Die CDU hat eine Wahlklatsche kassiert - nun muss die Union das Machtvakuum füllen, kommentiert Georg Anastasiadis.
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Die CDU hat eine Wahlklatsche kassiert - nun muss die Union das Machtvakuum füllen, kommentiert Georg Anastasiadis.

Kommentar zum „Brücken-Lockdown“

Die politische Klasse zeigt sich als Corona-Hühnerhaufen - und Laschet sitzt am falschen Tag im falschen Zug

  • Georg Anastasiadis
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In einem fragwürdigen Moment präsentiert Armin Laschet seine „Brücken-Lockdown“-Pläne. Kennt er die Gesetze des politischen Betriebs nicht? Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Armin Laschet ist der Unglücksvogel der deutschen Politik: zu oft am falschen Tag im falschen Zug. Auch jetzt wieder. Sein über Nacht aus dem Hut gezauberter „Brücken-Lockdown“ wird zum PR-Desaster. Sogar ihm zugeneigte CDU-Ministerpräsidenten lassen den CDU-Chef abblitzen, und die SPD-Landesfürsten nutzen freudig die Gelegenheit, den Möchtegern-Kanzlerkandidaten der Union vorzuführen. Sie können es sich leisten: Die offiziell ausgewiesenen Inzidenzzahlen fallen seit Tagen. Da ist es schwer, die Menschen nach fünf Monaten Dauerlockdown von der Notwendigkeit eines weiteren „Knallhart-Lockdowns“ zu überzeugen. Erst recht, weil niemand wirklich weiß, ob den Beteuerungen, es gehe ja nur um einen ganz kurzen Zeitraum, zu trauen ist.

Coronavirus: Sinkende Inzidenzen nur Trugbild? Laschets Rolle Rückwärts dennoch mit schlechtem Timing

Gleich, ob die sinkenden Infektionszahlen nur das Ergebnis von feiertagsbedingt unterbliebenen Tests sind, oder ob sie, was plausibel wäre, auch mit den Schulschließungen in den Ferien zusammenhängen und mit der wachsenden Vorsicht vieler Bürger aus Angst vor der gefährlicheren Mutante: Laschets Rolle rückwärts kommt spät und in einem psychologisch ungünstigen Moment und verschreckt jene, die behutsame Lockerungen richtig finden und sich bei Laschet bisher gut aufgehoben fühlten. Diejenigen hingegen, die schon immer mehr dem „Team Vorsicht“ zuneigten, sehen sich in ihrem Urteil über den NRW-Ministerpräsidenten als einen wankelmütigen, unsicheren Kantonisten bestärkt.

Deutschlands Politiker gleichen Hühnerhaufen: Kein Plan - auch nach einem Jahr Corona-Pandemie

Deutschlands politische Klasse gleicht derzeit einem Hühnerhaufen: lautes Gegacker, viel Durcheinander, kein Plan. Das liegt daran, dass wir nach über einem Jahr Viruskrise noch immer im Nebel stochern. Wo stecken sich Menschen an? Welche Maßnahmen helfen dagegen? Kein Schimmer! Dabei wäre es, wenn jetzt ein Brücken-Lockdown her soll, doch enorm wichtig zu wissen, wo dieser am besten ansetzen soll.

Die aktuell rückläufigen Sieben-Tages-Inzidenzen deuten darauf hin, dass offenbar doch die Schulen ein entscheidender Pandemietreiber sind, jedenfalls jetzt, da die britische Mutante grassiert. Dennoch soll wieder der Holzhammer ausgepackt und unterschiedslos überall dicht gemacht werden. Wundert sich da noch wer, dass immer weniger bei den Maßnahmen noch mitziehen wollen?

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