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Schnelltest-Versprechen und Corona-Impfungen - Droht Bundesregierung die nächste Schmach?

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Von: Patrick Freiwah

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Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Kabinett mühen sich seit Monaten mit dem richtigen Umgang der Corona-Pandemie ab
Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Kabinett mühen sich seit Monaten mit dem richtigen Umgang der Corona-Pandemie ab. © bildgehege/imago-images

Deutschland ist weit davon entfernt, das Coronavirus zu bändigen. Das weitere Vorgehen der Bundesregierung lässt mutmaßen, dass das Ende der Pandemie noch dauern wird.

München - Die Corona-Infektionszahlen sinken plötzlich nicht mehr, Wirtschaftszweige sind eingefroren und die Impfstoff-Beschaffung verläuft mangelhaft. Dazu kommt noch, dass die unterschiedliche Handhabung der Bundesländer mit den Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie beim Volk für allerhand Verwirrung gesorgt hat.

Dass die Corona-Politik der Bundesregierung und vieler Regionen alles andere als zufriedenstellend verlaufen ist, davon zeugen einige Probleme, die sich auch im Verlauf des zweiten Lockdowns bisher nicht wie erhofft verbessert haben. Die Frage ist, wie angesichts der jüngsten Entwicklung die politische Strategie aussieht, das hartnäckige Virus und seine Mutationsformen zu bezwingen.

Ab März stellt die Bundesregierung Corona-Schnelltests für alle Bundesbürger Aussicht. Dass dieses Unterfangen reibungslos stattfinden wird, daran können viele Experten nicht glauben. „Freibier für alle ist leichter umzusetzen als Schnelltests für alle“, äußert der Chef des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte, Andreas Bobrowski, in Bild.

Corona-Schnelltest: Gelingt eine gerechte Verteilung?

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte angekündigt, dass sich dann alle BürgerInnen in Testzentren oder
Apotheken mit kostenlosen Schnelltests auf das Coronavirus testen lassen können. Ute Teichert, Vorsitzende des
Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, sagte der Funke-Mediengruppe: „Es
bringt bei der Pandemie-Bekämpfung nichts, einfach nur viele kostenlose Tests anzubieten.“ Sie vermisst vielmehr „eine Strategie und klare Regeln“.

So liegt das Szenario geradezu auf der Hand, dass die terminlich vorgezogene Maßnahme von April auf März viele Institutionen wieder vor Schwierigkeiten stellt, wie es bereits bei der ungleichmäßigen Verteilung der Impfstoffe passiert. Denn während zahlreiche Risikopatienten bis heute auf ihre erste Impfdosis warten, haben weniger gefährdete Personen bereits die zweite Impfung gegen Sars-CoV-2 verabreicht bekommen.

Ein weiteres Sorgenkind ist der Astrazeneca-Impfstoff. In der Debatte um die Tauglichkeit und Nebenwirkungen sind Mediziner und Ressortchef Spahn bemüht, Zweifel an dem unter besonderer Beobachtung stehenden Vakzin zu zerstreuen. Bis die Bedenken angesichts der zuletzt aufgekommenen Debatte jedoch gänzlich vom Tisch verschwinden, dürfte es noch eine Weile dauern.

Wie die Planungen im Hinblick auf Lockerungen für Ostern 2021 aussehen, dazu hat sich unterdessen Regierungssprecher Steffen Seibert geäußert:

Corona-Impfung: Regierung befürchtet Engpass bei Spritzen - Hausärzte warten auf Zeichen

Das nächste Problem ist die drohende Lücke bei der Versorgung mit Impf-Spritzen. Schon länger hat diesen Punkt auch die Bundesregierung auf dem Schirm, Gespräche mit zuständigen Vereinigungen fanden bereits statt. Der Grund für diese Annahme ist ein bekannter: Ähnlich wie bei den Impfstoffen selbst bahnen sich durch unkoordinierte Vorgänge einzelner Bundesländer Engpässe an, weil mancherorts zu viele medizinische Utensilien bestellt werden und andernorts dann diese Kapazitäten fehlen. Dabei gehe es vor allem um Spritzen, Nadeln und Kochsalzlösungen.

Schon länger ist geplant, dass im Zuge der Corona-Bekämpfung auch Hausärzte aktiv werden und Impfungen verabreichen. Berlin plant, dass diese Neuerung ab April flächendeckend in Deutschland möglich ist. Verbände klingen angesichts dieses Vorhabens nicht gerade optimistisch. Auch hier werden Engpässe bei der Lieferung des Zubehörs erwartet, geschweige denn dass alle Ärzte einen Impfstoff erhalten. „Seit Wochen stehen Hausärztinnen und Hausärzte in den Startlöchern, seit Wochen signalisieren wir der Politik: Wir sind zum Impfen in unseren Praxen bereit“, schildert Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes. Kontaktiert worden sei man von der Bundesregierung bislang jedoch nicht.

Unterdessen klärt eine neue Studie einen weit verbreiteten Irrtum auf: So viele Corona-Tote sind wirklich am Virus gestorben. (PF)

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