Valdis Dombrovskis, EU-Kommissar für Handel, spricht während einer Pressekonferenz nach einem Online-Treffen der EU-Wirtschafts- und Finanzminister.
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Der EU-Vize-Kommissionspräsident Valdis Dombrovskis findet Spaniens Plan zu „vage“.

EU-Milliarden

Spanien will die Vier-Tage-Woche - EU-Abgeordnete reagieren kritisch: „sollte nicht Schule machen“

  • VonDana Popp
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Vielen Ländern geht es durch die Corona-Pandemie wirtschaftlich schlecht. Spanien will mit einer Vier-Tage-Woche einen Neustart nach der Krise wagen.

Madrid - Die Idee klingt erst einmal gut: Nicht mehr fünf Tage in der Woche arbeiten, sondern nur noch vier. Seit Jahren wird die Idee diskutiert. Argumente dafür sind, dass Arbeitnehmer motivierter und leistungsfähiger wären, wenn sie einen Tag unter der Woche freihätten, so viele Befürworter des Projektes, berichtet der Bayrische Rundfunk. Spanien will ab Herbst die Vier-Tage-Woche einführen. „Spanien gehört zu den Ländern, in denen die Menschen europaweit die längsten Arbeitstage haben. Und dazu ist unser Land nicht besonders produktiv“, beschreibt Iñigo Errejon, Chef der kleinen Linkspartei Más País, die Lage. „Warum versuchen wir es nicht, weniger Zeit am Schreibtisch zu verbringen und dafür mehr Zeit für schöne Dinge zu haben?“, ergänzt er. Seit Monaten setzt er sich für das Projekt ein. Gegenwind kommt aus der EU, da diese das Projekt unterstützen soll.

Vier-Tage-Woche in Spanien: Im Herbst geht es los - Kosten belaufen sich auf um die 50 Millionen Euro

Bereits in diesem Herbst soll das Modellprojekt in Spanien beginnen. Etwa 6.000 Beschäftigte von 200 hauptsächlich mittleren und kleineren Unternehmen arbeiten dann nur noch vier Tage in der Woche und das mindestens ein Jahr lang. Sollen aber den gleichen Lohn erhalten. Grund dafür ist, dass die Firmen so neue Jobs schaffen. Wenn fünf Mitarbeiter:innen jeweils einen Tag pro Woche nicht arbeiten, könnte die Firma eine zusätzliche Vollzeitkraft einstellen, um das Pensum aufzufangen, berichtet die Tagesschau. Das Problem daran: Es kostet.

Spanien zahlt den Betrieben dafür Geld. Von insgesamt 50 Millionen Euro wird gesprochen, doch dieses Geld ist im Haushalt nicht übrig. Daher könnten die Gelder wohl aus dem Corona-Rettungspaket der EU kommen. Wirtschaftsprofessor Juan Torres von der Universität Sevilla hält das nicht für schlimm. „Klar, wir geben Geld für ein Experiment aus, vom dem wir nicht wissen, ob es wirklich etwas bringt. Aber die Kosten sind überschaubar. Sie konkurrieren kein bisschen mit anderen Hilfsleistungen, die in dieser Pandemie ausgezahlt werden. Im Vergleich geht es um einen winzigen Anteil“, so Torres berichtet Focus online.

Vier-Tage-Woche in Spanien: Kritik hagelt vor allem von Wirtschaftsexpert:innen

Der Plan stößt jedoch auf viel Kritik, da man dieses Modell auch als 20-prozentige Lohnerhöhung betrachten könnte, so die Tagesschau. Bereits im Dezember bezeichnete Ricardo Mur, Präsident der Vereinigung von Unternehmen aus Aragonien, das Modellprojekt als „Wahnsinn“. „Um aus einer Krise herauszukommen, muss mehr gearbeitet werden, nicht weniger“, so Murr. Auch in Deutschland wird das Projekt eher kritisch gesehen. Der Europaabgeordnete und Wirtschaftswissenschaftler Stefan Berger (CDU) spricht von einem „ziemlich heftigen Ding“ und erhebt den Einwand: „Wer weniger arbeitet, produziert weniger. Dadurch ist noch nie eine Gesellschaft reicher geworden.“ Der FDP-Haushaltsexperte im Europaparlament, Moritz Körner, scheint ähnlicher Ansicht zu sein und sagt zu den spanischen Plänen: „Das sollte nicht Schule machen.“ Und fügt hinzu: „Ich glaube nicht, dass die EU als Reform eine Vier-Tage-Woche vorgeschlagen hat.“

Die EU-Kommission prüft zurzeit die Pläne der Mitgliedsländer für den Einsatz der Gelder aus dem Corona-Hilfspaket. Der EU-Vize-Kommissionspräsident Valdis Dombrovskis scheint mit den Ideen zur Ausgabe der Gelder, die ihm bisher vorliegen, noch nicht wirklich zufrieden zu sein. Es gebe noch „viel Arbeit zu tun, bevor die Pläne reif genug sind“, sagte er Ende März. Auch Spanien ist im Visier des EU-Vize-Kommissionspräsidenten „Der spanische Plan ist vage, das sagen viele.“ Die Grünen im Europaparlament werfen Dombrovskis sogar vor, Spanien unangemessen im Blick zu haben: Er beziehe zu den Bemühungen um Arbeitsmarktreformen dort klar gegen die Regierung Stellung, so der Co-Vorsitzende der Grünen-Fraktion, Philippe Lamberts, berichtet Focus online. (dp)

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