Maybrit Illner führt durch die Sendung
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Maybrit Illner führt durch die Sendung

ZDF-Talk zum Corona-Chaos 

Lauterbach äußert herben Verdacht gegen Mallorca - Antwort folgt prompt: „Sind keine Bananenrepublik“

Karl Lauterbach spricht bei „maybrit illner“ vom „letzten Gefecht” gegen das Coronavirus. Außerdem glaube er Mallorca bei den Zahlen „kein Wort“. Jetzt gibt es Gegenwind.

Update vom 26. März, 15 Uhr: „Wir sind hier schließlich nicht in einer Bananenrepublik, sondern in einem ernsthaft und professionell geführten Land“, reagiert der Gesundheitsexperte Joan Carles March auf Karl Lauterbachs Vorwurf, Mallorca würde bei den Angaben zu Corona tricksen. Das sagte March am Freitag gegenüber der Mallorca Zeitung. „Fakten sind Fakten, das ist schon empörend, wenn sie anders dargestellt werden“, sagte auch Antoni Oliver, Chefbiologe des Landeskrankenhauses Son Espases in Palma, in dem die Virenproben der Balearen analysiert werden.

Zuvor hatte der SPD-Gesundheitspolitiker die Angabe der Ferieninsel, dass auf Mallorca die gefährlichere Corona-Variante P1 aus Brasilien nicht gefunden worden sei, bezweifelt (siehe Erstmeldung). „Die Balearen gehören spanienweit zu den Regionen, bei denen die Nachverfolgung der Infektionsketten und die Analyse der Daten am besten funktioniert“, ergänzte Gesundheitsexperte March.

Mallorca-Behauptung von Karl Lauterbach bei „maybrit illner“ - Diskussion um Osterruhe

Erstmeldung vom 26. März, 10.40 Uhr: Berlin - Bei „maybrit illner“ steht am Donnerstagabend erneut der omnipräsente SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Karl Lauterbach im Zentrum der Diskussion. Der inzwischen als Schattengesundheitsminister bezeichnete Politiker mahnt weiterhin mit Nachdruck vor Lockerungen und zeigt sich enttäuscht über die Ergebnisse der letzten Ministerpräsidentenkonferenz (MPK): „Es hat mir leidgetan, dass wir keine besseren Beschlüsse hinbekommen haben. Ich bin der Meinung, der Osterruhen-Lockdown hätte nicht viel gebracht, selbst wenn er durchgesetzt hätte werden können.“ 

Karl Lauterbach bei „maybrit illner“: „Ausgangssperren haben einen extrem schlechten Ruf, aber sie wirken“ 

Lauterbach, der nicht müde wird, die Zusammenhänge der Pandemie mit Geduld und Fakten zu erklären, zeichnet ein bedrohliches Bild von der bevorstehenden „fulminanten“ dritten Welle, durch die wegen der brasilianischen und britischen Virusvarianten vor allem Menschen zwischen 40 und 70 gefährdet seien. Sie sei „das letzte Gefecht, aber auch das schwerste.“ Deutschland befinde sich derzeit „in einer komplett instabilen Lage und das muss erst mal abgefangen werden und das werden wir ohne einen Lockdown nicht schaffen.“ Seine Forderung nach einem harten 14-tägigen Lockdown inklusive bundesweiter Ausgangssperre ab 20 Uhr, wie er etwa in Großbritannien oder Portugal praktiziert wird, stößt beim Rest der Runde jedoch auf wenig Gegenliebe. 

In Bezug auf die Mallorca-Diskussionen hat Lauterbach eine klare Meinung und wirft dem Inselstaat sogar Manipulation. Dass sie die gefährliche Variante P1 nicht vor Ort hätten, glaube er nicht: „Da wird auch noch getrickst, ich glaube denen kein Wort.“ Seiner Meinung nach hätten die Mallorquiner „längst“ diese zweite brasilianische Mutante und auch die generellen Zahlen zweifelt er an: „Und ich glaube auch den Fallzahlen nicht.“

Claus Ruhe Madsen bei „maybrit illner“: „Ich erwarte von einer Führungskraft, dass sie erklärt, was zu tun ist“ 

Allen voran Rostocks Bürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) reibt sich an Lauterbachs Forderungen nach einem derart harten Schnitt und appelliert: „Wir müssen immer wieder daran denken, dass wir das Virus und nicht den Menschen bekämpfen.“ Das Rostocker Konzept für sichere Öffnungen funktioniere, weswegen er sich mit immer weiteren Lockdowns nicht zufriedengebe. Das sei ihm „zu einseitig“. Auch die Journalistin und Autorin Düzen Tekkal moniert, es fehle eine klare Ansprache an die Bürger: „Das sind ja nicht einfach nur 82 Millionen Menschen, die verimpft werden müssen, sondern das sind Akteure, die wir mit einbinden müssen.“ 

