Winfried Kretschmann während der Pressekonferenz der Landesregierung Baden-Württemberg.
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Winfried Kretschmann während der Pressekonferenz der Landesregierung Baden-Württemberg.

Diskussionsthema Corona

„Ich hör immer nur öffnen“: Kretschmann gerät mit Unternehmern aneinander - und droht „richtigen Lockdown“ an

  • Anna-Katharina Ahnefeld
    vonAnna-Katharina Ahnefeld
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Beim CDU-Wirtschaftsratstreffen kommt es zum Zank zwischen Baden-Württembergs Ministerpräsidenten und Unternehmern. Dann findet Kretschmann scharfe Worte.

Stuttgart - Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) geriet kürzlich mit Unternehmern aneinander. Am Donnerstag war er Gast bei der digitalen Diskussionsveranstaltung des baden-württembergischen Landesverbands des CDU-Wirtschaftsrats. Dabei ging es - natürlich - unter anderem auch um Corona.

Denn der Einzelhandel wartet nach monatelangem Lockdown auf Öffnungsperspektiven. Diese Forderung stellten sie am Donnerstag Kretschmann. Viele Unternehmer bangten um ihre Existenz, sagte der Landesvorsitzende Joachim Rudolf. „Das zähe Hin und Her zwischen Lockdown und Lockerungen raubt unsere Kräfte und wird zum Zankapfel staatlicher Ebenen.“ Kretschmann reagierte unwirsch: „Ich hör natürlich immer öffnen, öffnen, öffnen“, sagte er. „Ich hör immer nur öffnen. Ich möchte mal einen erleben, der mal sagt, jetzt machen Sie mal ein bisschen was schärfer. Das hör ich nie!“ Und ergänzte: „Wir schließen die Geschäfte nicht, weil wir jetzt autoritäre Gelüste haben.“ Man müsse auch die Konsequenzen für die Pandemie bedenken.

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Winfried Kretschmann gerät mit Unternehmern aneinander - Weist Öffnungs-Rufe zurück

Kretschmann äußerte Verständnis, dass die Belastung für den Handel enorm sei und die Stimmung im Keller. Eine dritte Welle, die noch schlimmer sei als die zweite, könne nicht im Interesse der Wirtschaft sein. „Dann machen wir einen richtigen Lockdown - den gab es bisher ja gar nicht.“ Der überwältigende Teil der Wirtschaft sei von den Maßnahmen derzeit gar nicht betroffen, sagte Kretschmann. Erst bei einer stabilen Inzidenzlage von 35 - Baden-Württemberg könne das erste Land sein, das diese Inzidenz erreiche - werde der Einzelhandel schrittweise unter Vorgaben wieder geöffnet. Die Mutanten seien aber ein weiterer Unsicherheitsfaktor. Da müsse man dann eventuell wieder zurückrudern. „Am Ende geht es da um Leben und Tod.“ Kretschmann appellierte an die Unternehmer: „Ziehen sie mit, dass wir die Pandemie in Griff behalten und sie uns nicht mehr aus dem Ruder läuft.“

„Wir werden nicht gehört“, kritisierte Christoph Werner, der Chef der Drogeriemarktkette dm. Er forderte Kretschmann auf, seine Ministerien zu sensibilisieren, dass der Kontakt zu der Wirtschaft gesucht wird. „Wir kommen nicht an die Menschen ran.“ Nicht alle Optionen würden derzeit beraten, gute Lösungen würden nicht erarbeitet. Kretschmann verteidigte seinen Kurs - inklusive Ausgangssperre, die das Verwaltungsgericht in Mannheim kassierte. „Die Entbehrungen zahlen sich aus.“ Die Gerichte legten eben andere Maßstäbe an, sagt er. Baden-Württemberg habe nun eine der niedrigsten Inzidenzen unter den Bundesländern. (aka mit dpa)

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