In der Corona-Krise

Angela Merkel: Ausland feiert Deutschlands „Wunder-Waffe“ - vier Komponenten entscheidend

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) darf sich über viel internationales Lob freuen.

International wird Angela Merkel aktuell gefeiert. Was hat sie richtig gemacht, dass die deutschen Corona-Zahlen vergleichsweise gering sind?

Berlin - Seit dem 22. November 2005 ist Angela Merkel (CDU*) deutsche Bundeskanzlerin* und hangelt sich seitdem von Krise zu Krise. Die Finanzkrise 2008, die Diskussion um den Atomausstieg nach Fukushima 2011, die Annexion der Krim durch Russland 2014, die Welle an Geflüchteten 2015 und nun die Corona-Krise 2020. „Merkel, die Krisen-Kanzlerin“ nennen sie viele Kommentatoren. Auch in diesen Corona-Monaten ist die Anerkennung ihres Krisenmanagements im Ausland groß.

Bereits im Mai 2020 griff der US-amerikanische Fernsehsender CNN die Tatsache auf, welche ungewöhnliche Maßnahme sie ergriff, um an die Deutschen zu appellieren. In einer Fernsehansprache, die nichts mit ihrer jährlichen Neujahrsrede zu tun hatte, rief sie Mitte März zu einem gemeinsamen, solidarischen Handeln auf*. Wie CNN damals schrieb, präsentierte sie „die düsteren Fakten der Pandemie und bot gleichzeitig eine Portion Mitgefühl“. Den richtigen Ton treffen - das ist in Krisenzeiten wichtig, um die Bevölkerung zum Mitmachen zu motivieren.

Dramatik in der Aussage, aber eine ruhige, nüchterne Sprache, die Vertrauen ausstrahlt - diese Eigenschaften werden Angela Merkel nachgesagt. Die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der Bundesregierung und ihren Corona-Maßnahmen schnellte in die Höhe. Der ein oder andere wünschte sich plötzlich, Merkel würde doch noch mal als Kanzlerin für vier weitere Jahre nach 2021 antreten.

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Angela Merkel im Video-Podcast - „Wir sind jetzt in einer sehr ernsten Phase der Corona-Pandemie“

In einem Bericht der britischen Tageszeitung The Guardian heißt es: Das schnelle Handeln, etwa mit „umfangreichen Tests von Anfang an“, zahlreiche Intensivpflegebetten und die direkte Ansprache Merkels, das Virus ernst zu nehmen, hätten dazu geführt, dass Deutschland besser als viele andere Länder Europas durch die erste Corona-Welle gekommen sei.

Diese Krise könnte Merkel auch deshalb besonders wichtig sein, weil sie als Diplomphysikerin* mit Promotion einen naturwissenschaftlichen Hintergrund in den politischen Alltag trägt. Sie nutze ihr Wissen, um klar und deutlich über das Virus zu sprechen, schreiben zwei Expertinnen des German Marshall Fund of the United States. Dabei habe sie aber nicht die Bedeutung für die Demokratie aus den Augen gelassen. Schließlich war und ist es ein Balanceakt, gesundheitliche Sicherheitsmaßnamen zu verabschieden und demokratische Freiheiten aufrechtzuhalten.

Angela Merkel bekommt international viel Lob für ihr Corona-Management in Deutschland

Auch der deutsche Hype um Virologen ist ungewöhnlich. „Respekt vor Virologen wie in Deutschland gibt es bei uns nicht“, zitiert Focus.de den flämischen Deutschland-Experten Dirk Rochtus von der Katholischen Universität Löwen aus Belgien. Tausende Deutsche lauschten im März und April den Podcast-Folgen des Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité und schauten die Pressekonferenzen des Robert-Koch-Instituts. Merkel arbeitete seit Beginn eng mit Wissenschaftlern* zusammen.

Es ist ein goldenes Fazit über Angela Merkel, welches internationale Medien präsentieren. „Die Medien hier betrachten Merkel als eine der stärksten Führungspersönlichkeiten der Welt“, sagt Amichai Stein, diplomatischer Korrespondent des israelischen öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders Kan gegenüber der Deutschen Welle. Merkel wird über die Ländergrenzen hinweg sozusagen als eine Art „Wunderwaffe“ gefeiert.

Merkel und Corona: Ein bisschen Glück gehört in Deutschland bei der Coronavirus-Bekämpfung auch dazu

Aber liegt die gute Bilanz nur an Merkel? Das englischsprachige Nachrichtenportal Vox machte sich ebenfalls Gedanken darüber, warum in Deutschland die Fallzahlen pro Millionen Einwohner vergleichsweise gering sind und warum von Beginn an die Todesrate sehr klein ist im Vergleich zu anderen westeuropäischen Staaten. Sie gehen bei ihrer Analyse noch einen Schritt weiter als die bisher genannten Aspekte guter Gesundheitsversorgung im Land und klarer Worte der Kanzlerin. Zusammengefasst halten sie vier Komponenten für entscheidend: Glück, Lernprozesse, lokales Reagieren und Zuhören.

So lieferte die schnelle Rückverfolgung des ersten bekannten deutschen Falls bei dem Automobilzulieferer Webasto dem Gesundheitswesen und den Beamten bereits nützliche Erfahrungen, auf die kontinuierlich in der Zeit der Pandemie aufgebaut werden konnte. Auch aus anderen Ländern hat Deutschland Erkenntnisse übernommen und etwa Testkapazitäten wie in Südkorea schnell ausgebaut.

Das von manchen verhasste, föderale System spricht Vox auch an. Zwar sorgen einige Maßnahmen immer wieder für Verwirrung und der berühmte „Flickenteppich“ ist schnell in aller Munde, doch der Vorteil sei unverkennbar: ein schnelles Handeln und das Reagieren auf lokale Bedürfnisse. Dass Politiker dann noch Wissenschaftlern zuhören, auch wenn sich neue Erkenntnisse überschlagen und überholen, sei von besonderer Bedeutung. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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