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Der Sanitätsdienst der Bundeswehr hat Reservisten aufgerufen, sich wegen der Corona-Krise zur Verstärkung der fünf Bundeswehrkrankenhäuser in Koblenz, Hamburg, Berlin, Ulm und Westerstede zum Dienst zu melden.

Staatssekretär bittet ausgebildete Sanitäter um Mithilfe

Bundeswehr soll in Corona-Krise helfen: „Bereiten uns auf eine Verschärfung der Lage vor“

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Im Interview spricht Thomas Silberhorn (CSU), Staatssekretär im Verteidigungsministerium, darüber, wie sich die Bundeswehr in der Corona-Krise auf eine Verschärfung der Lage vorbeitet.  

  • Das Coronavirus* beschäftigt die Bundesrepublik.
  • Ab Montagmorgen macht Deutschland daher seine Grenzen zu Frankreich, Österreich und der Schweiz dicht.
  • Die Bundeswehr bereitet sich auf eine Verschärfung der Lage vor.

Plötzlich schauen viele wieder auf die Bundeswehr – mit Hoffnung, nicht mit Spott. Sanitätsdienst, Transporte, Logistik: Wie hilft die Truppe in der Virus-Krise? Wir fragen Thomas Silberhorn (CSU), den Staatssekretär im Verteidigungsministerium.

Ist die Bundeswehr in Alarmbereitschaft?

Die Bundeswehr bereitet sich auf eine Verschärfung der Lage vor. Wir sind seit Wochen schon aktiv. Das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr hat im Januar den ersten Fall einer Infektion in Deutschland* nachgewiesen. Die Flugbereitschaft hat viele Deutsche aus Wuhan ausgeflogen. Seit zwei Wochen beschaffen wir außerdem medizinische Schutzkleidung, Desinfektionsmittel und Medikamente und sammeln das in gut gesicherten Lagern.

Corona-Krise: Bundeswehr kann nur Spitzen abfedern

Welche Kapazitäten hat der Sanitätsdienst der Bundeswehr, um zusätzlich zu helfen?

Die Bundeswehr hat ein autarkes Gesundheitssystem, das weltweit einsetzbar ist. Zwei Drittel der Betten in den Bundeswehr-Krankenhäusern stehen schon bisher für zivile Patienten bereit. Insgesamt haben wir aber nur etwa ein halbes Prozent der Kapazitäten, die zivile Kliniken haben*. Wir können also punktuell helfen und Spitzen abfedern, aber nicht flächendeckend Ersatz leisten. Wir versuchen gerade, unsere Kapazitäten für Intensivpflege – Betten, Beatmungsgeräte, Personal – noch zu erweitern.

Thomas Silberhorn, Bundestagsabgeordneter (CSU)

Kann die Bundeswehr dabei helfen, Lebensmittel zu verteilen, wenn es sehr knapp wird oder eine Ausgangssperre besteht?

Wir haben Transportkapazitäten und dafür ausgebildetes Personal, das auch hier Amtshilfe leisten könnte. Die Lebensmittelversorgung halte ich aber nicht für gefährdet. Da greift auch der dezentrale Aufbau unseres Staates: Es muss Vieles zentral entschieden* werden – die Kommunen sind in dieser Lage bei der Umsetzung aber unverzichtbar.

Corona-Krise: Bundeswehr-Reservisten zur Mithilfe aufgerufen 

Die Bundeswehr ruft Reservisten zur Mithilfe auf. Stehen wir vor einer generellen Einberufung?

Nein. Die Reservisten sind aber aufgefordert, mit anzupacken: etwa im Sanitätsdienst Ausgebildete, die im Moment in ihrem Zivilleben in einem anderen Bereich arbeiten. Sie könnten uns in den kommenden Wochen helfen.

Steht ein Einsatz an der Grenze an?

Die Grenzkontrolle ist eine Aufgabe der Polizei. Die Bundeswehr kann im Wege der Amtshilfe unterstützen, etwa wenn die Bundespolizei wegen zahlreicher Infektionen nicht mehr genügend Leute hätte. Ein solcher Bedarf ist derzeit aber nicht ersichtlich.

Wie gesund ist die Bundeswehr noch? Wie viele Infektionen gab es?

Nach den neuesten Zahlen haben wir 164 Verdachtsfälle, davon 24 bestätigte Fälle. Ein Patient ist bereits gesund entlassen worden.

Über die Bundeswehr zu reden, hieß zuletzt: Mängel, Probleme, Sorgen. Ändert diese Krise und die Hilfe im Inland fundamental die Art, wie wir auf die Soldaten schauen?

Wir lernen gerade als Gesellschaft, dass wir Vorsorge treffen müssen. Unser Land tut jetzt etwas, was man in der Bundeswehr immer schon trainiert: im Krisenmodus zu arbeiten. Wir müssen in der Lage leben, rasch entscheiden und besonnen umsetzen. Wir sind jetzt damit konfrontiert, was den Kern von Sicherheitspolitik umschreibt: Zielgerichtete Vorsorge für Zeiten, die hoffentlich nie eintreffen.

Interview: Chr. Deutschländer

Coronavirus in Bayern: Söder plant einschneidende Beschränkungen - Seehofer mit Bitte an alle Deutschen

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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