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Ist Deutschland ausreichend auf die Corona-Impfungen vorbereitet? Lindner sagt Nein! „Noch einiges zu tun“

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Von: Cindy Boden

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Christian Lindner, Fraktions- und Parteivorsitzender der FDP, spricht im Bundestag und gestikuliert.
Christian Lindner, Fraktions- und Parteivorsitzender der FDP, spricht im Bundestag. © Christoph Soeder/dpa

Christian Lindner (FDP) sieht Verbesserungsbedarf, was die Strategie rund ums Impfen gegen Corona angeht. Dass es anfangs holprig werden könnte, weiß aber auch Gesundheitsminister Spahn.

Berlin - Das große Warten auf den 27. Dezember. Dann sollen die Impfungen in Deutschland beginnen. Doch wird alles gelingen? Wie groß sind die Startschwierigkeiten? Ist Deutschland gut auf die Massenimpfung gegen das Coronavirus vorbereitet?

Einer sieht schon mal Verbesserungsbedarf: FDP-Chef Christian Lindner. Ganz wie es sich als Oppositionsmann gehört, sagte er der Deutschen Presse-Agentur: „Wir sind nicht ausreichend vorbereitet auf das Impfen.“ Die FDP hätte sich eine klare gesetzliche Grundlage dafür gewünscht, weil so wichtige Fragen von Leben und Tod auf breitester Grundlage beschlossen werden sollten.

Zuerst soll vor allem in Impfzentren und durch mobile Impfteams geimpft werden. Aber da will Lindner schnell weiterkommen: „Bei der Frage der Logistik sollten wir baldmöglichst über die Impfzentren hinaus auch den niedergelassenen medizinischen Bereich nutzen, damit wir schnell vorankommen beim Durchimpfen.“ Doch dafür ist eine wichtige Voraussetzung, dass es hinreichend viele Impfdosen gibt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe Zusagen gemacht. Aber: „Da ist noch einiges zu tun, damit das praktisch auch gewährleistet werden kann.“

Corona-Impfung: Christian Lindner sieht Verbesserungsbedarf - Risikogruppen schützen

Seit vielen, vielen Wochen pocht Lindner auf eine langfristige Strategie bei der Virusbekämpfung. Bisher sind laut dem FDP-Politiker viele nicht wirksame Maßnahmen ergriffen worden, um Risikogruppen wie ältere Menschen zu schützen. „Das muss man ganz klar so ansprechen als ein schweres Versäumnis des gesamtstaatlichen Krisenmanagements. Das ist sehenden Auges geschehen.“

Lindners Vorstellung nach dem derzeitigen Lockdown, um die Corona-Zahlen in Deutschland wieder zu senken: „Nach dieser Notbremse muss eine neue Strategie etabliert werden, die in Verbindung mit einer verbesserten Corona-Warn-App in der Breite Gesundheitsschutz mit Freiheit besser ausbalanciert, die regional konsequenter handelt als bisher und auf der anderen Seite einen ganz wirksamen Schutz der vulnerablen Gruppen organisiert.“ Für die App wünscht er sich idealerweise eine bundesweit einheitliche Risikoeinschätzung, welche Maßnahmen bei welcher Situation vor Ort eingeleitet werden. „Dann kann man jeden Morgen auf seine Corona-Warn-App schauen, bekommt ein Dashboard mit den regionalen Zahlen und automatisiert könnte man in der App dann auch sagen, was ab jetzt erlaubt ist oder nicht erlaubt ist, wenn eine bestimmte Infektionsschwelle übertreten ist.“

Video: Corona-Impfung - Diese Fragen werden einem im Impfzentrum gestellt

Dass nicht gleich am 27. Dezember alles glattgehen wird, weiß auch Spahn selbst. „Es wird am Anfang ruckeln“, sagte er am Samstag bei einer Pressekonferenz. Er appellierte an die jungen Menschen, den Risikogruppen und dem Kranken- und Pflegepersonal den Vortritt zu lassen. Und er versicherte: Im nächsten Jahr werde genügend Impfmittel verfügbar sein.

Das bedeutet aber bekanntlich auch, dass der Impfstoff mit dem Eintreffen in Deutschland nicht sofort die Wunderwaffe gegen Corona ist. Das Ziel einiger, 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung zu impfen, ist nicht innerhalb eines Monats geschafft. Außerdem müssen Mutationen des Virus weiter im Auge behalten werden.

Impfung gegen Corona: Politiker verbreiten Hoffnung - „europäische Erfolgsgeschichte“

Trotz alle dem versuchen viele Politiker weiter Hoffnung zu verbreiten, unter ihnen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. „Die Impfungen werden uns helfen, zu unserem normalen Leben schrittweise zurückzukehren“, sagt sie in einem auf Twitter veröffentlichen Video. Am Samstag erreichte der zugelassene Impfstoff von Biontech und Pfizer die EU-Mitgliedsstaaten, beispielsweise Österreich. Diese gemeinsame Impfstrategie bezeichnet von der Leyen als „europäische Erfolgsgeschichte“. Wenn viele Menschen geimpft sind, würden Reisen wieder möglich sein, genauso Treffen mit Freunden und Familie. Aber bis dahin müssten alle weiterhin vorsichtig sein, mahnt von der Leyen.

Laut einer Erhebung des Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur gaben 32 Prozent der Befragten an, sich so schnell wie möglich gegen das Coronavirus immunisieren lassen zu wollen. Weitere 33 Prozent sind zwar ebenfalls dazu entschlossen, wollen aber erst einmal mögliche Folgen der Impfung bei anderen abwarten. 19 Prozent haben sich gegen eine Impfung entschieden, 16 Prozent sind demnach noch unentschlossen. (cibo mit Material von dpa)

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