Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister, spricht während einer Pressekonferenz in einem Impfzentrum. (Archiv)
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Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU): Wie lange hat die Impfreihenfolge im Kampf gegen Corona noch Bestand?

Flexibler gegen Corona?

Impf-Priorisierung beim Hausarzt: Privat-Patienten zuerst? ZDF-Moderatorin fragt Spahn direkt

  • Cindy Boden
    vonCindy Boden
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Es soll schnell gegen Corona geimpft werden, aber nach einer vorgegeben Reihenfolge. Sobald Hausärzte impfen, könnte das schwieriger werden.

München/Berlin - Die Corona-Impfung beim Hausarzt könnte der Durchbruch für das Impftempo in Deutschland werden, doch noch herrscht bei vielen Ernüchterung. Denn einen fixen Starttermin gibt es noch nicht, statt Anfang April deutet jetzt alles auf Mitte April hin. Hintergrund scheint ein altbekanntes Problem: zu wenig Impfstoff.

Einer Empfehlung der Gesundheitsminister von Bund und Ländern zufolge ist das Ziel, frühestmöglich, jedoch spätestens in der Woche vom 19. April, mit den Impfungen in Hausarztpraxen zu starten. Das beschlossen die Minister nach Beratungen am Mittwoch. Dafür brauche es aber auch eine gewisse wöchentliche Mindestmenge an Impfstoff, hieß es im Bundesgesundheitsministerium.

Denn derzeit fahren Impfwillige zumeist in die Impfzentren der Länder, um sich ihre Schutzdosis abzuholen. Der Wunsch der Länder sei es, diese Impfzentren auch weiter wie bisher auszulasten. Solange die Impfstoffmenge aber noch gering ist, bliebe dann für die Praxen nicht genug übrig, weshalb sie wohl erst Mitte April starten können. Über den genauen Starttermin sollen nun Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder entscheiden - „zeitnah“, noch vor dem nächsten Corona-Gipfel am 22. März, wie Regierungssprecher Steffen Seibert ankündigte.

Corona-Impfung beim Hausarzt: „Frühestmöglich“ soll Impfstoff an Praxen gehen

Dem Beschluss der Gesundheitsminister zufolge sollen die Impfzentren im April pro Woche mit 2,25 Millionen Dosen beliefert werden. Darüber hinaus verfügbare Impfstoffe sollen demnach „frühestmöglich“ an Praxen gehen. Länder können bis 19. März beim Bund erklären, dass sie im April noch nicht an der Impfung in Praxen teilnehmen wollen. Für Impfungen dort sollen als Grundlage ebenfalls die generellen Priorisierungen gelten. Im April seien Praxen aufgefordert, schwerpunktmäßig nicht-mobile Patienten zu Hause und Menschen mit Vorerkrankungen zu impfen. Mittlerweile hat auch die Priorisierungsgruppe 3 „grünes Licht“ erhalten.

Inwiefern die Impfreihenfolge - die die Ständige Impfkommission empfiehlt - bei den Hausärzten wirklich eingehalten werden kann, bleibt abzuwarten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte am Mittwoch im ZDF-“Morgenmagazin“, „grundsätzlich“ sei es jetzt noch wichtig, die Priorisierung beizubehalten. Denn es zeigten sich Erfolge in den Corona-Zahlen, wenn die Älteren und besonders Verwundbaren zuerst geimpft werden. Zwar werde es im April nicht gleich 20 Millionen Impfdosen pro Monat oder 10 Millionen in der Woche geben, ordnete Spahn ein, aber deutlich mehr Impfungen sind angekündigt. Bei den Ärzten werde man dann schon flexibler priorisieren können, „die Ärztinnen und Ärzte kennen ja ihre Patienten und wissen, wer zuerst zu impfen ist“, so Spahn.

Bleibt die Impfreihenfolge erhalten, wenn Hausärzte impfen? Flexibilität erwünscht

Doch Moderatorin Dunja Hayali hakt beim Gesundheitsminister noch einmal genau nach. Die Impfreihenfolge bleibe, also: „Es ist nicht der Privatpatient, es ist nicht, wer zuerst kommt, malt zuerst, nicht wer den besseren Draht zum Arzt hat. Ja oder nein?“ Während sie ihre Frage formulierte, bestätigendes Nicken von Spahn, dann aber eine ausweichende Antwort: „Ich habe ein sehr hohes Vertrauen in die Ärztinnen und Ärzte, dass sie zuerst diejenigen Patienten impfen wollen, die auch am meisten gefährdet sind.“

Der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, hatte die Verzögerung beim Start der Corona-Impfungen in den Hausarztpraxen kritisiert. „Wir sind nicht nur bereit, wir scharren seit Wochen ungeduldig mit den Hufen“, sagte er im Deutschlandfunk. „Ich kann nicht verstehen, dass man sozusagen das Volk im Lockdown hält, anstatt zu impfen, um irgendwelche Impfzentren weiter zu bedienen“, sagte er.

Lauterbach zu Impf-Priorisierung: Arztpraxen werden darauf achten, dass Reihenfolge eingehalten wird

Bundesseniorenministerin Franziska Giffey (SPD) warnte in der Augsburger Allgemeinen vor einer Aufweichung der Prioritätenlisten für die Corona-Impfungen zu Lasten von älteren Menschen und weiteren Risikogruppen. „Ältere Menschen müssen bei der Impfung ganz besonders im Blick bleiben, weil sie die am stärksten gefährdete Gruppe sind – so sieht es auch die Impfverordnung vor“, betonte sie.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach begrüßte die Einbindung der Arztpraxen in die Impfstrategie, dämpfte zugleich aber die Erwartung an ein höheres Impftempo. „Es ist richtig, die Hausärzte in die Impfstrategie einzubinden, auch wenn sich dadurch das Impftempo wegen des Mangels an Dosen bis Ende April noch nicht wesentlich erhöhen lässt“, sagte er der Rheinischen Post. „Natürlich wird auch in den Arztpraxen streng darauf geachtet werden, dass die Impfreihenfolge eingehalten wird, daran habe ich nie gezweifelt“, sagte Lauterbach weiter. (cibo/dpa)

Rund um die Corona-Krise stehen Wissenschaftler immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit. Im Merkur.de-Interview wehrt sich Virologe Hendrik Streeck unter anderem gegen Kritik an Corona-Vorhersagen und spricht über die verkürzte Darstellung von Aussagen in Medien.

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