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Corona-Versagen: Lauterbach und Braun geraten bei Illner aneinander - „Finde das vollkommen falsch!“

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Karl Lauterbach zu Gast bei „Maybrit Illner“ (ZDF)
Karl Lauterbach zu Gast bei „Maybrit Illner“ (ZDF). © ZDF/Maybrit Illner (Screenshot)

Maybrit Illner widmet sich in ihrem Polit-Talk im ZDF erneut Corona, vor allem den vulnerablen Gruppen, die derzeit wieder gefährdet sind. In mehreren Pflegeheimen kam es bereits zu gehäuften Todesfällen.

Illner bringt es zu Beginn ihres Talk auf den Punkt: „Das Virus ist wieder dort angekommen, wo wir es gar nicht haben wollten und wo es am gefährlichsten ist: in den Altenheimen.“

Die Moderatorin zeigt sich regelrecht erbost über die aktuelle Gesundheitspolitik: Die Booster-Impfungen seien trotz vorhandenen Impfstoffes immer noch nicht richtig angelaufen. Illner fragt Richtung Jens Spahn provokant in die Kamera: „Wieder Winter? Wieder kein Plan?“

Lauterbach bei Maybrit Illner: 15 Millionen Umgeimpfte „treiben die Pandemie“

Doch die Experten-Runde ist sich ziemlich schnell einig: An der Politik liegt es nicht. Ein Problem stellen die vielen Erwachsenen dar, die sich nicht impfen lassen wollen. Rund 15 Millionen, darunter auch drei Millionen jenseits der 65. Lauterbach kommentiert später: „Das sind Menschen, die gehen voll ins Risiko.“ Sie würden dazu aber auch andere gefährden und die „Pandemie treiben“.

Auch Kanzleramtschef Helge Braun klingt leicht genervt, wenn er trocken feststellt: „Wenn die sich impfen lassen würden, wäre der Winter entspannt.“

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Andreas Gassen ergänzt eine Gefahren-Statistik: Das Risiko, dass eine Corona-Erkrankung einen schweren Verlauf nehme, sei bei einem 45-jährigen Ungeimpften um das 25-fache höher als bei einem Geimpften, sagt Gassen streng von seinem Monitor herab.

„Maybrit Illner“ - diese Gäste diskutierten mit:

Prof. Christine Falk macht anhand der Zahl zu den Impfdurchbrüchen deutlich, wie „extrem wirksam“ der Impfstoff sei: 145.000 Fälle bei 55 Millionen Geimpften, das entspreche in etwa 0,2 Prozent und sei marginal.

Maybrit Illner stellt noch mal die Impfpflicht zur Debatte: Geht in Italien, Frankreich - warum nicht in Deutschland? Helge Braun erklärt die rechtliche Situation nochmal: Eine Impfpflicht ginge nur zum Ausrotten einer Krankheit, die WHO setze hier die Standards.

Die Hälfte der Altenpfleger soll in Deutschland noch ungeimpft sein

Illner hakt weiter nach: Impflicht auch nicht beim Pflegepersonal? Das stellt derzeit vor allem in den Alten- und Pflegeeinrichtungen einen Problemfaktor dar. In der Illner-Runde wird die Zahl der Umgeimpften in der Altenpflege auf bis zu 50 Prozent geschätzt. Lauterbach ergänzt: „Es handelte sich vermutlich um Hilfspersonal.“

Braun äußert dennoch Bedenken: „Wir haben jetzt schon zu wenige in der Pflege“, so der Kanzlerlamtschef überraschend offen. Wenn sich die Hälfte der Menschen nicht impfen lassen wolle, bestünde die Gefahr, dass diese sich bei Einführung einer Pflicht woanders eine Arbeit suchen oder in ihre Heimatländer zurückgehen. Braun: „Die Einrichtungen sagen uns: Macht das bitte auf keinen Fall!“ Andreas Gassen bestätigt: „Zu riskieren, dass ein Teil dann gar nicht mehr zur Arbeit kommt, ist eine schwierige Entscheidung.“

Bliebe nur noch das Testen. Die Runde ist sich einig, die sollten weiterhin kostenfrei bleiben - auch für Ungeimpfte. Auch Lauterbach sieht das zumindest für das medizinische Personal und Besuchern in Altenheimen für notwendig.

Braun kritisiert bei Maybrit Illner offen die Ampel und Jens Spahn für Corona-Versäumnisse

Braun setzt auf Booster-Impfungen und wundert sich mit Seitenhieb Richtung Spahn, wieso diese nun „so schleppend beginnen“ würden. Da entstünde ein „riesengroßer Schaden“, so Braun, immerhin rede man bereits seit September über deren Notwendigkeit und die Mittel, der Impfstoff, seien im Vergleich zum Vorjahr inzwischen ausreichend vorhanden. Braun: „Hier ist Gefahr im Verzug“ und führe bereits zu „unnötigen Todesfällen“.

Landrat Stephan Pusch kritisierte wie schon in vergangenen Sendungen an dieser Stelle wieder das Fehlen eines Krisenstabes, der statt mit vielen, mit einer Stimme kommuniziert und die Befugnis hätte, Dinge deutschlandweit umzusetzen. Doch auf Zustimmung in der Runde trifft der Landrat nicht.

Am Ende geraten sich Braun und Lauterbach in die Haare. Den Streit vom Zaun bricht Braun, der gegen die „Ampel-Koalitionäre“ wettert, die kürzlich das Ende der epidemischen Lage am 24. November verkündet hatten. Braun: „Ich finde das Symbol vollkommen falsch!“

Sofort meldet sich Lauterbach, der den Koalitionsverhandlungen beiwohnt, zu Wort und erklärt unter anderem: „Ich könnte jetzt zum Beispiel sagen, dass Jens Spahn mit seinem Vorpreschen, er war ja gar nicht zuständig, uns unter Druck gesetzt hat! Aber ich sage das nicht …“

Illner wendet ein: „Haben Sie aber gerade!“ Doch Lauterbach schmunzelt: „Ich habe nur gesagt, was ich nicht sagen will!“ Da muss sogar Helge Braun auflachen. Und der SPD-Mann macht klar, was ab dem 24. November des Jahres tatsächlich folgen wird: Die „rechtliche Grundlage“, damit die Länder in Zukunft „befugt“ sind, „weitreichenden Maßnahmen“ selbst zu ergreifen, Lauterbach preist die Befugnisse wie ein Marktschreier an: „2G, 3G, Testen, Masken, Abstände…“ Landrat Pusch ruft dazwischen: „Bitte bloß keine Schulschließungen!“ Lauterbach schüttelt den Kopf, die seien nicht geplant.

Fazit des „Maybrit Illner“-Talks

Wichtiger Zwischenstand, Warnung und Vorausnahme: Das Coronavirus wird auch in diesem Winterhalbjahr Menschen das Leben nehmen. Der Appell des Talks war unüberhörbar: „Schützt euch, Leute, und lasst euch impfen, falls es noch nicht passiert ist!“ Doch in der Sendung gibt es viel „klein, klein“ und Menschen lassen sich erfahrungsgemäß selten durch Experten-Diskussionen vom Sessel reißen. Impfgegner, die derzeit zu der Ausbreitung der Viren beitragen, sich, aber auch andere gefährden, leider vermutlich erst recht nicht.                

von Verena Schulemann

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