Corona-Impfangebot für Kinder über 12 Jahren kommt - Bund und Länder verlieren Geduld mit Stiko

Beim Impfgipfel beschlossen Bund und Länder, ab 7. Juni ein Corona-Impfangebot für Kinder ab 12 Jahren zu machen. Damit griff man einem beratenden Gremium vor.
München - Während der Corona-Pandemie wurde die Geduld vieler Menschen immer wieder auf die Probe gestellt. Bis heute muss die Bevölkerung in Deutschland mit Beeinträchtigungen klarkommen. Für die Politik hieß es: Ruhe bewahren, auch wenn der Unmut bei Einigen wächst.
Als ein zentraler Baustein im Kampf gegen das Coronavirus gelten die Impfungen. Allerdings mangelt es immer noch an ausreichend Impfstoffen. Trotzdem preschten Bund und Länder beim jüngsten Impfgipfel vor. Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten beschlossen, ab 7. Juni auch Jugendlichen ab zwölf Jahren ein Impfangebot machen zu wollen. Damit stellten sich die Bundesregierung sowie die Länderchefs gegen die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (Stiko).
Corona-Impfangebot für Kinder über 12 Jahren kommt - Bund und Länder verlieren Geduld mit Stiko
Ist der Geduldsfaden der Politik mit ihrem beratend fungierenden Gremium gerissen? Zumindest stellen sich Merkel und ihre Kollegen mit dem Impfangebot für über 12-Jährige gegen die Stiko. Diese will sich derzeit noch nicht auf eine Impfempfehlung für Kinder festlegen, es fehlen nach Auffassung von Stiko-Chef Thomas Mertens und dessen Mitstreitern noch die nötigen Daten. Zudem erwägte die Stiko, eine entsprechende Impfempfehlung nur für vorerkrankte Kinder dieser Altersklasse auszusprechen.
Es wirkte zuletzt so, als dauere Merkel und den Länderchefs der Entscheidungsprozess der Stiko zu lange. Gesundheitsminister Spahn kritisierte öffentlich die ausgebliebene Impfempfehlung des Gremiums für über 12-Jährige. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte die Stiko aufgefordert, „eine Botschaft“ herauszugeben, die eine nahende Impfempfehlung für diese Altersklasse ankündigt. Diese blieb aus, die Stiko setzt lieber auf aktuelle und belastbare Studien sowie medizinische Entscheidungskriterien. Und verprellt mit dieser Strategie offenbar die politischen Entscheidungsträger.
Denen ging es in den vergangenen Wochen oftmals nicht schnell genug. Die Stiko arbeitete immer sorgfältig, das gestaltete sich allerdings zumeist zeitintensiv. Gleichzeitig musste die Politik schauen, wie man die wachsende Ungeduld der Bevölkerung in den Griff bekommt. Auch der Ethikrat wählte nun einen anderen Weg als die Stiko. Deren Vorsitzende Alena Buyx setzte für die Impfempfehlung der über 12-Jährigen ein: „Das stärkste Argument, 12- bis 15-Jährige zu impfen, ist einfach, dass sie auch selbst natürlich einen Schutz haben möchten.“ Und ging damit in Opposition zur Stiko.
Stiko: Gremium verliert an Einfluss - nahende Bundestagswahl als Grund?
Ursprünglich hatten Ethikrat und Stiko mit einer Stimme gesprochen, jetzt schlagen beide Gremien unterschiedliche Richtungen ein. Das Urteil der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts ist anscheinend nicht mehr als letzte Instanz gefragt.
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Womöglich spielt hier auch die nahende Bundestagswahl 2021 eine Rolle. Die Unzufriedenheit bei potenziellen Wählern mit Kindern im entsprechenden Alter könnte wachsen. Bleibt ein Impfangebot für deren Sprösslinge weiter aus, dürfte dies auch auf die Wahlentscheidung dieser Menschen Einfluss nehmen. Die Bundesregierung hat nun Fakten geschaffen. Ob diese die Wählerschaft besänftigen können, wird sicher auch daran hängen, wie schnell das geplante Impfangebot für Kinder und Jugendliche in die Tat umgesetzt wird. (kh)