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Lauterbach will „notfallmäßig“ Biontech zurückkaufen: Moderna liefert früher zehn Millionen Dosen als gedacht

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Von: Richard Strobl, Patrick Mayer, Bedrettin Bölükbasi, Jonas Raab

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Nach einer Corona-Impfstoff-Inventur schlägt Karl Lauterbach Alarm. Es sei zu wenig für die Booster-Kampagne da. Jetzt sollen Millionen Dosen helfen. Der News-Ticker.

Update vom 16. Dezember, 14.15 Uhr: Für die Corona-Impfungen in Deutschland sind frühere Lieferungen des Präparats von Moderna in Sicht. Konkret können 10 Millionen Impfdosen noch auf Dezember vorgezogen werden, wie es am Donnerstag aus EU-Kreisen hieß. Ins erste Quartal 2022 vorgezogen werden können demnach außerdem weitere 25 Millionen Dosen. Aus den insgesamt 35 Millionen Dosen könnten bis zu 70 Millionen Dosen für Auffrischimpfungen gezogen werden, da hierfür bei Moderna eine halbe Dosis verwendet wird.

Die Bundesregierung hatte am Mittwoch bereits mitgeteilt, zusätzliche 80 Millionen Dosen des Präparats von Biontech über EU-Verträge kaufen zu wollen. Der Haushaltsausschuss des Bundestags hatte hierfür sowie für 12 Millionen weitere Dosen, die direkt beschafft werden sollen, rund 2,2 Milliarden Euro bewilligt.

Update vom 16. Dezember, 7.05 Uhr: Bei der Impfkampagne gegen das Coronavirus ist nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) der Biontech-Impfstoff bereits derzeit knapp bemessen. Innerhalb der nächsten drei Wochen könnten in Deutschland etwa 3,2 Millionen Dosen Biontech ausgeliefert werden, sagte Lauterbach am Mittwochabend im ZDF. „Das ist aber viel weniger als das, was die Ärztinnen und Ärzte jede Woche abrufen.“ Der neue Minister hatte zuvor schon vor einem Mangel an Impfstoff im ersten Quartal 2022 gewarnt. Aus der Union sowie auch von Hausärzten kam deshalb Kritik.

„Wir können in der nächsten Woche 1,2 Millionen Dosen Biontech für ganz Deutschland ausliefern, in der Woche darauf 800.000 Dosen und dann noch einmal 1,2 Millionen Dosen“, sagte Lauterbach in der Sendung „Markus Lanz - Das Jahr 2021“. „Das sind schon Reserven. Wir schütten hier alles aus. Denn die Kampagne muss ja laufen so gut, wie sie kann.“ Für 2,2 Milliarden Euro will die neue Bundesregierung nun mehr als 90 Millionen Dosen Biontech-Impfstoff nachkaufen (siehe Update vom 15. Dezember, 20.25 Uhr).

Nach einem Bericht der Bild-Zeitung ist Grund für den Mangel, dass Deutschland und die EU im Frühherbst eine Bestelloption über mehrere Millionen zusätzliche Dosen Biontech verstreichen ließen. Mögliches Lieferdatum wäre der Januar 2022 gewesen, so das Blatt. Weder der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) noch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hätten auf zusätzlichen Impfstoff gedrängt.

Lauterbach will keinen Vorwurf gegen Spahn erheben - Hausärzteverband kritisiert Öffentlichkeitsarbeit

Aus der CDU kam der Vorwurf, Lauterbach rufe „Feuer“, um dann Feuerwehr zu spielen (siehe Update vom 16. Dezember, 13.10 Uhr). Der SPD-Politiker betonte, die Mitteilung über Impfstoffknappheit sei kein Vorwurf gegen Vorgänger Jens Spahn (CDU). Über das ganze Jahr hinweg sei auch genug Impfstoff vorhanden gewesen - aber nicht für eine sehr schnelle Boosterkampagne. „Ich versuche jetzt, notfallmäßig Impfstoff aus osteuropäischen Ländern zurückzukaufen.“ Das dorthin gelieferte Serum könne zum Teil nicht verimpft werden.

Der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, kritisierte Lauterbachs Öffentlichkeitsarbeit. „Die einen bekommen Angst, dass sie nicht mehr geboostert werden können“, sagte Weigeldt der Funke-Mediengruppe. „Die anderen nehmen Abstand von der Impfung, weil sie das Gefühl haben, es bringt nichts, sich darum zu bemühen.“ Das helfe nicht. Der Sozialverband VdK forderte, bei einem absehbaren Mangel an Impfstoffen jetzt schon Risikogruppen bei der Booster-Impfung vorzuziehen.

Update vom 15. Dezember, 22.45 Uhr: Wie schnell geht es mit den Booster-Impfungen gegen Corona in Deutschland weiter? Karl Lauterbach (SPD) hat mit seinen Gesundheitsminister-Kollegen in punkto Testpflicht für Geboosterte eine Frist vorgegeben - an die sich ein Bundesland nun nicht hält.

