Entgegen Stiko-Empfehlung

Gesundheitsminister planen wohl mehr Impfangebote für Kinder - Ältere auch bald wieder dran

  • Cindy Boden
    VonCindy Boden
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Am Montag beraten die Gesundheitsminister über die weitere Impfstrategie. Ein Beschlusspapier zeigt: Es wird viel um Kinder und Jugendliche sowie Hochbetagte gehen.

Berlin - Deutschland kämpft beim Impfen gegen das Coronavirus an mehreren Fronten: Manche wollen sich nicht impfen lassen. Andere wollen, aber können noch nicht. Wieder andere sind längst geimpft und sind bald schon wieder dran. Die Politik hat also alle Hände voll zu tun. Bevor am 10. August wieder die Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammenkommen, tagt am Montag (2. August) schon ein anderes Gremium: die Konferenz der Gesundheitsminister von Bund und Länder. Eine Beschlussvorlage ist bereits durchgesickert, aus der mehrere Medien zitieren.

Konferenz der Gesundheitsminister am Montag: Impfungen für Kinder und Jugendliche ab 12

Darin geht es zum einen um Impfungen für Kinder und Jugendlichen ab 12 Jahren. Für diese Altersgruppe sind die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna bereits zugelassen, doch die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland hat noch keine generelle Empfehlung herausgegeben, sondern nur für Risikogruppen. Seit Wochen gibt es daran Kritik von verschiedenen Seiten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) twitterte am Samstag: „Auch 900.000 der 12- bis 17-Jährigen sind geimpft, jeder 5. dieser Gruppe hat eine Erstimpfung erhalten. Es ist genug Impfstoff für alle Altersgruppen da: Wer will, kann sich impfen lassen.“

Es soll also alles schneller gehen. Die Gesundheitsminister wollen den Berichten zufolge, dass in den Impfzentren ab sofort für 12- bis 17-Jährige Impfungen angeboten werden, wie etwa die FAZ oder ARD berichten. Die ärztliche Aufklärung und das Einverständnis der Sorgeberechtigten würden sichergestellt. Impfungen zum Beispiel bei Haus-, Kinder- oder Betriebsärzten seien auch denkbar. Laut Nachrichtenagentur dpa kommt der Vorschlag vom Bundesgesundheitsministeriums. Bei dem Papier handle es sich noch um einen Entwurf für die morgige Sitzung.

Und auch für junge Erwachsene sollen weitere Anreize geschaffen werden: Die Länder sollen an Universitäten, Berufsschulen und Schulen strukturierte, niedrigschwellige Angebote schaffen. „Das kann maßgeblich zu einem sichereren Start in den Lehr- und Lernbetrieb nach den Sommerferien beitragen“, heißt es in der Beschlussvorlage laut FAZ.

Will nicht länger warten: Jens Spahn plädiert für Impfungen von Kindern - trotz nicht vorhandener Stiko-Empfehlung.

Corona in Deutschland: Auffrischungsimpfungen stehen an - Pläne liegen auf dem Tisch

Ein weiteres Vorhaben der Minister betrifft diejenigen, die ihre Impfungen schon vor einigen Monaten erhalten haben. „Die Länder bieten im Sinne einer gesundheitlichen Vorsorge ab September 2021 mit mobilen Teams in Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen der Eingliederungshilfe und weiteren Einrichtungen mit vulnerablen Gruppen eine Auffrischimpfung an“, heißt es in der Vorlage, wie die Nachrichtenagentur AFP schreibt. Damit sollen Menschen, deren Zweitimpfung schon mindestens fünf Monate zurückliegt, nun eine dritte Impfung, eine sogenannte Booster-Impfung bekommen. Betroffene Personen, die außerhalb der genannten Einrichtungen leben, sollen über ihre Haus- und Fachärzte geimpft werden können.

Konkret genannt für die Maßnahme ab kommenden Monat werden alle Hochbetagten sowie Menschen mit Immunschwäche und Pflegebedürftige. Geplant ist demnach, nur die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna anzubieten, unabhängig davon, welcher Impfstoff zuvor verwendet wurde. Begründet wird der Schritt laut AFP mit Studien, die auf ein allmähliches Nachlassen des Infektionssschutzes auch bei vollständig Geimpften hinweisen - gerade in den Risikogruppen.

Bayern rüstet sich für den Herbst: „Organisation und Ausrichtung der Impfzentren wird angepasst“

Bayern sorgt für Auffrischungsimpfungen im Herbst auch schon vor: „Schon allein aus präventiven Gesichtspunkten dürfte eine Auffrischungsimpfung sinnvoll sein. Daher hat Bayern bereits seine Corona-Impfstrategie auf die neuen Herausforderungen ausgerichtet. Die Organisation und Ausrichtung der Impfzentren wird angepasst“, sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Sonntag auf Anfrage der dpa. „Mit unseren mobilen Teams werden wir auch die besonders schutzbedürftigen Personen in Einrichtungen impfen können.“ (cibo)

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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