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Halbes Hendl für die Impfung: SPD und Linke wälzen Ideen – Mehrheit will laut Umfrage etwas anderes

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Von: Franziska Schwarz

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Halbes Brathendl, Pommes Frites, Spanferkel mit Knödeln und eine kühle Maß in einem Biergarten in Bayern
Ein halbes Brathendl als Impf-Anreiz? Die Bayern-SPD erwägt‘s. © Imago

Kein Joint wie in New York, kein Freigetränk wie in Tel Aviv. Vielleicht Geld? Während das Spahn-Ministerium noch zögert, wurden schon 1001 Deutsche zum Thema befragt.

Berlin - Über die Bratwurst wird dieser Tage viel die Stirn gerunzelt, und das ausgerechnet in Deutschland. Der Teil der Bevölkerung, der sich bereits gegen Corona hat impfen lassen, fragt sich nämlich, warum der andere Teil sie als Anreiz zu diesem Schritt brauchen soll.

Hunderte Menschen waren es jedenfalls, die vor einer Woche im thüringischen Sonneberg plötzlich Impftermine wahrnahmen. Wegen einer Bratwurst. Ähnliche Erfolge meldete Aue-Bad Schlema in Sachsen mit solch einer Aktion. Und eine Studie ergab jetzt: 17 Prozent der Deutschen fänden so eine Impfprämie gut. Das berichtet die Bild an diesem Samstag und beruft sich dabei auf das Institut Insa.

Die Mehrheit der Befragten (70 Prozent) würde jedoch Supermarkt-Gutscheine als Belohnung fürs Impfen bevorzugen. 33 Prozent würden sich über Gratis-Tickets für Sport- und Kulturveranstaltungen freuen. Allerdings gilt das nur für jene, die materielle Anreize überhaupt befürworten. Das war in der Umfrage etwa ein Drittel der Befragten. 52 Prozent waren dagegen. Insa hatte sich unter 1001 Erwachsenen umgehört.

Ein Mann hält nach seiner Impfung gegen Corona in Aue-Bad Schlema in Sachsen eine Dankeschön-Bratwurst in der Hand.
Ein Mann hält nach seiner Impfung gegen Corona in Aue-Bad Schlema in Sachsen eine Dankeschön-Bratwurst in der Hand. © Hendrik Schmidt/dpa

Geld als Corona-Impfprämie? Spahn-Ministerium skeptisch

Am Dienstag (10. August) beraten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten. Impulse für die stagnierende Impfkampagne sind ein großes Thema. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch schlägt 50-Euro-Gutscheine vor – die aber ausdrücklich nicht über den Online-Handel eingelöst werden können sollen. „Das wäre ein Konjunkturpaket über drei bis vier Milliarden Euro für die Innenstädte, die stark unter Corona gelitten haben“, glaubt er.

Das Bundesgesundheitsministerium unter Jens Spahn (CDU) äußerte sich zurückhaltend zu Ideen für Geldprämien. „Hauptanreiz für eine Impfung sollte für alle sein, sich und andere zu schützen“, hieß es auf dpa-Anfrage. Weitere Anreize ergäben sich immer mehr im Alltag, etwa beim Reisen. „Entscheidend ist jetzt, niedrigschwellig Impfangebote zu machen.“

Impf-Prämien in Deutschland: Sachsen blickt nach Tschechien

Sachsen denkt bei dem Thema laut Innenminister Roland Wöller (CDU) über zusätzliche Urlaubstage für Beschäftigte im öffentlichen Dienst nach. Er greift damit einen Plan aus dem Nachbarland Tschechien auf. Die Idee sei „nicht schlecht“, sagte Wöller der Leipziger Volkszeitung vom Samstag. „Ich finde, wir sollten es probieren, wenn es möglich ist.“ „Es darf daher nicht sein, dass die Mehrheit unter der Minderheit der Impfunwilligen leidet“, fügt er hinzu.

Rustikaler sind die Einfälle aus Bayern. Bayerns SPD-Landeschefin Ronja Endres schlug vor, Impfaktionen flächendeckend „mit einer gratis Bratwurst, einem halben Hendl oder einem Eis zu versüßen, auf belebten Plätzen, vor Baumärkten oder Einkaufszentren“. Wenn ein kleiner Anreiz helfe, noch mehr Menschen zu erreichen, sei jeder Cent gut investiert - jetzt gehe es um pragmatische Lösungen, sagte sie.

Bayern-SPD zu Impf-Anreizen: Brathendl und „coole Musik“

„Erst hat man zu lange gebraucht, um niedrigschwellige Impfangebote aufzulegen. Jetzt zeigen uns andere Bundesländer, was eine Gratis-Bratwurst zum Piks für die Nachfrage bedeuten kann“, teilte Endres in Richtung des Kabinetts von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) aus.

Dabei nahm Endes vor allem die Unter-18-Jährigen in den Blick. „Warum nicht bayernweit Veranstaltungen mit populären DJs oder anderen Künstlern aufsetzen, wo man sich nebenbei zu cooler Musik impfen lassen kann?“, argumentierte sie. Das würde zusätzlich „der gebeutelten Kino- und Gastrobranche ein kleines Plus verschaffen.“ Die Staatsregierung müsse dafür Konzepte und Gelder bereitstellen. Handfester geht ein Unternehmer aus dem Allgäu vor: Es verteilte satte Impf-Prämien an seine Mitarbeiter - angeblich ohne dadurch Mehrkosten zu erleiden. (dpa/AFP/frs)

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