Leere Ampullen vom Corona-Impfstoff von AstraZeneca in einem Impfzentrum.
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Leere Ampullen vom Corona-Impfstoff von AstraZeneca in einem Impfzentrum.

Harte Worte gegen die Bundesrepublik

„Deutschland verliert den Impfstoff-Krieg“: Briten-Zeitung mit bösem Tiefschlag - „Panikmache“ & „Gehirnwäsche“

  • Anna-Katharina Ahnefeld
    vonAnna-Katharina Ahnefeld
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Die britische Presse ging zuletzt hart mit Deutschlands Corona-Politik ins Gericht. Vor allem die Skepsis gegenüber AstraZeneca sorgt für Irritation in Großbritannien.

Berlin/London - Erst am Freitag verkündete Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Berlin, er sehe die deutsche Impf-Kampagne auf einem guten Weg. Dennoch gab es zuletzt immer wieder Diskussionen um einen Impfstoff: AstraZeneca. In der britischen Presse wurde nun die deutsche Corona-Politik massiv kritisiert. Und erst kürzlich zeichnete die renommierte US-Zeitung New York Times Deutschlands Entwicklung vom Vorreiter in der Pandemie zu einem Land, dass „wie alle anderen von der zweiten Welle der Pandemie überflutet“ wird, nach.

Härter gehen die britischen Boulevard-Zeitungen mit der Bundesrepublik ins Gericht. Anlass war offenbar eine Titelseite der Bild. Diese titelte zuvor: „Liebe Briten, we beneiden you!“, bezüglich der Meldung, dass Großbritannien die Rückkehr zur Normalität ab dem 21. Juni verkündete. Die Sun reagierte daraufhin mit folgender Ansage: „Wir beneiden dich nicht ‚für das EU-Impfstoff-Durcheinander‘“. Mit einer klaren Botschaft: Während Großbritanniens geimpfte Bürger:innen den Sommer genießen könnten - mit einer detaillierten Aufzählung sommerlicher Freuden -, sei Deutschland durch die Bürokratie der Europäischen Union in ihrer Impf-Kampagne gelähmt. Während Großbritannien einen „Sommer wie 1966“ erleben würde, blieben die Europäischen Staaten zurück.

Britische Boulevard-Zeitungen mit scharfer Kritik: Deutschland sei beim Impfen durch EU gelähmt

Um diese Informationen einzuordnen, ist es wichtig zu wissen, dass das Boulevard-Blatt The Sun eine stark konservative politische Ausrichtung hat - und vor dem Brexit-Votum Stimmung für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union machte. Somit ist es wenig verwunderlich, dass die britische Zeitung die Chance nützt, um ihre Muskeln anzuspannen und sarkastisch zu fragen: „Wie können wir es wagen, ihr geliebtes Kartell zu verlassen? Wie können wir es wagen, 47 Jahre verwirrender Bürokratie und erbärmlich angetriebener Staubsauger zu beenden? Wir werden ruiniert sein, wenn sie unseren hellen Stern von der EU-Flagge verdrängen“, so der Sun-Journalist. Und nun: Man habe Deutschland „unter den Tisch geimpft“.

In dieselbe Richtung stößt ein Kommentar der Daily Mail. Ebenfalls eine Zeitung, die sich vermehrt für den Brexit stark machte und für ihre EU-kritische Berichterstattung bekannt ist. „Deutschland verliert den Impfstoff-Krieg ... und die EU wird den Preis dafür zahlen“, lautet der Titel eines aktuellen Kommentars. Darin knöpft sich der Journalist mit harten Worten die Skepsis mancher Einwohner:innen der Bundesrepublik gegen den britischen Impfstoff AstraZeneca vor. Nachdem bekannt wurde, dass Menschen gar ihre Impf-Termine verstreichen ließen, aufgrund Vorbehalte gegen das Vakzin. Ein freier deutscher Journalist twitterte dazu kürzlich erst: „Hey Leute wer geht mit heute Nacht AstraZeneca containern“. Unter anderem der bekannte Virologe Christian Drosten machte sich in seinem Podcast stark für die gute Wirksamkeit des Impfstoffes.

AstraZeneca: Journalist geht hart gegen Deutschlands Skepsis vor dem britischen Impfstoff vor

„Dank der Panikmache von EU-Politikern, rücksichtslosen deutschen Nachrichtenagenturen und der lautstarken „Anti-Vaxx“ -Bewegung des Landes wurde eine alarmierende Anzahl gut ausgebildeter deutscher Bürger einer Gehirnwäsche unterzogen, um zu glauben, dass der britische Stoß entweder ineffektiv, gefährlich oder beides ist“, heißt es weiter in dem Kommentar. Klar wird, die Zurückhaltung der Deutschen gegenüber dem Impfstoff stößt in Teilen Großbritanniens auf Ärger und Verwunderung.

Währenddessen äußerte der Chef der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, am Freitag im ZDF-„heute journal“, man werde die Impf-Empfehlung für AstraZeneca überdenken. Zuvor wurde der Impfstoff für Menschen zwischen 18 und 64 Jahren empfohlen, da Daten zur Wirkung bei älteren Menschen fehlten. Ein Grund für die Skepsis gegenüber AstraZeneca. „Das Ganze ist irgendwie schlecht gelaufen“, so Merten. „Wir hatten die Daten, die wir hatten und haben auf der Basis dieser Daten die Empfehlung gegeben. Aber wir haben nie den Impfstoff kritisiert. Wir haben nur kritisiert, dass die Datenlage für die Altersgruppe über 65 nicht gut oder nicht ausreichend war.“ Der Impfstoff sei „sehr gut“, er werde „jetzt durch hinzukommende neue Daten noch besser in der Einschätzung“, sagte der Chef der Ständigen Impfkommission. (aka mit dpa)

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