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Corona-Lockdown vermeidbar, wenn ...: Experten geben Bundesländern und Söder klaren Handlungsauftrag

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Von: Felix Durach

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Ministerpräsident Markus Söder vor der Regierungserklärung im Bayerischen Landtag in München.
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vor einer Regierungserklärung im Landtag. © Emmanuele Contini/imago-images

Ein Experten-Team um die Physikerin Viola Priesemann hat eine Maßnahmen-Empfehlung veröffentlicht, um einen bundesweiten Lockdown noch verhindern zu können.

Berlin - Steht Deutschland vor einem weiteren bundesweiten Lockdown, um den steigenden Infektionszahlen der vierten Corona-Welle noch entgegenwirken zu können? Am Dienstag treffen sich die Chefs der Länder gemeinsam mit der geschäftsführenden Kanzlerin Angela Merkel und deren voraussichtlichem Nachfolger Olaf Scholz, um den Corona-Fahrplan für die Wintermonate festzusetzen.

Corona-Krise in Deuschland: Droht der nächste bundesweite Lockdown?

Gerade in Bundesländern wie Bayern, Thüringen oder Sachsen scheint das Infektionsgeschehen mitunter außer Kontrolle zu sein. Mit Blick auf die 7-Tage-Inzidenz, die in einigen Kreisen deutlich über dem Schwellwert von 1.000 liegt, scheinen bundeseinheitliche Einschränkungen kaum noch abwendbar. Doch in einem am Montag veröffentlichen Papier proklamieren mehrere deutsche Experten ein Szenario, mit dem ein bundesweiter Lockdown doch noch verhindert werden kann.

Experten veröffentlichen Corona-Empfehlungen - so kann die Politik den Lockdown verhindern

Die Autoren um die Physikerin Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut in Göttingen beschreiben in ihrer Veröffentlichungen Maßnahmen für die vierte Welle, die einem erneuten Lockdown vorweggreifen und somit verhindern sollen. Als Hauptpunkt in der Pandemie-Bekämpfung fordern die Experten eine deutliche Beschleunigung der aktuellen Impf- bzw. Boosterkampagne. Zwei Prozent der Bevölkerung (etwa 1,5 Millionen Menschen) müssten in den kommenden Wochen dafür täglich geimpft werden. „Alle anderen Maßnahmen dienen der Überbrückung, bis eine ausreichende Immunität aufgebaut ist“, schreiben die Autoren hierzu in ihrem Papier. In der vergangenen Woche lag der Tageshöchstwert an Impfungen nach Informationen des RKI bei ca. 860.000.

Die Physikerin Viola Priesemann zu Gast in der ARD-Talkshow „Anne Will“.
Ein Experten-Team um die Physikerin Viola Priesemann hat eine Maßnahmen-Empfehlung für die vierte Welle veröffentlicht. © Jürgen Heinrich/imago-images

Als weitere Maßnahmen fordern die Experten jetzt Maßnahmen in den Bundesländern zu beschließen, die besonders stark von der vierten Welle betroffen sind. „Die regionale Überlastung ist nicht mehr abzuwenden, aber sie kann abgemildert werden“, heißt es in der Veröffentlichung. Deswegen müssten jetzt die wichtigsten Maßnahmen noch einmal verstärkt werden, um einen „längerfristigen bundesweiten Lockdown“ zu verhindern.

Coronavirus: Bayern, Sachsen und Co. - Handlungsempfehlungen an „hochkritische Bundesländer“

Deswegen schlagen die Autoren für die „hochkritischen Bundesländer“ mit einer Krankenhaus-Inzidenz über 9 vier verschärfende Maßnahmen vor. Die privaten Kontakte sollen erheblich eingeschränkt werden, sodass jeder Haushalt nur noch 1-2 enge Kontakthaushalte hat, mit denen er in Innenräumen zusammenkommen darf. Auch in Kirchen, Sport- und Musikvereinen müssten deutlich schärfere Kontaktbeschränkungen eingeführt werden. Hochschulen und vergleichbare Einrichtungen sollten generell auf Online-Unterricht umgestellt werden.

Als letzten Punkt und „ultima ratio“ schlagen die Experten Online-Unterricht auch an Schulen oder einen vorgezogenen Beginn der Weihnachtsferien vor. Dieser Schritt müsste eingeleitet werden, wenn die oben genannten Maßnahmen keine Erfolge bringen würden. Zu den hochkritischen Bundesländern würden aktuell Bayern, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zählen.

Coronavirus: Wegen Omikron-Variante - Experten fordern „Not-Schutzschalter“

In allen weiteren Bundesländer würde neben dem Impfen eine konsequente Umsetzung der 3G- und Home-Office-Regelung am Arbeitsplatz, sowie 2G- und 2G+-Regelungen in der Gastronomie, sowie beim Sport ausreichen. Darüber hinaus sollten auch Veranstaltungen im Inneren mit mehr als 50 Teilnehmern, sowie Großveranstaltungen im Außenbereich ausgesetzt werden.

Zuletzt fordern die Experten mit Blick auf die Omikron-Variante des Coronavirus einen „Not-Schutzschalter“, der bei einer hohen Wachstumsdynamik für alle Bundesländer greifen sollte. Dafür müsse die Regierung jetzt die juristischen Voraussetzungen schaffen.

Aufgrund der steigenden Infektionszahlen und der neuen Omikron-Variante treffen sich Bund und Ländern nun bereits am Dienstag, um über mögliche Maßnahmen zu verhandeln. Das Bundesverfassungsgericht wird zuvor seine Entscheidung über die Verfassungsmäßigkeit der Bundesnotbremse verkünden. (fd)

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