Beschmiertes Hinweisschild zum Impfzentrum
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Im Vogtland beschmierten Unbekannte das Hinweisschild zum örtlichen Impzentrum Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

„Sogwirkung auf gewaltbereite Personen“

Interner Bericht: Behörden warnen vor Cyberangriffen und Anschlägen auf Impfzentren

  • vonJosef Forster
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In einem internen Bericht warnen die deutschen Sicherheitsbehörden vor Gewaltakten gegen Impfzentren. Dabei sind radikale Anti-Corona-Protestanten, Cyber-Kriminelle und Jihadisten im Fokus.

  • Wie der Business Insider berichtet, warnen die deutschen Sicherheitsbehörden vor möglichen Anschlägen auf die Impf-Infrastruktur.
  • Eine „Abstrakte Gefährdung“ geht laut der internen Mitteilung von Jihadisten aus, die Impfzentren möglicherweise als Ziele terroristischer Anschläge sehen.
  • Sicherheitsbehörden warnen vor Gewaltbereitschaft im „Querdenker“-Umfeld.

München - „Wenn die Stimmung weiter hochkocht, kann das auch in Angriffe auf Impfzentren umschlagen“, mahnte Lars Klingbeil schon Ende Januar gegenüber t.online. Wie ein interner Bericht, der Business Insider vorliegt, nun zeigt, scheint der SPD-Generalsekretär mit seinen Befürchtungen richtig zu liegen. Der Lagebericht warnt vor einer Zunahme der Gewaltbereitschaft bei Anti-Corona-Protesten. In dem internen Papier mahnen die Sicherheitsbehörden nicht nur wegen des Gewaltpotenzials bei Protesten, auch von islamistischen Anschlägen gehe eine „abstrakte Gefährdung“ aus.

Corona-Impfzentren: „Abstrakte Gefährdung“ durch jihadistische Angriffe

Die Sicherheitsbehörden sehen in den Impfzentren ein mögliches Ziel terroristischer Angriffe, da Menschenansammlungen ein Ziel seien, „denen jihadistische Tätergruppierungen und Einzeltäter eine besonders hohe Bedeutung zumessen“, berichtet der Business Insider. Die Jihadisten sähen in der Zerstörung einer großen Anzahl von Impfdosen einen Rückschlag für den Westen im Kampf gegen das Virus. Auch wenn keine konkrete Gefahrenlage bestehe: Anschläge auf Impfzentren, Lager und Firmensitze von Impfstoffherstellern seien dem Lagebericht zufolge denkbar.

Gewaltsame Anti-Corona-Proteste: Interner Bericht warnt vor „Querdenker“-Bewegung

Der Lagebericht, der „nur für den Dienstgebrauch“ gekennzeichnet ist, macht auf die Gewaltbereitschaft im Umfeld der Anti-Corona-Proteste aufmerksam. Die Demonstrationen fänden „in Teilen aggressiv und gewaltbereit“ statt, explizit wird laut Business Insider im internen Papier auf die „Querdenker“-Bewegung hingewiesen. Diese sei eine „inhomogene Mischszene“, die sich neben Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern aus „Extremisten, Reichsbürgern, Selbstverwaltern und weiteren Personen mit verfassungsfeindlicher Einstellung“ rekrutiere.

Große „Querdenker“-Proteste hätten eine „‚Sogwirkung‘ auch auf gewaltbereite Personen“, so das interne Dokument weiter. Vor allem bei großen Kundgebungen der Bewegung sehen die Sicherheitsbehörden ein „deutlich erhöhtes Eskalationspotenzial“.

Interner Bericht sieht in Cyberangriffen auf Impfinfrastruktur eine Gefahr

Wie der Business Insider den Bericht weiter zitiert, müsse „verstärkt mit Cyberangriffen auf systemrelevante Einrichtungen gerechnet werden“. Bevorstehenden Angriffen wolle das Bundeskriminalamt mit Präventionsmaßnahmen vorbeugen und auf die drohende Gefahr durch Cyberangriffe aufmerksam machen. In der Vergangenheit gab es vermehrt Hacker-Attacken auf Behörden und Firmen, die an der Entwicklung der Corona-Impfstoffe arbeiten.

Im vergangenen Dezember waren Unbekannte in das Computersystem der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) eingedrungen und verschafften sich Einsicht in Dokumente der Impfstoffhersteller Pfizer und Biontech. Die Hacker manipulierten Berichte zum Corona-Impfstoff und veröffentlichten sie anschließend. „Einige der Emails wurden von den Tätern manipuliert, um Vertrauen in die Impfstoffe zu untergraben“, meldete die EMA.

Corona-Impfstoff: Bundespolizei eskortiert Impfstoff-Transporte ab Grenzübertritt

Wie das Innenministerium im Januar verlautbaren ließ, eskortiere die Bundespolizei die Impfstofftransporte ab Grenzübertritt zu den Verteilerzentren. Die Antwort des Innenministeriums auf Anfrage der Grünen im Bundestag weise außerdem auf die „große mediale Präsenz“ und die „Emotionalität, die dem Themenkomplex Corona innewohnt“ hin. Zwar lägen der Bundesregierung „keine konkreten gefährdungsrelevanten Erkenntnisse„ vor. Dennoch müsse sie von einer Gefahr von Sabotage bis hin zu „physischen Übergriffen“ auf Personal und Impfempfänger ausgehen., so die AFP.

Im Januar waren unter anderem Impfzentren oder Hinweisschilder zu Impfzentren mit Farbe beschmiert worden. Das Bundesinnenministerium befürchtet über Sachbeschädigungen hinaus massive Störversuche während der Corona-Impfkampagne. (jjf/dpa/AFP) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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