Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands (Montage)
+
Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands

Aus für Impf-Priorisierung?

Streit um Corona-Impfung: Hausärzte-Chef nennt Spekulationen „vollkommen abwegig“ - und fordert Spielraum

  • Cindy Boden
    vonCindy Boden
    schließen

Wer wird beim Hausarzt zuerst geimpft? Der Chef des Hausärzteverbandes erklärt auf Anfrage von Merkur.de die Leitlinien - fordert aber auch „Flexibilität“.

Berlin - Kurzer Termin beim Hausarzt, schnell gegen Corona impfen lassen, fertig. Zügig, reibungslos, einfach: Solch ein Impf-System wünschen sich viele in Deutschland. Doch erst einmal bleibt die Diskussion: Wann können niedergelassene Ärzte mit den Corona-Impfungen beginnen? Ist genügend Impfstoff für alle Stellen da? Wie wird alles organisiert?

Viele offene Fragen. Stand 12. März wird es wohl erst ab Mitte April in größerem Umfang Impfungen in Arztpraxen geben - das stößt auf Kritik. Hintergrund ist, dass die Mengen der verfügbaren Impfstoffe noch nicht ausreichen, weil regionale Impfzentren der Länder weiter mit verfügbaren Dosen wie bisher ausgestattet werden sollen - so zumindest der Länderwunsch. Die Gesundheitsminister von Bund und Länder gaben eine Empfehlung heraus, nach der „frühestmöglich“ in Praxen geimpft werden soll, aber spätestens in der Woche vom 19. April, wenn es die Liefermengen zulassen.

Impfen beim Hausarzt: Wird die Impfreihenfolge dann nicht mehr eingehalten? „Vollkommen abwegig“

Doch die Probleme reichen noch weiter. Ein heikler Punkt: Kann die Impf-Priorität dann noch eingehalten werden? Der Deutsche Hausärzteverband hat dazu eine klare Position. „Woher plötzlich das Gerücht kommt, dass Hausärztinnen und Hausärzte eine Reihenfolge nach dem Prinzip, die Schwächsten zuerst, nicht einhalten würden, ist mir schleierhaft“, erklärte der Bundesvorsitzende Ulrich Weigeldt auf Anfrage von Merkur.de.

Corona-Impfung: Ab wann dürfen die Hausärzte routinemäßig impfen?

„Das ist doch vollkommen abwegig und unsere Patientinnen und Patienten wissen das auch! Die Priorisierung wird uns Ärztinnen und Ärzten eine Leitlinie sein, solange der Impfstoff nur in gewissen Mengen vorhanden ist. Aber eine gewisse Flexibilität ist dennoch sinnvoll.“ Einordnend fragt Weigeldt: „Unsere Gesundheit hält sich ja auch nicht starr an Altersgrenzen – oder sollte der chronisch erkrankte 69-Jährige wirklich um jeden Preis später geimpft werden als die 72-jährige Sportskanone?“

Organisation der Impftermine beim Hausarzt: „Jahrelange Erfahrung“

Im ZDF-“Morgenmagazin“ hatte Moderatorin Dunja Hayali auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dazu direkt gefragt, ob Privatpatienten oder Personen mit guten Draht dann nicht möglicherweise bevorzugt werden. Der Minister äußerte Vertrauen in die Ärzte. Auch Bundesseniorenministerin Franziska Giffey (SPD) warnte vor einer Aufweichung der Prioritätenliste - ältere Menschen müssten ganz besonders in den Blick genommen werden, weil sie die am stärksten gefährdete Gruppe seien.

In einer Pressekonferenz am Freitag sagte Spahn zudem, auch in den Arztpraxen könne nicht gleich auf Priorisierungen bei der Reihenfolge von Impfungen verzichtet werden. Mit wachsender Impfstoffmenge könnten Übergänge aber zusehends fließend gestaltet werden.

Sobald die Hausärzte routinemäßig loslegen können, kommt auf sie jedenfalls ein hoher Organisationsaufwand zu. Aber Weigeldt sieht die Praxen gewappnet: „Die Hausärztinnen und Hausärzte wie auch ihre Praxisteams haben jahrelange Erfahrung mit Impfungen im großen Stil. Und auch Impfstoffknappheit ist uns nicht ganz neu – ist ja nicht so, als würden die Lieferungen des Grippeimpfstoffes jedes Jahr problemlos ablaufen. Jede Hausarztpraxis hat da ihr eigenes System und dabei soll es auch bleiben. Früher oder später ist auch das nur eine Impfung von vielen!“

Corona-Impfung beim Hausarzt: Merkel und Ministerpräsidenten beraten am 17. März

Bis es soweit ist, muss es aber erst einmal einen konkreten Starttermin geben. Für die Entscheidung wollen sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten am 17. März zusammenfinden. Am kommenden Mittwoch wollen sie sich ab 19 Uhr über aktuelle Impffragen abstimmen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen.

Entscheidend wird auch sein, wie es tatsächlich mit den Impfzentren weitergeht. Weigeldt forderte in der Augsburger Allgemeinen, die Impfungen in den Impfzentren auslaufen zu lassen und schnellstmöglich den Arztpraxen zu übertragen. „Man mag die jetzt dort noch gebuchten Impftermine ja abarbeiten, aber parallel dazu muss das Feld der Impfungen endlich den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten überlassen werden.“ Die Praxen könnten sofort loslegen. (cibo)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare