1. Startseite
  2. Politik

Wie einst Stoiber: Ein Prinzregent der Kanzler werden will? - Söder zieht’s in den Norden

Erstellt:

Von: Georg Anastasiadis

Kommentare

Stoiber rät Söder von Kanzlerkandidatur ab
Stoiber rät Söder von Kanzlerkandidatur ab © dpa / Matthias Balk

Zeigt das Urlaubsziel von Markus Söder Ambitionen auf den Posten als Kanzlerkandidat? Kommentar von Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.

Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder plant seinen Urlaub an der Nordsee. Söders bayerischer Kurs in der Corona*-Krise hat ihm viel Zustimmung über Bayern hinaus eingebracht - so passt sein Urlaubsziel zu einer möglichen Rolle Söder als Kanzlerkandidat der Union.Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur, kommentiert: Bei langen Wattwanderungen will der womöglich kommende Kanzlerkandidat wohl die teutonische Seele erkunden. 

Was macht ein bayerischer Prinzregent, der Kanzler werden will? Urlaub an der Nordsee! Stoiber zog es 2002 vor dem Duell gegen Gerhard Schröder auf die Insel Juist. Und Söder? Der will die teutonische Seele demnächst bei ausgedehnten Wattwanderungen erkunden.

Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.
Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur. © Marcus Schlaf

In Corona-Krise hat sich Söder natürliche Autorität verschafft

In der Corona-Krise ist dem Bayern etwas zugewachsen, was mit „steigender Popularität“ nur unzureichend beschrieben ist. Die sicheren Auftritte, die auch medial glänzend inszenierte Rolle des besorgten Landesvaters haben ihm über den Freistaat hinaus eine natürliche Autorität verschafft, ein Macher-Image, um das NRW-Chef Laschet bisher vergeblich ringt. Dies gilt übrigens unabhängig davon, ob man nun Söders Lockdownpolitik richtiger findet oder Laschets Lockerungsübungen. 

Söder profitiert in der Corona-Krise - eine Chance hat er Merz voraus

Je mehr die Kanzlerin in der Coronapolitik vor den Ministerpräsidenten zurückwich, desto mehr fiel ihrem späten Gefolgsmann Söder eine bundespolitische Führungsrolle zu. Es ist offensichtlich: Dem Franken ist der Freistaat zu eng geworden. Und: Er hätte, anders als etwa Friedrich Merz, die Chance, die seit der Asylkrise in Merkelianer und die Anti-Merkelianer zerrissene Union wieder zusammenzuführen. Will er Kandidat werden, muss er freilich fortan Versuchungen widerstehen, andere Unions-Fürsten allzu klein erscheinen zu lassen; denn das schlägt Wunden und schafft Gegner.

Es läuft für den 53-Jährigen – vor allem, wenn ihm nun auch noch die SPD unter ihrem linken Führungsduo den Gefallen täte, anstelle des anerkannten Finanzministers Olaf Scholz den wenig bekannten Fraktionschef Ralf Mützenich ins Rennen um die Kanzlerschaft zu schicken.

Auch interessant

Kommentare