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Lauterbach sieht Corona-„Katastrophe“ im Herbst kommen - Experte kritisiert ihn scharf

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Von: Patrick Freiwah

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Die Corona-Fallzahlen in Deutschland nehmen seit Wochen zu. Gesundheitsminister Lauterbach warnt vor einem möglicherweise „katastrophalen“ Herbst. Kassenärztechef Gassen widerspricht.

Berlin/Washington - Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach fungiert in der nicht enden wollenden Coronavirus-Pandemie als Chefwarner der Republik. Dem aktuellen Verlauf der Infektionskurve nach zu urteilen, könnte Deutschland spätestens im Herbst wieder eine drastische Erhöhung der Infektionsschutzmaßnahmen blühen.

„Wenn wir so wie jetzt in den Herbst hineingingen, also ohne weitere Schutzmaßnahmen, ohne Masken, ohne alles, dann würde das bedeuten, dass die Fallzahlen stark steigen würden, aber auch die Intensivstationen überlastet würden“, erklärte der Bundesgesundheitsminister. Der Kassenärztechef hält jedoch dagegen und kritisiert seinerseits Deutschlands "Chefwarner".

Lauterbach warnt vor „katastrophaler“ Corona-Entwicklung im Herbst

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) zitiert Karl Lauterbach dazu folgendermaßen: „Das ist wie eine Kerze, die an beiden Enden brennt: Unten brenne das Personal weg und oben die Patienten.“ Wenn nicht schon bald entsprechende Maßnahmen in die Wege geleitet würden, drohe der Bevölkerung eine „katastrophale“ Pandemie-Entwicklung.

Wie sehen nun die Planungen im Gesundheitsministerium aus? Lauterbach und Ministeriumskollegen planen für die Zeit ab dem 23. September, wenn die aktuelle Corona-Verordnung in Deutschland ausläuft. Dazu führt der SPD-Politiker aus: „Wir brauchen Maßnahmen, das ist klar. Aber das ist auch nicht strittig, wir werden vorbereitet sein.“ Speziell mit dem FDP-geführten Justizministerium würde es „vertrauliche Verhandlungen“ geben.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach blickt mit Sorge in Richtung Herbst. Zu Unrecht? (Archivbild)
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach blickt mit Sorge in Richtung Herbst. Zu Unrecht? (Archivbild) © Florian Gaertner/imago

Lauterbach malt düsteres Corona-Szenario - Kassenärztechef widerspricht

Für seinen Vorstoß erhält Lauterbach, der darüber hinaus einen Appell an ältere Personen richtet, Kritik aus der Medizin: Kassenärztechef Andreas Gassen weist die Warnungen des Gesundheitsministers vor einem derartigen Szenario als übertrieben zurück: „Für die von Herrn Lauterbach befürchtete ‚Killer-Mutante‘, die so ansteckend wie Omikron und so gefährlich wie Delta ist, gibt es derzeit keine Anzeichen“, erklärt der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ).

„Sorgen bereitet mir nicht die aktuelle Corona-Entwicklung, sondern die Rufe nach erneuten überzogenen Schutzmaßnahmen bis hin zum neuen Lockdown“, so Gassen. Eine Lockdown-Option im Infektionsschutzgesetz festzuschreiben, hatte etwa Weltärztechef Frank Montgomery kürzlich gefordert.

Nichtsdestotrotz plädiert auch Gassen für ein neues Infektionsschutzgesetz, um Landkreisen, Kommunen und Städten die Handhabung einer Hotspot-Regel zu erleichtern. Dies wäre seiner Ansicht nach zum Zwecke der Vermeidung komplizierter Abstimmungsprozesse mit Bund und Ländern hilfreich: „Maßnahmen braucht es letztlich nur, wenn eine nachweislich gefährlichere Virusvariante auftaucht und als Folge davon die Zahl der Schwerkranken erheblich ansteigt und eine Überbelegung der Intensivstationen droht. Sonst nicht.“

In der Sommerwelle hat die Virus-Mutation BA.5 Deutschland fest im Griff - wie auch der RKI-Wochenbericht (21. Juli) zeigt. Indes ist eine neue Corona-Variante (BA.2.75) aufgetaucht, die Sorgen bereitet. Das ist über „Centaurus“ bekannt. (PF)

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