Trotz steigender Zahlen

Seehofer will Corona-Regeln plötzlich über den Haufen werfen - und fordert offene Geschäfte

  • Mike Schier
    vonMike Schier
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Bundesinnenminister Horst Seehofer kritisiert die komplizierten Corona-Regeln und will alle Geschäfte dauerhaft offen halten - mit Abstandsregeln.

München – Bundesinnenminister Horst Seehofer spricht sich für eine deutliche Vereinfachung der Corona-Maßnahmen aus. „Die Regelungen sind mittlerweile zum Teil recht kompliziert geworden und nicht immer logisch“, sagte der CSU-Politiker dem Münchner Merkur. „Die Leute verstehen nicht, wenn der Blumenladen schließen muss, aber der Supermarkt nebenan Blumen verkaufen darf.“

Corona-Maßnahmen: Seehofer fordert einen neuen Ansatz - „Brauchen einfachere Regeln“

Seehofer will einen neuen Ansatz*: „Wir alle müssen Corona sehr ernst nehmen. Aber dazu brauchen wir einfachere Regeln, die Schutz und Freiheit zusammenbringen und von jedem verstanden werden. Wir können doch jetzt nicht drei Jahre im Lockdown verharren.“ Sein Vorschlag: Ab einer Inzidenz von 50 darf nur noch ein Kunde pro zehn Quadratmetern Verkaufsfläche in einen Laden – egal, ob Supermarkt oder sonstiger Einzelhandel. „Eine Regel für eine Inzidenz von über 100 bräuchten wir dann nicht mehr.“ Diesen kritischen Wert dürften bald immer mehr Landkreise in Deutschland überschreiten. Damit träte die bislang gültige „Notbremse“ in Kraft, die eine Schließung vieler Geschäfte mit sich bringt. Viele Kommunalpolitiker, Einzelhändler und Kunden sehen dies allerdings kritisch.

Seehofer verweist auf andere Konzepte aus seinem Haus: „Wir haben bei den Erntehelfern in einem der ersten Wirtschaftszweige eine Blaupause mit Testungen und Abstandsregeln entwickelt, die sehr gut funktioniert hat. Ich erinnere an die Konzepte für die Gottesdienste. All das ist sehr frühzeitig hier im Innenministerium entstanden. Auch die Bundesliga spielt ohne größere Vorfälle – dank eines klugen Hygienekonzepts. Ich hätte sogar Spiele mit begrenzter Zuschauerzahl für möglich gehalten.“

Seehofer fordert einfachere Corona-Regeln - Ministerpräsidenten wollen geplante Lockerungen verschieben

Das Portal Business Insider meldete dagegen, dass die Ministerpräsidenten den bislang geplanten vierten Öffnungsschritt für Kultur und Außengastronomie in Regionen mit einer Inzidenz unter 50 verschieben wollen. Als Grund für den Schritt nennen Bund und Länder demnach „die Unsicherheit beim Astrazeneca-Impfstoff“ und das „verschlechterte Infektionsgeschehen“.            

Seehofer hält sich in der Corona-Krisen mit öffentlichen Äußerungen meist zurück. Lediglich zu Grenzfragen, die in sein Ressort fallen, äußerte er sich immer wieder. Auffällig war jedoch, dass er als erster für eine Öffnung der Friseure warb - kurz darauf schlossen sich zahlreiche Politiker dieser Forderung an. Unterdessen werden die Grenzkontrollen zu Tschechien und Österreich fortgesetzt. Horst Seehofer machte aber gleichzeitig Hoffnung für die Grenz-Situation mit Österreich. *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa

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