Impf-Inventur von Karl Lauterbach (SPD): Kassenärzte kritisieren Corona-Impfstoff-Mangel

Update vom 15. Dezember, 20.25 Uhr: Kassenärzte haben nach Aussagen des neuen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), in Deutschland sei für die Corona-Booster-Impfkampagne nicht genügend Impfstoff vorhanden, deutliche Kritik geübt.

„Wir haben in Deutschland gerade Rekord-Tempo beim Impfen in den Praxen erreicht, da kommt diese Nachricht. Ein fatales Signal an alle, die gerade mit vollem Einsatz diese Pandemie bekämpfen“, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, der BILD. Im Gespräch mit der „Tagesschau“ der ARD meinte er: „Wir haben in der letzten Woche tatsächlich einen neuen Impfrekord hingelegt. Die Kolleginnen und Kollegen haben über viereinhalb Millionen Impfungen in den Praxen gemacht. Das ist natürlich prima. Wenn jetzt der Impfstoff knapp wird, kommt dieser gerade auf Hochtouren laufende Impfmotor zum Stocken.“

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, richtete sich offenbar an die frühere Bundesregierung und sagte im Interview mit dem Deutschlandfunk: „Wenn man das hört, bleibt einem der Mund offen stehen. Ich bin etwas sprachlos angesichts der Nachricht.“ Es sei völlig unvorstellbar, dass die Logistik in einem Land wie Deutschland nicht funktioniere, meinte Reinhardt weiter. Ihm sei völlig unverständlich, dass nicht ausreichend Corona-Impfstoff als Rücklage beschafft worden sei.

Lauterbach will an diesem Donnerstag seine Strategie für die Beschaffung weiteren Impfstoffs für die Booster-Impfungen gegen das Coronavirus erläutern. Laut ARD ist von rund 92 Millionen Dosen Biontech und Moderna die Rede. „In der Tat, wir haben zu wenig Impfstoff. Das hat viele überrascht – mich auch“, hatte der neue Ressortleiter am Dienstagabend in den ARD-„Tagesthemen“ gesagt. Am Mittwoch meinte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP): „Der Haushaltsausschuss hat heute auf Vorschlag von Finanzminister Lindner 2,2 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt für Impfstoff, der dringend benötigt wird. Wir kämpfen mit der Delta-Variante und müssen die Omikron-Variante fürchten.“

Neuer Bundesgesundheitsminister: Karl Lauterbach von der SPD.
Neuer Bundesgesundheitsminister: Karl Lauterbach von der SPD. © Michael Kappeler/dpa

Impf-Inventur von Karl Lauterbach (SPD): Gesundheitsminister sieht Corona-Impfstoff-Mangel

Update vom 15. Dezember, 13.10 Uhr: In einem Brief an die CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Mitglieder des Gesundheitsausschusses ging der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion Tino Sorge auf die Aussagen von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) los. Der Fakt, man habe durch Inventur festgestellt, dass zu wenig Impfstoff für die Booster-Kampagne zur Verfügung stehe, sei „ein durchsichtiges politisches Manöver“ für eine Kampagne gegen die Union.

„Karl Lauterbach ruft Feuer, um dann Feuerwehr zu spielen – obwohl er weiß, dass es gar nicht brennt“, heißt es in dem Schreiben an die Unionsabgeordneten im Bundestag, das auch von Journalisten über Twitter verbreitet wird. Bereits in der Bund-Länder-Konferenz Mitte November habe man die Entscheidung zur Beschleunigung der Impf-Kampagne getroffen und Maßnahmen wie die Erhöhung der Vergütung von impfenden Ärzten getroffen. „Seitdem werden in Deutschland so viele Menschen geimpft wie seit Beginn der Impfkampagne vor einem Jahr nicht“, schreibt Sorge weiter. Kein anderes Land der Welt impfe aktuell mehr Menschen als Deutschland. Dies sei allerdings kein Verdienst von Lauterbach, denn die Grundlage dafür sei schon vorher gelegt worden.

Lauterbach nach Impf-Inventur: „Wir haben einen Impfstoffmangel für das erste Quartal“

Update vom 15. Dezember, 10.14 Uhr: Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat zuletzt bestätigt, dass in Deutschland für die ersten vier Monate 2022 zu wenig Impfstoff vorhanden ist. „Wir haben einen Impfstoffmangel für das erste Quartal.“ (siehe vorheriges Update). Nun gibt es erste Zahlen, wie viele Impfdosen fehlen.

Wie der Business Insider berichtet, rechnet das Gesundheitsministerium mit einem Defizit von knapp 60 Millionen Impfdosen. So fehlen etwa 30 Millionen Dosen, um alle Zweitgeimpften zu boostern. Weitere 30 Millionen Dosen bräuchte es für die Erst- und Zweitimpfungen der (Noch-)Ungeimpften.

