Biontech-Pfizer-Mittel

Corona-Impf-Start in Deutschland: Merkel hofft auf Durchbruch - Biontech-Gründer optimistisch

  • Fabian Müller
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    Richard Strobl
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Ein Start-Termin für die Corona-Impfung in Deutschland steht fest. Die Impfstoff-Entwickler sprachen nun mit Merkel, Spahn und Karliczek.

  • In Großbritannien und den USA wurde schon mit dem Impfen gegen das Coronavirus* begonnen.
  • Auch in Deutschland kann man wohl noch im Jahr 2020 starten.
  • Die Berliner Senatsverwaltung hat nun den 27. Dezember als potentiellen Start-Termin genannt.

Update vom 17. Dezember, 13.54 Uhr: Die Corana-Pandemie hat nach Angaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) das Risiko erfolgreicher Cyberangriffe auf Unternehmen erhöht. Cyberkriminelle hätten flexibel auf die Pandemie reagiert und nutzten die allgemeine Verunsicherung der Unternehmen und der Bevölkerung gezielt aus, warnte BSI-Präsident Arne Schönbohm am Donnerstag anlässlich der Veröffentlichung eines gemeinsamen Lagebilds der deutschen und der französischen IT-Sicherheitsbehörde. In beiden Ländern habe der coronabedingte Digitalisierungsschub für mehr Angriffsflächen gesorgt.

Insbesondere das Gesundheitswesen in beiden Ländern stehe vor der großen Herausforderung, die Pandemie zu bekämpfen und sich gleichzeitig wirksam gegen mögliche Cyberangriffe zu wappnen. „Denn Kliniken, Impfstoffhersteller und deren Lieferketten stehen zunehmend im Fokus von Cyber-Kriminellen“, sagte Schönbohm laut Mitteilung. Ausfälle in diesen Bereichen könnten verheerende Folgen haben.

Corona-Impfung in Deutschland: Bundesamt warnt vor Cyberangriffen

In der vergangenen Woche hatten unbekannte Hacker bei einem Angriff auf das IT-System der Europäischen Arzneimittel-Behörde EMA mit Sitz in Amsterdam illegal Dokumente über den Corona-Impfstoff der Mainzer Firma Biontech und des US-Pharmariesen Pfizer erbeutet. Die Behörde hatte von „einigen Dokumenten“ berichtet, die im Zusammenhang mit dem Zulassungsantrag für den Impfstoff bei dem Angriff gestohlen worden seien.

Die Cyber-Sicherheitsbehörde in Deutschland und Frankreich hätten einige Maßnahmen ergriffen, um die Cyber-Sicherheitslage im Gesundheitswesen zu verbessern, sagte Schönbohm. Schon im Frühjahr seien die Impfstoff-Hersteller für Gefahren durch Cyber-Kriminelle sensibilisiert worden. Mit der Bundesregierung sei das BSI intensiv im Gespräch über den Schutz der Logistikketten für Impfstoffe. „Auch die Unternehmen müssen ihren Teil dazu beitragen, etwa durch angemessene Investitionen in die Informationssicherheit“, forderte Schönbohm.

Corona-Impfung in Deutschland: Merkel und Spahn schalten sich Biontech-Gründern zu

Update vom 17. Dezember, 12.58 Uhr: „Wenn wir sehen, wie viele Menschen im Augenblick an Corona sterben, dann weiß man, wie viel Leben das retten kann“: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erhofft sich von den bevorstehenden Corona-Impfungen einen Durchbruch bei der Bekämpfung der Pandemie. In einer Videoschalte mit den Biontech-Gründern Ugur Sahin und Özlem Türeci sagte sie am Donnerstag außerdem: „Deshalb freuen wir uns natürlich auch in Deutschland schon auf den Tag, an dem das Impfen begonnen werden kann nach der Zulassung durch die europäischen Behörden.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nahm an der Schalte auch teil und nannte den 27. Dezember als EU-weiten Impf-Starttermin. Die Corona-Impfverordnung, welche die Impf-Reihenfolge regelt, solle an diesem Freitag in Kraft treten. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU), ebenfalls zugeschaltet, warb um Vertrauen in den Impfstoff von Biontech und Pfizer - und um Impfbereitschaft: „60 Prozent bis 70 Prozent müssen sich impfen lassen.“

Corona-Impfstoff von Biontech: Gründer verweist auf lange Grundlagenforschung

Biontech-Mitbegründer Sahin sagte zu, dass seine Mitarbeiter „über Weihnachten arbeiten“ würden, um eine rasche Auslieferung zu ermöglichen. „Wir sind an dem Thema seit 30 Jahren dran“, sagte er. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung hätten nun die schnelle Entwicklung des Corona-Impfstoffs ermöglicht. „Wir sind zuversichtlich, dass wir im nächsten Winter wieder ein normales Leben haben“, sagte er.

Biotech-Gründer Ugur Sahin (rechts) und seine Frau Özlem Türeci

Seine Kollegin Türeci sagte: „Das Etappenziel ist erreicht, der Marathon ist nicht ganz vorüber.“ Merkel dankte dem Forscherpaar für eine „wunderbare individuelle Forschungsleistung“. Der Durchbruch sei aber auch „Ausdruck unseres Herangehens, dass wir an Wissenschaft glauben“.

Corona-Impfung in Deutschland: Termin für Impf-Start genannt - Spahn nennt drei Gruppen mit Priorität

Unsere Erstmeldung vom 16. Dezember: Berlin - Deutschland wartet auf den Startschuss, um mit dem Impfen gegen das Coronavirus beginnen zu können. Jetzt ist zum ersten Mal offiziell ein Termin genannt worden.

Corona-Impfstart in Deutschland: Berlin nennt Termin

Die Berlin Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung informierte am Mittwochabend in einer Pressemitteilung: „Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) über die zu erwartende Zulassung und Zulieferung des Impfstoffes von BioNTech* informiert.“

Daraus ergibt sich demnach der 27. Dezember „als Starttermin für die Impfungen gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2.“

Ganz sicher ist dieser Termin aber noch nicht. Etwa muss die Europäische Arzneimittelagentur EMA das Mittel noch zulassen. Das ist für 21. Dezember geplant - acht Tage früher als ursprünglich vorgesehen. Falls hier alles glatt geht, könnte aber auch in Deutschland noch im Jahr 2020 gestartet werden.

Corona-Impfstart in Deutschland: Spahn will drei Prio-Gruppen definieren

Ein Fokus wird dabei auf Menschen in Pflegeheimen gelegt. Insbesondere hier soll Ende Dezember mit dem Impfen begonnen werden.

Zuvor war durchgedrungen, dass Jens Spahn bei der Impfung drei Gruppen priorisieren werde. Nach ntv-Angaben haben, wird der Gesundheitsminister folgende Gruppen unterscheiden:

  • Höchste Priorität: Menschen über 80 Jahren, Personen in Alten- und Pflegeheimen, die dortigen Pflegekräfte, medizinisches Personal auf Intensivstationen
  • Hohe Priorität: Menschen über 70 Jahren, Demenzkranke, Menschen in Obdachlosen- oder Asylunterkünften.
  • Hohe Priorität: Menschen über 60 Jahren, Personen mit speziellen Erkrankungen sowie Lehrer Erzieher und Personen, die im Einzelhandel tätig sind.

(rjs) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Tobias Schwarz/AFP

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