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Nach der Impfung ist vor der Impfung - Lindner setzt für künftige Booster schon hohe Ziele

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Von: Marc Beyer

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Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD, r.) unterhält sich bei seiner Ankunft zur wöchentlichen Kabinettssitzung im Kanzleramt mit Justizminister Marco Buschmann (M.) und Finanzminister Christian Lindner (beide FDP) (Archivbild).
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD, r.) unterhält sich bei seiner Ankunft zur wöchentlichen Kabinettssitzung im Kanzleramt mit Justizminister Marco Buschmann (M.) und Finanzminister Christian Lindner (beide FDP) (Archivbild). © Michael Sohn/dpa

Noch ruhen die Hoffnungen in der Corona-Politik auf der Booster-Kampagne. Der Bundesgesundheitsminister rechnet angesichts Omikron bereits mit einer notwendigen vierten Impfung.

München – Ein offizieller Titel wird in dieser Disziplin nicht vergeben, deshalb nimmt Christian Lindner das Wort Europameister nicht in den Mund. Doch eine gewisse Genugtuung kann der FDP-Chef nicht verhehlen, wenn es darum geht, wie viele Menschen in Deutschland bereits ihre dritte Corona-Impfung erhalten haben. „Die erfolgreichste Booster-Kampagne in Europa“ habe die viel gescholtene deutsche Politik hingelegt, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung. Das Ziel von 30 Millionen Injektionen bis Ende Dezember ist fast erreicht, die nächsten 30 sollen im Januar folgen.

Das ist anspruchsvoll, aber nicht utopisch. Ob es damit allerdings getan sein wird, ist eine ganz andere Frage. Die Blicke der Verantwortlichen richten sich bereits in die Zukunft. Am Mittwochabend sprach Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) erstmals offen von einer vierten Impfung, auf die sich die Menschen einstellen müssten. Es sei zu befürchten, dass der bisherige Booster-Schutz angesichts der Omikron-Variante „nicht allzu dauerhaft“ sein werde.

Corona-Impfung: Hersteller arbeiten längst an angepassten Vakzinen

Der Bund hat bereits 80 Millionen Impfdosen, die derzeit an die Variante angepasst werden, bei Biontech bestellt. Ähnlich wolle man bei Moderna verfahren, sagt Lauterbach. Ab April, spätestens Mai rechnet er mit dem Serum. Für viele Millionen Menschen, die bereits im Herbst geboostert wurden, steht dann folgerichtig die vierte Spritze an. Ähnlich wird es bei denen sein, die gerade erst eine Auffrischung erhalten (haben). Erfahrungsgemäß nimmt nach einigen Monaten die Wirksamkeit deutlich ab.

Die Notwendigkeit, den Impfstoff an Varianten anpassen zu müssen, war den Herstellern von Anfang an bewusst. Vor allem die Produzenten der mRNA-Vakzine, Biontech und Moderna, werben damit, dass eine Optimierung bei dieser Technologie unkompliziert möglich ist. Biontech-Gründer Ugur Sahin verweist auf Studien, die belegen, „dass Varianten-Impfstoffe gleich gut vertragen werden und ähnliche Symptome zeigen wie das Original-Vakzin gegen den Wildtyp“. In den Verträgen mit der EU verpflichtet sich das Unternehmen, das Vakzin bei Bedarf innerhalb von 100 Tagen anzupassen.

Ähnlich sieht es bei Moderna aus. Gerald Wiegand, der Deutschland-Chef des US-Konzerns, spricht von „multivalenten Kandidaten, die schon auf frühere Varianten wie Beta oder Delta optimiert wurden und die bereits in der klinischen Prüfung sind“. Beide Konzerne verweisen jedoch auf eine noch überschaubare Datenlage zu Omikron, die Prognosen erschwere. Wiegand ergänzt, bereits eine Booster-Impfung mit dem aktuellen Moderna-Präparat könne den Antikörperspiegel gegen Omikron um das bis zu 83-Fache steigern: „Das ist ein scharfes Schwert.“

Corona-Impfung: Beschleunigte Zulassung für angepasste Vakzine der Hersteller

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) würde ein angepasstes Vakzin eines Herstellers, der bereits über eine Zulassung verfügt, beschleunigt behandeln. Eine klinische Testreihe über die Wirksamkeit mit einer geringen Zahl von Probanden sei ausreichend, heißt es. Das gilt auch für alle künftigen Präparate, denn aktuell ist nicht mal sicher, ob es bei einer vierten Impfung bleiben würde. Bei vielen Infektionskrankheiten sei Boostern schließlich „ein übliches Herangehen“, sagt Modernas Deutschland-Chef Wiegand.

Auf die Gesundheitspolitik könnten damit noch ganz andere Herausforderungen zukommen. FDP-Chef Lindner regt an, man solle mittelfristig in der Lage sein, „bei Bedarf innerhalb eines Monats die gesamte Bevölkerung boostern zu können“. Das wäre dann tatsächlich eine Meisterleistung.

Vor wenigen Wochen sprach Ethikerin Sigrid Graumann mit uns über die angespannte Lage auf den Intensivstationen und die Flucht aus Pflegeberufen. Ungeimpfte möchte sie nicht stigmatisieren.

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