Rainald Becker kommentiert in den Tagesthemen den aktuellen Lockdown
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ARD Chefredakteur und ARD-Koordinator für Politik, Gesellschaft und Kultur Rainald Becker

Kommentar zum Lockdown

Corona-Lockdown: ARD-Kommentator warnt und wettert gegen Querdenker - „Hat jeglichen Durchblick verloren“

  • Philipp Fischer
    vonPhilipp Fischer
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Der Kurs von Angela Merkel wird immer noch von großen Teilen der Gesellschaft getragen. Doch weil die Kritik lauter wird, appelliert ARD-Journalist Rainald Becker für mehr Zusammenhalt.

  • Der bundesweite Lockdown wurde teilweise als zu spät und deswegen ineffektiv kritisiert.
  • In einigen Bundesländer wie in Bayern gelten darüber hinaus zusätzlich Ausgangssperren.
  • Viele sehen Lockdown nur als kurzfristige Maßnahme, aber nicht als langfristige Lösung.

Berlin - Seit vergangenem Mittwoch gilt in Deutschland der erste bundesweite Lockdown seit dem Frühjahr. Trotz des weiterhin hohen Zuspruchs innerhalb der Bevölkerung für härtere Maßnahmen, wurde in den vergangenen Tagen vermehrt Kritik an den neuen Maßnahmen laut. Besonders häufig wurde angemerkt, dass der Lockdown zu spät kommt und keine langfristige Strategie darstelle. In den Tagesthemen äußerte sich jetzt ARD-Chefredakteur Rainald Becker zum aktuellen Stimmungsbild in Deutschland und rief zu weniger Streit und mehr Solidarität auf.

Nach Corona-Lockdwon: ARD-Journalist appeliert für Zuversicht

Wie sich in den letzten zwei Wochen herausgestellt hat, konnte der Anfang November eingeführte Wellenbrecher-Shutdown light nicht sein gewünschtes Ziel erreichen. Der seit vergangenem Mittwoch geltende harte Lockdown soll jetzt die Versäumnisse der vergangenen Wochen wieder gut machen und die steigenden Corona-Infektionszahlen senken. Ob das gelingt, hängt auch davon ab, ob sich die Bevölkerung an die zwischen Bund und Ländern vereinbarten Regeln hält. In einem Kommentar für die ARD-Tagesthemen appelliert deswegen ARD-Chefredakteur Rainald Becker: „Jeder hat jetzt die Chance, in sich zu gehen und über sein Verhalten nachzudenken“. Vielmehr warnt Becker „Es ist schon fünf nach 12 - wir stehen vor einem medizinischen Notstand. Wer also jetzt noch jammert, lamentiert oder gar querdenkt, hat jeglichen Durchblick verloren“.

Währrend Corona-Lockdown: gesellschaftlicher Zusammenhalt wichtig für Lockdown

Weiterhin sei es jetzt wichtig, sich nicht mit Streit und kleinlicher Kritik aufzuhalten, sondern zusammenzuhalten. „Kleinlicher Streit über unterschiedliche Regelungen, über Ausnahmetatbestände, über politische Versäumnisse. All das ist derzeit nicht wichtig. Auch die Frage, warum der Lockdown nicht gleich am Montag begonnen hat, sondern erst heute, ist das Reden über die berühmte vergossene Milch“, meint Becker. Darüber hinaus sei jetzt die Stunde geboten, in der man Zuversicht verbreiten und nach vorne blicken solle. „Ob wir die Mehrwertsteuerregel verlängern, einen Corona-Soli einführen oder große Vermögen besteuern - was nötig ist, soll gemacht werden. Helfen und füreinander da sein, das nennt man übrigen Solidarität.“ 

Twitter-Nutzer widersprechen ARD-Journalisten

Doch nicht jeder teilte die Auffassung des TV-Journalisten. Ein Twitter-Nutzer beklagt zum Beispiel: „Wir brauchen aber auch eine langfristige Strategie, die auch unpopuläre Maßnahmen enthalten darf, und das Ablegen ideologischer Scheuklappen, Stichwort Tracking App! German Mut ist gefragt!“. Andere wiederum kritisieren das Angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens, die Wortwahl zu Milde gewählt sei.

NDR-Journalistin: Effektivität von Corona-Lockdown hängt von jedem Einzelnen ab

Auch die NDR-Journalistin Petra Lehnert schlägt in einem Kommentar für den NDR in die gleiche Kerbe wie Becker. Sie konstatiert: „Der Lockdown, der am Mittwoch begonnen hat, ist ein richtiger Schritt. Die Politik hat ihn verordnet. Ob er Menschenleben retten wird, hängt von jedem Einzelnen ab.“ Weiterhin führt sie aus, dass angemessen Kritik an der Durchführung richtig ist „Aber es ist unerträglich, wenn das Argument fällt, man solle doch nicht die Wirtschaft schädigen, denn es würden schließlich vor allem Hochbetagte an Corona sterben“, erklärt Lehnert.

Der FAZ-Journalist Japser von Altenbockum beklagt hingegen, dass die Regierung keine klare Linie gegen das Virus habe. Altenbockum argumentiert, dass es sinnvoller ist, vulnerable Gruppen vor Infektionen besser zu schützen, denn dadurch hätte ein harter Lockdown vermieden werden können. „Der Unterschied ist, dass ein besserer Schutz der Risikogruppen die Krankenhäuser effektiver entlasten könnte. Für den Rest der Bevölkerung geht es nicht darum, wie Merkel es darstellte, ein lustiges Leben zu führen, sondern das Infektionsgeschehen mit einem größeren Spielraum verfolgen zu können. Die Chancen wären größer, einen ‚harten‘ Lockdown zu vermeiden.“ (phf)

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