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Schul-Alarm für Scholz: Expertenrat-Mitglied sorgt sich um „hunderttausende“ Kinder - Erstes Bundesland reagiert

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Von: Florian Naumann

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Olaf Scholz auf Schulbesuch - noch vor der Corona-Krise. (Archivbild)
Olaf Scholz auf Schulbesuch - noch vor der Corona-Krise. (Archivbild) © Florian Gaertner/Imago

Leiden wieder die Jüngsten unter Omikron? Ein Expertenrat-Mitglied schlägt Alarm - und stellt klare Forderungen. Familienministerin Spiegel bietet Hilfe an.

Update vom 24. Januar, 19.55 Uhr: Berlins regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey hat die Aussetzung der Präsenzpflicht an den Schulen der Hauptstadt mit einer veränderten Lage infolge steigender Corona-Infektionszahlen begründet. „Die Entscheidung, die wir getroffen haben, (...) basiert auf der Erklärung der Amtsärzte in den Gesundheitsämtern, dass sie eine Kontaktnachverfolgung in allen über 800 Schulen bei über 300.000 Schülerinnen und Schülern nicht mehr so nachvollziehen können“, sagte die SPD-Politikerin auf der Pressekonferenz nach dem Corona-Gipfel.

„In diesem Moment, wo wir eine solche Situation haben, solche Fallzahlen haben, ist auf der einen Seite für uns wichtig, dass wir den Schulbetrieb aufrechterhalten, dass es ein Angebot weiter gibt.“ Gleichzeitig machten sich aber auch manche Eltern Sorgen und würden gerne selbst entscheiden, ob sie ihr Kind in die Schule schicken oder nicht. Das sei nunmehr ab Dienstag unkompliziert möglich.

„Trotzdem ist für uns wichtig: Die Schulen bleiben offen, das Präsenzangebot ist das Regelangebot auch weiterhin“, so Giffey. Die Aussetzung der Präsenzpflicht sei aber ein Weg, um verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden. Das sei eine Reaktion auf eine veränderte Lage. „Das ist das, was auch von uns erwartet wird. Das hat nichts mit Kontrollverlust zu tun.“

Corona: Schul-Alarm für Scholz - Expertenrat-Mitglied in Sorge um „hunderttausende“ Kinder

Erstmeldung vom 24. Januar: Berlin - Abseits des Corona-Gipfels am Montag bleiben auch die Schulen ein Brennpunkt der Omikron-Welle: Die Grünen-Familienministerin Anne Spiegel will nun mit massiven Maßnahmen Schließungen vorbeugen. Ein Mitglied des Expertenrats von Kanzler Olaf Scholz (SPD) warnt passend dazu vor drohendem Ungemach - und auch aus den Ländern gibt es in der laufenden Omikron-Welle beunruhigende Nachrichten.

Corona-Gipfel: Grünen-Ministerin bietet Schulen jetzt Hilfe vom Bund an

Spiegel bot Ländern Hilfe vom Bund an. Knapp 8000 pädagogische Fachkräfte aus den Programmen „Sprach-Kitas“ und „Respekt Coaches“ könnten „sechs Wochen lang in den Einrichtungen bei der Betreuung der Kinder helfen“, sagte sie in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe. Auf diesem Wege könne es mehr Flexibilität bei Personalengpässen geben.

Spiegel appellierte zugleich, auch Schulen und Kindergärten bei der PCR-Testung bevorzugt zu behandeln. Zur kritischen Infrastruktur gehörten Krankenhäuser, aber in einem nächsten Schritt auch Kitas und Schulen, sagte sie dem rbb-Inforadio. „Insofern sollten sie zumindest nicht ganz hinten auf der Liste sein, sondern sich schon weiter vorne finden, denn es ist schon ein wichtiges System, das jetzt nicht in die Knie gehen darf.“ Mit der Frage der PCR-Testung beschäftigt sich auch die Beschlussvorlage für den Gipfel.

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Schulen in der Corona-Krise: Expertenrat-Mitglied sorgt sich um „hunderttausende Kinder“

„Es gibt hunderttausende Kinder, die jetzt in die dritte Klasse kommen und die noch kein normales Schuljahr erlebt haben. Oder noch kein normales Kita-Jahr“, sagte unterdessen Expertenrat-Mitglied Reinhard Berner der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Auch in der Omikron-Welle muss das Wohl der Kinder im Blick bleiben, darf es nur als Allerletztes Maßnahmen wie Schul- oder Kitaschließungen geben, die bei den Jüngsten oft mehr Schaden anrichten, statt ihnen zu helfen“, sagte der Direktor der Kinderklinik Dresden weiter.

Auch Sport und gemeinsame Kultur- und Freizeiterlebnisse der Jüngsten dürften nicht wieder unterbunden werden, fügte er hinzu. „Neben der körperlichen muss auch die seelische Unversehrtheit der Kinder oberste Priorität haben“, sagte Berner. Quarantäne und folgende Schließungen seien „nicht mehr verhältnismäßig. Er sei überdies fest davon überzeugt, „dass die Pandemie kaum Aufmerksamkeit genießen würde, wenn nur Kinder betroffen wären. Der Alarm kommt durch die Gefahr für Erwachsene.“

Quarantäne für Schulkinder? Experte findet Regeln verfehlt - auch Test-Regime in der Kritik

Berner forderte auch ein Ende der Quarantäne für Kita- und Schulkinder. „Die Frage ist: Dient die Quarantäne den Kindern? Die Antwort ist: In der Regel nein, nicht den Kindern selbst.“ Die Quarantäne diene vor allem dem Schutz Erwachsener. Auch eine tägliche Testung brauche es nicht länger. „Bei Aufhebung der Quarantäne sollten die Kinder dreimal die Woche getestet werden. Jeden zweiten Tag, das wäre aus meiner Sicht zumutbar und ausreichend sicher“, sagte der Experte dem Blatt.

Regional gibt es offenbar auch schon Probleme: An den hessischen Schulen spitzt sich die Corona-Lage nach Einschätzung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) weiter zu. In vielen Regionen gebe es kaum noch eine Klasse, die nicht betroffen sei, sagte der GEW-Landesvorsitzende Thilo Hartmann am Montag der dpa. Im Interview mit Merkur.de hatte zuletzt auch Ethikrat-Mitglied Julian Nida-Rümelin Versäumnisse im Umgang mit Kindern in der Pandemie gerügt.

Fakten werden bereits in der Hauptstadt geschaffen: Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen wegen der Omikron-Variante wird die Präsenzpflicht an Berliner Schulen vorläufig ausgesetzt. Von Dienstag an können Eltern selbst entscheiden, ob ihr Kind die Schule besucht oder zu Hause an Aufgaben und Projekten arbeitet und lernt, wie Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) am Montag mitteilte. Das gelte zunächst bis Ende Februar. (dpa/fn)

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