Angela Merkel hat Jens Spahn entmachtet - vorsichtshalber, kommentiert Georg Anastasiadis.
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Angela Merkel hat Jens Spahn entmachtet - vorsichtshalber, kommentiert Georg Anastasiadis.

Kommentar

Lieber Lockdown: Kanzlerin Angela Merkel ist bemüht vorsichtig - Spahn wird entmachtet und blamiert

  • Georg Anastasiadis
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Mit ihrem Schnelltest-Machtwort hat Angela Merkel ihren Gesundheitsminister schon zum zweiten Mal gedemütigt. Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Das hat gerade noch gefehlt: Während die dritte Corona-Welle anrollt, leisten sich die Kanzlerin und ihr Gesundheitsminister vor den Augen der staunenden Bürger einen Krach um die richtige Virus-Strategie. Blamiert steht Jens Spahn da, nachdem Angela Merkel den Minister nun auch bei der Einführung der kostenlosen Schnelltests für alle gestoppt hat – so wie sie ihn zuvor schon beim Impfen entmachtete. Jetzt soll ihr Vertrauter, Kanzleramtschef Helge Braun, die Viruskrise managen. Nach Merkels Willen. Das Muster ist bekannt: Als in der Flüchtlingskrise der damalige Innenminister de Maiziere an Merkels offenen Grenzen zweifelte, stellte sie ihn kalt und beförderte kurzerhand ihren Kanzleramtsminister Altmaier zum Architekten ihrer Asylpolitik.

Corona-Streit: Vorsichtige Merkel fürchtet Test-Ärger - und wählt lieber den Lockdown

Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.

Doch in einer Situation, in der es jeden Tag um Leben und Tod geht, schafft offener Streit kein Vertrauen. Spahn (und mit ihm CDU-Chef Laschet) will Öffnungen, doch dafür braucht es dringend und möglichst sofort umfassende Schnelltests. Spahn wäre gern schon am 1. März gestartet, auch wenn noch nicht alle (Beschaffungs-)Fragen restlos geklärt sind. Eben weil jeder Tag Leben retten kann. Doch die vorsichtige Merkel fürchtet öffentlichen Ärger um die Tests und ist eher dazu bereit, einen längeren Lockdown in Kauf zu nehmen. Wieder steht ihr Team gegen das Team Laschet/Spahn. Und wieder schwingt im Hintergrund ganz leise auch die Frage mit, wer das Zeug hat, Merkel als Kanzler zu folgen.

Corona in Deutschland: Bürokratie-Champion statt Organisations-Weltmeister

Deutschland war mal Organisations-Weltmeister. Jetzt ist es nur noch der Bürokratie-Champion. Wer öffnen will, braucht Ideen, Strategien. Doch die fehlen, weil die Hauptakteure streiten. Während Österreich schon überall Schnelltests anbietet, müssen bei uns erst Länderzuständigkeiten und -verfahren geklärt werden. An eine scharfe Corona-App zur Kontakt-Nachverfolgung hat sich die Regierung aus Angst vor maulenden Datenschützern erst gar nicht rangewagt. Und nachdem erst die Impfstoffbeschaffung vertrödelt wurde, häufen sich nun die Hinweise darauf, dass das Vakzin zwar jetzt da ist, aber nicht zügig genug verimpft wird. Der Profiteur dieses nicht enden wollenden Gestolpers ist das Virus.

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