Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern und CSU-Vorsitzender, kommt vor Beginn der Sommerklausur der CSU im Bundestag zum Kloster Seeon.
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Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern und CSU-Vorsitzender, kommt vor Beginn der Sommerklausur der CSU im Bundestag zum Kloster Seeon.

„Ehrenamtliche Organisation“

Corona-Impfung ab 12: Söder schießt nun sogar gegen Stiko – Sorge vor nächstem Schul-Chaos?

  • Anna-Katharina Ahnefeld
    VonAnna-Katharina Ahnefeld
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Corona-Impfung ab 12 Jahren: Ein spannungsgeladenes Thema zwischen Wissenschaft und Politik. Markus Söder erhöht den Druck auf die Stiko.

München – Zurückhaltendes Expertengremium gegen drängende Forderungen aus der Politik: In einem Interview mit dem BR-Politikmagazin „Kontrovers“ hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Ständige Impfkommission (Stiko) kritisiert - und sogar indirekt deren Kompetenz in Zweifel gezogen.

Hintergrund ist der schwelende Konflikt um Corona-Impfungen für Kinder ab zwölf Jahren. Die Stiko hat dafür bislang keine Empfehlung herausgegeben, da sie nach eigenen Angaben noch keine ausreichende Datenlage hat. Doch Söder sieht die Ständige Impfkommission in der Pflicht – und zieht einen vielsagenden Vergleich zur Europäischen Zulassungsbehörde.

Söder gegen Stiko beim Thema Impfungen: „Die EMA, das sind die Profis“

„Wir schätzen die Stiko, aber das ist eine ehrenamtliche Organisation. Die EMA – die Europäische Zulassungsbehörde - das sind die Profis. Die haben entschieden: Ja, der Impfstoff ist zugelassen“, äußerte sich Söder. Die bisherige Zurückhaltung der Stiko verunsichere die Menschen nur zusätzlich, rügte er.

Ob Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ein Impfangebot erhalten sollen, hat sich zu einem strittigen Thema zwischen Wissenschaft und Politik entwickelt. Die Unklarheit bringt auch viele Eltern gefühlt in Bedrängnis. Die Stiko empfiehlt Impfungen nur für 12- bis 17-Jährige mit bestimmten Vorerkrankungen. Unabhängig davon sind Impfungen aber als individuelle Entscheidung von Eltern mit ihren Kindern und den Ärztinnen und Ärzten möglich. Söder will daher eine zügige Entscheidung.

Corona-Impfungen für Kinder: Markus Söder schießt gegen Stiko - sieht aber keinen „Druck“

„Der Unterschied zu Gastronomie, zu Handel ist: Dort muss ich nicht hinein, es gibt keine Verpflichtung. In der Schule gibt es die Schulpflicht. Und deswegen müssen wir alles tun, um die Schule zu ermöglichen“, sagte Söder bei „Kontrovers“. Man dürfe nicht abwarten, bis die Corona-Infektionszahlen nach dem Urlaub wieder in die Höhe steigen. Ziel sei ein tatsächlich stattfindendes Schuljahr. Das bedeute: in „größerer Form impfen“.

Söder relativierte allerdings auch: Mit der Ausübung von Druck auf die Wissenschaft habe die Forderung an die Stiko nichts zu tun. Vielmehr sehe er ein anderes ernsthaftes Problem: „Wir wären - wenn wir das Impftempo von Juni fortsetzen würden - in 90 Tagen durch, alle bis über zwölf zu impfen in Bayern. Weil dann hätten wir die Herdenimmunität erreicht und dann könnten wir in den Herbst beziehungsweise Winter doch relativ unbeschwert gehen. Fakt ist, dass das nicht stattfindet.“

Ein weiterer Aspekt: Das Schuljahr beginnt nicht nur in Bayern kurz vor dem Termin der Bundestagswahl - erneutes Chaos um Präsenz-, Wechsel- und Heimunterricht könnte im Wahlkampf zur Hypothek werden. Gesundheitsminister Jens Spahn hatte zuletzt bereits für eine vorsichtige Äußerung in der Angelegenheit massiven Gegenwind erhalten. (aka/fn)

Lesen Sie auch: Die CSU-Klausur in Seeon muss auf ihren prominenten Gast verzichten: Armin Laschet hat die Teilnahme abgesagt. Zuvor hat er noch im Steuer-Streit Kontra gegeben.

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