Pikant: Der Impfstoffmangel erreicht Deutschland in einer Zeit, in der entschieden über eine Impfpflicht diskutiert wird. Es liegt auf der Hand, dass es mehr Impfstoff braucht, sollte die Impfpflicht eingeführt werden. Schon bei der einrichtungsbezogenen Impfpflicht, die im März kommen soll, wird ein großer Ansturm auf Impfungen erwartet. Die Bundesregierung, deren Impf-Weihnachtsziel ebenfalls nicht reibungslos verläuft, steht vor Herausforderungen.

Zu wenig Corona-Impfstoff bestellt: Lauterbach schlägt nach Inventur Alarm - dann legt er im TV nach

Update vom 14. Dezember, 21.17 Uhr: Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat sich in den ARD-Tagesthemen zu Wort gemeldet und einen Medienbericht bestätigt: „Wir haben einen Impfstoffmangel für das erste Quartal“, sagte der SPD-Politiker am Dienstagabend.

Dies habe in einer vorgenommenen Impfstoff-Inventur viele überrascht. „Mich auch“, sagte Lauterbach. Der Minister arbeitet nach eigenen Worten bereits daran, den Mangel zu beseitigen. „Ich hoffe, dass ich da in den nächsten Tagen eine positive Botschaft übermitteln kann.“ Bemühungen liefen über alle Kanäle, auch direkt zu den Unternehmen, es müsse aber alles EU-konform sein. „Wir müssen hier Geschwindigkeit gewinnen.

Zu wenig Corona-Impfstoff: Lauterbach schlägt nach Inventur Alarm - „Situation ausgesprochen schwierig“

Erstmeldung vom 14. Dezember: Berlin - Deutschland drohen in Sachen Corona*-Impfkampagne offenbar große Probleme. Nach seiner Inventur im Gesundheitsministerium hat der neue Minister Karl Lauterbach nach Spiegel-Informationen die Gesundheitsminister der Länder über einen gravierenden Impfstoffmangel im kommenden Jahr informiert.

„Die Situation ist ausgesprochen schwierig“, wird Lauterbach zitiert. Er habe seinen Vorgänger Jens Spahn stets gelobt. Aber seine Inventur habe ergeben, dass man „einen erheblichen Impfstoffmangel im kommenden Jahr“ habe. Diese Informationen hat Lauterbach dem Bericht nach den Gesundheitsministern der Länder auf der heutigen Videokonferenz* gegeben.

Karl Lauterbach schlägt nach Impfstoff-Inventur Alarm - „viel zu wenig gekauft“

„Für das gesamte erste Quartal ist viel zu wenig Impfstoff gekauft worden. Die Mengen reichen nicht, um die Boosterimpfkampagne zu fahren“, wird der Gesundheitsminister* weiter zitiert. In dem „wichtigsten Monat“ der Booster-Kampagne fehle demnach der Impfstoff. Die Situation im Februar und im März sei allerdings auch nicht besser, heißt es weiter.

Laut Spiegel hat sich Lauterbach bereits am Freitag mit allen Fachabteilungen seines neuen Ministeriums sowie mit Bundeswehrgeneral Carsten Breuer getroffen, um sich einen Überblick über die vorrätigen Mengen an Impfstoff zu verschaffen. Es soll überprüft worden sein, welche Impfdosen wo gelagert werden und mit welchen Lieferungen man laut den vorliegenden Verträgen für das erste Quartal 2022 rechnen könne.

Booster-Impfstoff wird im Januar knapp - so wenige Dosen bekommt Deutschland geliefert

Das Ergebnis der Inventur: Für die letzten beiden Wochen des Jahres seien noch 2 Millionen Dosen von Biontech* vorrätig. Zu Beginn des neuen Jahres kämen noch einmal 1,2 Millionen dazu. Damit gehe die Zahl der Impfstoffdosen laut Spiegel allerdings „auf ein Sechstel im Vergleich zu vorher“ zurück.

Besser steht es demnach um den Moderna-Bestand. Dessen Hersteller könne je 10 Millionen Boosterdosen pro Woche ausliefern, heißt es im Bericht. Alle Hersteller zusammengenommen, hätte man in der dritten und vierten Woche insgesamt 3,6 Millionen Dosen für die Boosterimpfung. Die Teilnehmer der Gesundheitsminister-Videokonferenz sollen sich aufgrund dieser Zahlen erschrocken gezeigt haben. Schon im Vorfeld gab es Zweifel, ob die Impfversprechen von Bundeskanzler Olaf Scholz* eingehalten werden können.

Lauterbach versprach den Teilnehmern der Sitzung dem Bericht nach, dass er sich persönlich bei den Herstellern Biontech und Moderna sowie bei anderen Ländern um mehr Impfstoff bemühen werde. (rjs/jo) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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