„maybrit illner“ - diese Gäste diskutierten mit: 

  • Karl Lauterbach (SPD) - MdB, Epidemiologe und Gesundheitsökonom 
  • Claus Ruhe Madsen (parteilos) - Oberbürgermeister von Rostock 
  • Michael Müller (SPD) - Regierender Bürgermeister Berlin 
  • Margot Käßmann - Theologin, Publizistin 
  • Düzen Tekkal – Journalistin, Autorin 
  • Michael Bernd Schmidt alias Smudo – Musiker, Mitentwickler der Luca-App 

Margot Käßmann bei „maybrit illner“: „Es fehlt mir, den Menschen etwas zuzutrauen“ 

Die evangelische Theologin und Pfarrerin Margot Käßmann nimmt per Videoschalte an der Diskussion teil und pflichtet dem Ruf nach mehr Flexibilität bei, ihrer Meinung nach seien beispielsweise Ostergottesdienste verantwortbar. Sie sagt: „Ich brauche nicht so viele Verbotsschilder und Lockdowns.“ Die Kirchen müssten als „Orte der Hoffnung“ geöffnet sein, außerdem hätte sie sich „mehr Fantasie gewünscht, was möglich ist, statt zu sagen: noch mehr einschränken und noch mehr einschränken.“ Das Ergebnis von dieser Politik sei „eine Lähmung, die alle Menschen krank macht.“ 

Michael Müller bei „maybrit illner“: „Es hat nicht einen Tag Stillstand gegeben in den Berliner Impfzentren“ 

Als die Talkrunde das Thema Impfen anschneidet, muss Berlins Bürgermeister und der amtierende MPK-Vorsitzende Michael Müller für einen Moment aus Lauterbachs Schatten hervortreten. Düzen Tekkal moniert das langsame Tempo, gerade in Berlin, wo sich derzeit 600.000 Menschen gegen eine Impfung mit AstraZeneca entscheiden würden. Müller wehrt sich gegen diese Darstellung und rechnet vor: „Wir haben 160.000 Impfdosen von Astra bekommen und davon sind 130.000 verimpft oder vergeben, an die Krankenhäuser zum Beispiel oder für die 40.000 Lehrerinnen und Lehrer, die in den nächsten Tagen geimpft werden.“ 

Smudo bei „maybrit illner“: „Die App ist wie ein Sandsack, den ich selbst an den Deich werfen kann“ 

Zum Abschluss der Sendung ist der Musiker Smudo, Mitentwickler der Corona-Tracing-App „Luca“, per Video zugeschaltet. Der Rapper freut sich zwar über die „überwältigende“ Resonanz und die Kooperationsbereitschaft des Bundes, man stehe seit Januar in „engem Austausch“ mit dem Gesundheitsministerium. „Wir haben schon 100 Gesundheitsämter angebunden, die direkt mit Luca arbeiten. Über 40.000 Betriebe, die sich bereits registriert haben und 2,3 Millionen Downloads. Die Leute wollen das gerne haben“, berichtet Smudo nicht ohne Stolz, allerdings sei er „ganz bei Herrn Lauterbach. Wir sind in einer gefährlichen Situation und Luca macht den Virus nicht weg.“ Die App helfe aber dabei, die Geschwindigkeit bei der Erkennung infektiöser Personen zu erhöhen – auf dieses Tempo komme es „im Rennen gegen das Virus“ an. 

„maybrit illner“ - das Fazit 

Polit-Talkrunden laufen dieser Tage Gefahr, sich im Kreis zu drehen, „maybrit illner“ stellt dabei keine Ausnahme dar. Das wird gerade dann deutlich, wenn Talkmasterin Illner Themenblöcke abkürzt mit dem Hinweis: „Das hat Herr Lauterbach schon vor Wochen in dieser Sendung gesagt.“ Gleichzeitig sind sich bei aktuellen Themen, wie der Möglichkeit, auf Mallorca Urlaub zu machen, alle Gäste darin einig, dass dies nicht vermittelbar und absurd sei. Auflösen dürfte sich diese Problematik wohl erst nach dem von Lauterbach beschworenen „letzten Gefecht“, wenn die von so vielen Menschen ersehnte Normalität wieder eingekehrt ist. 

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