Dr. Viola Priesemann (Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut fuer Dynamik und Selbstorganisation) in der ARD-Talkshow ANNE WILL am 01.11.2020 in Berlin.
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Dr. Viola Priesemann war Ende letzten Jahres zu Gast bei Anne Will.

Corona-Pandemie

Merkel-Beraterin sicher: Sommerwetter kann Corona-Lockdown verhindern – Sogar RKI macht Hoffnung

  • vonDana Popp
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Dr. Viola Priesemann, eine Pandemie Beraterin von Angela Merkel, hält einen baldigen Anti-Corona-Effekt durch die höheren Temperaturen für möglich. Doch diese allein werden die Pandemie nicht stoppen.

Berlin - Die Corona-Pandemie und die dadurch erforderlichen Maßnahmen belasten viele Menschen. Die Physikerin und Pandemie-Beraterin von Kanzlerin Angela Merkel, Dr. Viola Priesemann, hält einen positiven Effekt der höheren Temperaturen auf die Ausbreitung des Coronavirus für erdenklich, sagte sie gegenüber der Osnabrücker Zeitung. „Sonne und Wärme werden helfen, aber ab wann, ist schwer vorherzusehen“, sagte die 38-Jährige. „Im allerbesten Fall“ habe die Saisonalität schon bald eine Bremswirkung von 20 Prozent.

Die Beraterin der Kanzlerin hielt sogar einen Ausgleichseffekt gegenüber den sich immer weiter verbreitenden Corona-Mutanten für möglich. Sollte sich diese Theorie bewahrheiten wäre es möglich auf einen kompletten Lockdown zu verzichten: „Sonne und Wetter könnten helfen, uns den Komplett-Lockdown zu ersparen“, so Priesemann zur NOZ. Jedoch machte Priesemann auch klar, dass nur das Wetter allein das Coronavirus und die Mutationen nicht stoppen werde. Corona-Lockerungen zum jetzigen Zeitpunkt seien „fatal“. Trotzdem könne das Wetter eine Schlüssel-Rolle für die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie spielen.

Studienlage für Corona-Theorie der Merkel-Beraterin sieht mau aus - RKI gibt Hoffnung

Bei der Studienlage für die Theorie der Merkel-Beraterin sieht es allerdings eher schlecht aus, wie in vielen Forschungsfeldern, die durch die Corona-Pandemie erst entstanden waren. Jedoch gibt es auch Grund zur Hoffnung. Es existieren erste Ansätze, die vielversprechende Daten liefern und einen tatsächlichen Zusammenhang zwischen dem Wetter und der Ausbreitung von Coronaviren aufzeigen.

Generell ist es so, dass sich Erreger wie das Coronavirus, die akute Atemwegserkrankungen verursachen, besser bei niedrigen Temperaturen verbreiten. Das Robert-Koch-Institut kann diesen Effekt auch erklären: „Grund dafür sind unter anderem die niedrigeren Temperaturen, weniger UV-Strahlung, aber auch die Tatsache, dass man mehr Zeit dicht gedrängt in Räumen verbringt“, so Wissenschaftler:innen des Instituts.

Studie aus den USA - Anzahl an Corona-Neuinfektionen nahm durch steigende Temperaturen ab

Die Aussage der Expert:innen des RKI wird durch eine Studie gestützt, die im Februar 2021 im Fachmagazin „Plos One“ erschien, berichtet die Frankfurter Rundschau. Dabei haben Forschende aus den Vereinigten Staaten bestätigte Fälle von Covid-19 untersucht. Insgesamt waren es Fälle aus 50 Ländern im Zeitraum Januar bis April 2020. Zu diesem Zeitpunkt waren die heutigen Maßnahmen, wie die Maskenpflicht, oder Kontakt und Ausgangsbeschränkungen, noch nicht so verbreitet.

Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Anzahl an Corona-Neuinfektionen bei steigenden Temperaturen abnahm. Die Autoren der Studie sind Adam Kaplin, ein Forscher an der Johns Hopkins Universität in Baltimore (Maryland) und Aruni Bhatnagar ein Forscher der Universität von Louisville (Kentucky).

Temperatur hat wohl Einfluss auf Corona-Verbreitung - Ohne Maßnahmen geht es aber nicht

„Obwohl Covid-19 eine Infektionskrankheit ist, die nicht temperaturabhängig übertragen wird, deuten unsere Untersuchungen darauf hin, dass es auch eine saisonale Komponente haben kann“, erklärt Aruni Bhatnagar, Co-Autor der Studie. „Natürlich wird der Einfluss der Temperatur auf die Übertragungsrate durch soziale Eingriffe wie Distanzierung sowie die in Innenräumen verbrachte Zeit und andere Faktoren verändert“, so Bhatnagar. Die Coronavirus-Verbreitung sei schlussendlich von einer Kombination verschiedener Faktoren abhängig.

Adam Kaplin, Erstautor der Studie ergänzt: „Dieses Verständnis der Sars-CoV-2 Temperaturempfindlichkeit hat wichtige Auswirkungen auf die Vorhersage des Verlaufs der Pandemie.“ Trotzdem darf nicht vergessen werden, dass die Beraterin der Kanzlerin darauf hingewiesen hat, dass zur jetzigen Zeit Kontaktbeschränkungen und weitere Corona-Maßnahmen für die Pandemie-Bekämpfung unerlässlich sind. (dp)

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