Maybrit Illner führt durch die Sendung
+
Maybrit Illner führt durch die Sendung

Zu wenig Impfstoff in Deutschland

SPD-Ministerpräsidentin kritisiert bei „maybrit illner“ die Bundesregierung: „Bin total enttäuscht!“ 

Beim „maybrit illner“-Talk ging es hart zur Sache. Die Bundesregierung wurde scharf kritisiert. Kanzleramtschef Helge Braun verteidigte den hingegen den Kurs.

  • Thema des „maybrit illner“-Talks am 21. Januar im ZDF: „Impfen, Masken, Mutationen – droht der Endlos-Shutdown?“
  • Ministerpräsidentin Manuela Schwesig kritisiert Bundesregierung und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen.
  • Schock-Nachrichten aus London zur neuen Virus-Variante B117 - bereits 85 Prozent aller britischen Corona-Infizierten sind davon betroffen.

Berlin - Bereits in der Anmoderation macht Moderatorin Maybrit Illner im ZDF deutlich: Dieser Talk geht nicht auf Kuschelkurs. In der Schusslinie steht Kanzleramtschef Helge Braun, der den Kurs der Regierung rechtfertigen muss. Der lässt sich bis zum Ende der Sendung - zumindest äußerlich - nicht aus der Ruhe bringen. Der Minister wiederholt beeindruckend gefasst die bekannten Argumente - ohne wirklich zu überzeugen.

„maybrit illner“ - diese Gäste diskutierten mit:

  • Helge Braun (CDU) - Kanzleramtsminister
  • Manuela Schwesig (SPD) - Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, zugeschaltet
  • Prof. Dr. Melanie Brinkmann - Infektionsbiologin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung und der Technischen Universität Braunschweig, zugeschaltet
  • Prof. Dr. Christiane Woopen - Vorsitzende des Europäischen Ethikrates
  • Sascha Lobo - „Spiegel“-Kolumnist, Autor, Digitalisierungs-Experte
  • Diana Zimmermann - Leiterin des ZDF-Studios London, zugeschaltet

Sascha Lobo bei „maybrit illner“: Die Regierung verunsichert die Bevölkerung

Zum ersten Schlagabtausch geht das Wort an Spiegel-Kolumnist und Digital-Aktivisten Sascha Lobo. Er kritisiert vor allem die Kommunikationsstrategie der Bundesregierung: „Ich sehe eine große Verunsicherung und inzwischen auch eine große Wut - und das auch völlig zurecht.“. Ihm missfällt: Zu viel schlechte oder gar keine Kommunikationen bei denen, die das Leben der Menschen maßgeblich verändern würden. Für viele, so Lobo, seien weder die Lage noch die Maßnahmen nachvollziehbar. Die Homeoffice-Strategie der Bundesregierung bezeichnet er als realitätsfern.

Auch Ministerpräsidenten Manuela Schwesig nimmt kein Blatt vor dem Mund, als sie Koalitionspartner und EU-Kommission scharf attackiert: „Also ich bin total enttäuscht, was da gelaufen ist“, so die SPD-Frau. „Und ich finde, da sollte man auch nicht um den heißen Brei herumreden“. Sie würde sich wünschen, dass „Frau von der Leyen, Frau Merkel und Herr Spahn sagen, das ist schlecht gelaufen“.

Schwesig schießt scharf gegen Bundesregierung und EU-Kommission: „Es wurde gezockt!“

Braun scheint auf verlorenem Posten als er beschwichtigt: „Das war uns von Anfang an klar, dass wir am Anfang noch nicht so viel Impfstoff haben werden“. Und versucht es mit einem positiven Ausblick auf die Zulassung weiterer Impfstoffe: „Die Geschichte entwickelt sich eigentlich sehr günstig für uns“ und gibt sechs, acht Wochen als Ziel an.

Schwesig lässt das nicht gelten. Die Aussicht auf den Impfstoff sei das Argument gewesen, bis dahin harte Maßnahmen in Kauf zu nehmen, erklärt die Ministerin. Doch dann habe die EU nicht 100 Prozent auf den Impfstoff gesetzt, sondern „abgewartet und gezockt“ und „einsparen wollen“. Schwesig sichtlich erschüttert: „Ganz ehrlich - ich wäre nicht darauf gekommen, dass sich die Europäische Union so was leistet.“

Auch Lobo geht inhaltlich an die Decke: „Ich bin es ja gewohnt, dass die Politik sich selbst lobt, aber in diesem Ausmaß finde ich das eine Frechheit!“. Und fasst zusammen: „Die USA kaufen diesen Impfstoff im Juli. Die EU im November!“

Schlechte Nachrichten aus London: B117 aktuell bei 85 Prozent aller Corona-Infizierten nachgewiesen

Noch mehr schlechte Nachrichten verkündet ZDF-Reporterin Diana Zimmermann, zugeschaltet aus London, als sie aufzeigt, in welch rasanten Tempo sich die mutierte Virusvariante B117 seit Ende Oktober auf der Insel ausbreitet. Nach bloß drei Monaten seien aktuell bereits 85 Prozent aller britischen Infizierten von B117 betroffen.

Virologen Melanie Brinkmann heizt die Sorge weiter an: „Man könnte fast sagen, dass wir es mit einem neuen Virus zu tun haben. Was im Umkehrschluss heißen würde, dass die bisherigen Maßnahmen noch nicht einmal ausreichen würden!“. Auch ist noch offen, inwieweit der aktuelle Impfstoff gegen die Mutationen vollends wirksam sei.

Ein wenig ratlos ließ den Zuschauer vor diesem Hintergrund Brinkmanns Vorschlag zurück, zukünftig eine „Zero Covid“-Strategie zu fahren. Null Fälle anzuvisieren klinge zwar hart, doch das Ziel sei so für die Bevölkerung nachvollziehbarer.

Fazit des „maybrit illner“-Talks

Der Kessel ist geplatzt. Die Durchhalte-Parolen wirken erschöpft. Die EU-Kommission hat Corona nicht als Bewährungsprobe genutzt, sondern - so scheint es derzeit - in Teilen versagt. Im Talk wurde ein deprimierendes Zwischenergebnis präsentiert. Der Verdacht, dass mit Corona auch Wahlkampf und Parteipolitik betrieben wird, waberte im Raum. Der Talk vermittelte eine Ahnung davon, was passieren könnte, wenn die Wut sich weiter fortsetzt.

Auch interessant

Kommentare