Mette Frederiksen (M), Ministerpräsidentin von Dänemark, und die Vorsitzenden aller Parteien bis auf eine, verkünden im Schloss Christiansborg eine Einigung für einen Wiedereröffnungsplan nach dem Corona-Lockdown.
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Dänemark hat einen Wiedereröffnungsplan beschlossen.

Corona-Krise

Corona-Lockdown: Dänemark will öffnen - Lauterbach nennt es einen „spektakulären Fehler“

  • vonDana Popp
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Dänemark will ab Mai wieder zurück zur Normalität und hat sich auf einen langfristigen Öffnungsplan geeinigt. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt via Twitter vor diesem Schritt.

Berlin - Deutschland hat gerade erst den Lockdown* verlängert. Dänemark hingegen will das Land wieder öffnen. Die Politik hat sich auf einen langfristigen Plan zur Abkehr von den geltenden Corona-Maßnahmen geeinigt. Der Plan wurde von der sozialdemokratischen Regierung und fast allen weiteren dänischen Parlamentsparteien beschlossen. Das Ziel ist es die geltenden Corona*-Maßnahmen, die das öffentliche Leben stark einschränken, mit wenigen Ausnahmen aufzuheben. Jedoch erst, wenn alle Risikogruppen und alle Menschen über 50 Jahre, die dies möchten, ihre erste Corona-Impfung erhalten haben. In einigen Bereichen werden einige Maßnahmen voraussichtlich noch bestehen bleiben, zum Beispiel bei Großveranstaltungen.

Karl Lauterbach warnt vor „Covid Durchseuchung“ und rechnet mit hohen Todeszahlen

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte nun via Twitter vor dem Plan der dänischen Regierung. Er sehe in einer „Covid Durchseuchung“ große Probleme, auch wenn die Risikogruppen bereits durchgeimpft seien. Der Rest könne sich weiterhin mit dem Coronavirus infizieren und dies würde auch „fatale Folgen“ für jüngere Menschen bedeuten. Schließlich lassen sich auch nicht alle Bürger:innen impfen und viele ungeimpfte Menschen aus Risikogruppen würden sich infizieren. Lauterbach stellt eine Beispielrechnung auf: „Wären in Deutschland z.B. 20 Prozent der Ü50 nicht geimpft, und jeder zweite steckte sich an, würden über 60.000 Menschen bei [einer] Durchseuchung sterben“, so Lauterbach via Twitter.

Zudem mache er auch darauf aufmerksam, dass auch jüngere Menschen an dem Virus sterben können. Viele seien zudem von Langzeitfolgen betroffen und können lebenslange Schäden davon tragen. „Für das #MECFS, eine die Lebensqualität stark einschränkende Störung des Denkens, Merkens und der Konzentrationsfähigkeit, haben wir bisher keine Therapie. Es gilt als unheilbar“, so Karl Lauterbach.

Karl Lauterbach: Viele Kritiker:innen äußern sich unter seinem Tweet

Viele User:innen äußern sich unter dem Tweet von Karl Lauterbach kritisch*. Dabei gehen viele darauf ein, dass Dänemark* wenigstens einen Plan habe - im Gegensatz zu Deutschland. Ein User schreibt zum Beispiel: „Ziemlich anmaßend. Dänemark hat seit langem einen Plan und eine Strategie. Die Bundesregierung und Sie haben nichts dergleichen. Mauern bauen ohne Türen und Fenster, das kann ja wohl nicht die Lösung sein.“ Ein Weiterer geht auf den schleppenden Impfstart in Deutschland ein: „Und was machen wir in Deutschland besser? Hier sind die Ü80-Jährigen noch nicht mal mit der Impfung durch, aber die Schüler und somit ihre Eltern werden der Durchseuchung freigegeben. Durch die Präsenzpflicht hat man keine Chance, sich zu schützen!“

Doch es stimmen auch viele User:innen dem SPD-Gesundheitsexperten zu. Ein User hat eine weltweite Corona-Strategie gefordert: „Also Karl, die Strategie wird die dänische Regierung nicht durchhalten, da die Kapazitäten des Gesundheitssystems doch sehr begrenzt sind. Durch die neuen Varianten werden auch bei den Jüngeren die schweren Fälle zu nehmen. Man braucht Europa/weltweit eine einheitliche Strategie!“ Im Oktober letzten Jahres hat auch die Gesellschaft für Virologie eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie von einer Durchseuchung abgeraten* hat. „Dennoch sind wir überzeugt, dass die Schäden, die uns im Falle einer unkontrollierten Durchseuchung unmittelbar aber auch mittelbar drohen, diese Belastungen um ein Vielfaches überträfen und in eine humanitäre und wirtschaftliche Katastrophe münden können.“ An dieser war auch der Virologe Christian Drosten beteiligt. (dp)*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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