch dies wird letztlich jedoch von den einzelnen Ländern entschieden: Ungarn zum Beispiel verimpft auch das russische Vakzin Sputnik V* und Impfstoffe aus China. Mitgliedstaaten wird es demnach freistehen, ob sie Impfbescheinigungen mit diesen Mitteln anerkennen. (PF/AFP) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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